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Bibliothek erwirbt Album mit Europas Herrschern

Für den Kunsthändler und Diplomaten Philipp Hainhofer war das Große Stammbuch ein Geschäftsmodell. Es fungierte als Türöffner in Adelskreisen. Jetzt soll das kostbare Werk in Wolfenbüttel erforscht und ausgestellt werden.



Freundschaftsbuch
Das 400 Jahre alte Buch list der spektakulärste Ankauf der Herzog August Bibliothek (HAB) Wolfenbüttel seit Jahrzehnten.   Foto: Peter Steffen/dpa

Für rund 2,8 Millionen Euro hat die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) ein aufwendig gestaltetes Freundschaftsbuch aus dem frühen 17. Jahrhundert gekauft.

Im Großen Stammbuch des Augsburger Kunstvermittlers Philipp Hainhofer verewigten sich zwischen 1596 und 1647 Kaiser, Könige, Fürsten und Militärs.

Die 227 Seiten des Album gestalteten Künstler - etwa mit Porträts der Prominenten, Wappen, Tieren und Blumen. Hainhofer habe die damaligen Eliten dazu gebracht, in seinem Buch zu unterschreiben, sagte HAB-Direktor Peter Burschel am Dienstag.

Finanziert wurde der Kauf mit Geldern der Kulturstiftung der Länder, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie zahlreichen weiteren Stiftungen. Niedersachsen finanziert mit 300 000 Euro ein dreijähriges Forschungsprojekt, um die Gestaltung und politische Bedeutung des Buches zu untersuchen. Es soll in Kürze digitalisiert werden. Auch eine Ausstellung ist geplant.

Das kostbare Werk war lange in Privatbesitz und birgt noch zahlreiche Geheimnisse. 1931 sei es im Verkaufskatalog eines Londoner Antiquariats aufgetaucht, sagte Christian Heitzmann, Leiter der Handschriftenabteilung der HAB. 2006 scheiterte die Wolfenbütteler Bibliothek, es bei einer Auktion in New York zu ersteigern. Jetzt war Hainhofers Buch dem Haus von einem privaten Sammler angeboten worden. Es handelt sich um den spektakulärsten Ankauf der HAB seit dem Kauf des mittelalterlichen Evangeliar Heinrichs des Löwen 1983.

«Der Erwerb des Großen Stammbuchs Hainhofers ist eine Sensation und ein Glücksfall für den Kulturguterhalt in Deutschland», sagte Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler (CDU). Man könne es mit einem Poesiealbum oder mit Facebook heute vergleichen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters betonte, das Buch sei «ein beeindruckendes historisches Dokument über die Entstehungsgeschichte des Dreißigjährigen Krieges». Der Namensgeber der Bibliothek, Herzog August, war mit Hainhofer befreundet und hat ebenfalls eine Seite gestaltet.

© dpa-infocom, dpa:200825-99-303435/3

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Veröffentlicht am:
25. 08. 2020
16:42 Uhr

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