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Trauer um Schauspieler Birol Ünel

Im Film «Gegen die Wand» war er eine Wucht. Schauspieler Birol Ünel kannte Absturz und Exzess auch im eigenen Leben. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben. Warum man den Film mit ihm nochmal sehen sollte.



Schauspieler Birol Ünel
Birol Ünel 2013 in Berlin. Der Schauspieler starb im Alter von 59 Jahren.   Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der Film «Gegen die Wand» machte ihn bekannt: Der Schauspieler Birol Ünel ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 59 Jahren in Berlin, wie das Berliner Maxim Gorki Theater und der Regisseur Fatih Akin über eine Sprecherin am Freitag bestätigten.

Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung darüber berichtet.

Im Drama «Gegen die Wand» (2004) spielte Ünel einen wilden, verlebten Typen. Seine Figur Cahit setzt ein Auto gegen die Wand und landet in der Psychiatrie. Dort lernt er Sibel (Sibel Kekilli) kennen. Er lässt sich auf eine Scheinehe mit ihr ein, damit sie sich von ihrer Familie lösen kann. Beiden verlieben sich.

Der Film gewann den Goldenen Bären der Berlinale - und brachte seinem Hauptdarsteller den Deutschen Filmpreis ein. Auch in «Soul Kitchen» arbeiteten Ünel und der Hamburger Filmemacher Akin zusammen. «Ruhe in Frieden, mein Freund. Du hattest ein Licht in Dir, das mich immer überwältigt hat», postete Akin bei Instagram.

Mit seinen langen Haaren und dem zerfurchten Gesicht blieb Ünel dem Zuschauer im Kopf. Kaum jemand kippte im Film so überzeugend eine Bierflasche runter. Geboren wurde Ünel 1961 in der Türkei, als Kind kam er nach Deutschland. In Hannover begann er ein Schauspielstudium. Er probierte viel aus, auch am Theater. Später machte er ein Alkoholproblem öffentlich.

«Die Leute wollen den Kaputten sehen. Den Kaputten, der auf Regeln pfeift und macht, was er will», sagte er 2014 der «Süddeutschen Zeitung». «Als ich mit meiner Trinkerei an die Öffentlichkeit gegangen bin, haben alle applaudiert.» Er habe das bewusst bekanntgegeben und seine Haltung nie bereut.

«Ich wollte nie ein guter Junge sein. Weder für die Öffentlichkeit noch sonst irgendwen. Ich bin einfach jemand, der seine eigene Haltung hat, der den Rausch in seinem Leben braucht», sagte er in dem Interview. Er sei überzeugt, dass es wichtig ist, ab und zu high zu sein. «Exzessiv zu leben. Mehr zu fühlen, mehr zu sehen.»

Der Regisseur Akin bezeichnete den Schauspieler mal als «Enfant terrible», als Punker und Troublemaker. «Birol verkörpert viele Dinge, die ich nicht bin, von denen ich manchmal aber gern was hätte», sagte er der «Süddeutschen Zeitung».

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte Ünel als «großartigen Darsteller». In den 90ern habe er in der Stadt seine Theaterkarriere begonnen - «erst im Kunsthaus Tacheles, dann bei Frank Castorf an der Volksbühne». «Ünels Leben kannte bedauerlicherweise nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen und Abgründe», teilte Müller mit. Berlin trauere «um einen faszinierend-einprägsamen Darsteller».

Der Film «Gegen die Wand» ist bis heute sehenswert. Nicht nur wegen der Szenen wie Birol Ünel mit Halskrause und Jogginghose eine Kippe im Klinikcafé raucht. Sondern auch weil er viel erzählt: Über Identität und Zusammenleben, über Liebe und Elend.

In den 80ern spielte Ünel in Thomas Braschs «Der Passagier - Welcome to Germany» mit, in den 90ern etwa in Heinrich Breloers «Todesspiel»» über die Entführung Hanns Martin Schleyers. Er war im «Tatort» zu sehen und spielte in «Soul Kitchen» (2009) einen cholerischen Koch. Nun sei er «nach schwerer Krankheit» in Berlin gestorben, teilte eine Sprecherin des Gorki Theaters mit.

© dpa-infocom, dpa:200904-99-430754/6

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 09. 2020
17:21 Uhr

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