Brennpunkte

Aus Wut die eigenen Eltern getötet - 39-jähriger gesteht

Die Mutter wollte, dass ihr arbeitsloser Sohn endlich auszieht. Am Silvestermorgen stieg eine mörderische Wut in dem 39-Jährigen auf. Er tötete beide Eltern, wie er jetzt im Landgericht Rostock gestand.



Doppelmordprozess
Justizmitarbeiter führen den 39-Jährigen in den Saal des Rostocker Landgerichts.   Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Aus Wut hat ein 39-Jähriger am Silvestermorgen 2019 in Rostock seine Eltern umgebracht - das gestand der arbeitslose Fleischer beim Prozessauftakt. Dieses Gefühl habe er schon häufiger in seinem Leben verspürt, sagte der Mann im Landgericht Rostock.

Seine Mutter habe ihn häufig erniedrigt, sein Vater oft geschlagen. Die Staatsanwaltschaft hat den 39-jährigen wegen Mordes am Vater und wegen Totschlags der Mutter angeklagt. Laut Anklage hat der Sohn mit einem Hammer auf seinen schlafenden Vater eingeschlagen und dann 21 Mal auf ihn eingestochen. Danach habe er seine Mutter mit 41 Stichen getötet. Die Opfer waren 62 und 61 Jahre alt. Einen konkreten Anlass für die Tat habe es nicht gegeben, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Allerdings habe er auf Drängen seiner Mutter zum 1. Januar 2020 ausziehen wollen. Er habe bereits drei Umzugskartons gepackt gehabt, sei aber noch ohne neue Unterkunft gewesen.

Einer seiner Brüder hatte der Polizei als Zeuge berichtet, die Eltern hätten dem Sohn ein Ultimatum gestellt. Falls er sich nicht um eine Arbeit kümmere, wollten sie ihn demnach nicht mehr in ihrer Wohnung dulden. Nach Ansicht des Bruders könnte ein Streit über das Ultimatum konkreter Anlass für die Tötung der Eltern gewesen sein.

Der Angeklagte bestritt indes ein solches Ultimatum. Der 39-Jährige hatte seit 2016 wieder bei seinen Eltern im Rostocker Stadtteil Dierkow gewohnt. Er konnte sich am Dienstag nicht an alle Details der Tat erinnern. Danach habe er in der Wohnung noch etwa drei Stunden lang Bier getrunken, bevor er in den Morgenstunden zu einer Polizeistation ging. Dort berichtete der Mann, dass er gerade seine Eltern getötet habe. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Das Gericht wies zu Beginn des Prozesses darauf hin, dass auch eine Verurteilung wegen zweifachen Mordes und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld in Frage kommen könne. In diesem Fall könnte eine lebenslange Haftstrafe nicht bereits nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Rostocker Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, mit dem Urteil wird Anfang August gerechnet.

© dpa-infocom, dpa:200630-99-623106/2

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
17:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angeklagte Brüder Eltern Landgericht Rostock Mütter Polizei Staatsanwaltschaft Söhne Wut Zeugen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Voerde

28.01.2020

Frau vor Zug gestoßen: Richter schicken Täter in Psychiatrie

Unvermittelt und von hinten stößt der Täter eine 34-Jährige in Nordrhein-Westfalen vor einen einfahrenden Zug. Sie stirbt noch im Gleisbett. Die Richter sprechen von einer «verstörenden Tat». » mehr

Zwei Tote in Dormagen

26.04.2020

Vater getötet - Polizei erschießt Sohn

Ein Sohn tötet seinen Vater im Haus der Familie in Dormagen - und stirbt anschließend selbst durch einen Schuss von Polizisten. Noch steht nicht fest, was genau geschah. » mehr

Mord mit Samuraischwert

27.07.2020

14 Jahre Haft nach Mord mit Samuraischwert

Mit einem Samuraischwert bringt ein Mann in Stuttgart seinen Ex-Mitbewohner um. Mitten auf der Straße und vor zahlreichen Zeugen. Jetzt ist der 31-jährige Täter verurteilt worden. » mehr

Stephan Balliet

22.07.2020

Video bei Halle-Prozess - Trauer und Wut im Gerichtssaal

Am zweiten Prozesstag zum Anschlag auf die Synagoge in Halle sorgt ein Video für Emotionen, das der Attentäter von der Tat drehte. Während die Nebenkläger teils den Saal verlassen, befremdet der Angeklagte mit seiner Rea... » mehr

Polizeiwagen

10.07.2020

19-Jährige in Weser ertränkt - Beschuldigte festgenommen

Sie wurde lebend in einem Kanal versenkt. Dafür beschwerten die Täter den Körper der 19-Jährigen mit einer Steinplatte. Wenige Monate nach der grausamen Tat in Niedersachsen sitzen nun mehrere Verdächtige in U-Haft. » mehr

Tödliche Schüsse in Rot am See

29.06.2020

Sechs Familienmitglieder erschossen: 27-Jähriger gesteht

Die Tat hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt: Ein 27-Jähriger soll Ende Januar einen Verwandten nach dem anderen erschossen haben. Sechs Menschen sterben. Beim Prozessauftakt zeigt er Reue - aber auch viel Hass. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Wieder Ammoniak-Alarm in Kulmbach

Wieder Ammoniak-Alarm in Kulmbach | 06.08.2020 Kulmbach
» 6 Bilder ansehen

Dota Kehr und Lappalie in der Filzfabrik Hof

Dota Kehr und Lappalie in der Filzfabrik | 06.08.2020 Hof
» 44 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
17:29 Uhr