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«Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht» in Mainz

Nach jahrelanger intensiver Vorbereitung geht es jetzt los: In der Schau «Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht» werden die Herrschaftsstrukturen der Kaiserzeit von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa sichtbar.



Ausstellung im Landesmuseum Mainz
Die «Große Mainzer Adlerfibel» (975-1025) in der Ausstellung im Landesmuseum Mainz.   Foto: Andreas Arnold/dpa » zu den Bildern

Fünf Ehefrauen, zwei Scheidungen und mindestens vier Geliebte - mit solchen Details zum Leben von Kaiser Karl dem Großen will eine große Ausstellung in Mainz die Andersartigkeit des Mittelalters präsent machen.

Dazu gehöre auch, dass 90 Prozent der damals vier bis fünf Millionen Einwohner der deutschen Lande als Bauern oder Tagelöhner von jeder politischen Macht ferngehalten worden seien, sagte zur Eröffnung am Dienstag Bernd Schneidmüller als wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung «Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht».

Die überregionale Strahlkraft großer Sonderausstellungen habe ein besonderes Potenzial, um Kulturstandorte weiterzuentwickeln, sagte der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf (SPD). Die mit Kosten von drei Millionen Euro gestaltete Präsentation zur Kaiserzeit von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa bildet die Mitte in einem großen rheinland-pfälzischen Ausstellungsreigen. Den Anfang machte 2016 die Nero-Ausstellung in Trier. Dort ging es 2018 mit der Karl-Marx-Ausstellung weiter. Für 2022 ist eine Trierer Ausstellung zum Untergang des Römischen Reichs geplant. «Und dann werden wir uns Gedanken über die nächste Ausstellung machen», sagte Wolf.

Die Ausstellung will erstmals zusammenhängend darstellen, dass die Region zwischen Köln/Aachen im Norden und Basel im Süden, zwischen Metz und Gelnhausen ein europäisches Machtzentrum war. Sie beleuchte den Wirkverbund der Entscheidungsgewalt im Früh- und Hochmittelalter, erklärte Schneidmüller. «Ein Kaiser musste Furcht verbreiten und Liebe auf sich ziehen.» Aber nur zehn Prozent der Bevölkerung im Mittelalter hätten einen Anteil an den Säulen der Macht gehabt. Die Ausstellung wolle die übrigen 90 Prozent zumindest schlaglichtartig sichtbar machen.

Mehr als 80 Leihgeber konnte die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) für die Ausstellung gewinnen. Zu den besonderen Schätzen gehören etwa das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Pariser Louvre, ein Exemplar der Goldenen Bulle aus dem Österreichischen Staatsarchiv in Wien und der Codex Manesse, die im 14. Jahrhundert entstandene Heidelberger Liederhandschrift. Einige Objekte geben noch Rätsel auf, etwa eine über Jahrzehnte vergessene Bronzetür aus dem Mainzer Kloster St. Alban.

Die vier Abteilungen der Ausstellung sind chronologisch nach Herrscherpersönlichkeiten geordnet: Karl der Große, Heinrich II., Heinrich IV. und Heinrich V. sowie Friedrich I. Barbarossa. Die Ausstellung im Landesmuseum Mainz dauert bis zum 18. April 2021. Karten können online oder vor Ort für bestimmte Zeitfenster erworben werden. Zu den Corona-Bedingungen gehören auch Maskenpflicht und eine Höchstzahl von Besuchern, die sich zur gleichen Zeit in einem Raum aufhalten dürfen.

Einzelne Aspekte der mittelalterlichen Kaiserzeit werden in 26 «Korrespondenzausstellungen» an 15 Orten vertieft, darunter in Hessen im Kloster Lorsch und in der Kaiserpfalz in Gelnhausen. Die Corona-Pandemie erschwerte die Vorbereitungen und führte zur Absage von Veranstaltungen des bereits im April eröffneten «Kaiserjahres». Dieses wird mit seinen insgesamt mehr als 600 Veranstaltungen nun bis Ende Oktober 2021 verlängert.

© dpa-infocom, dpa:200908-99-479848/3

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Veröffentlicht am:
08. 09. 2020
17:54 Uhr

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