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Mallorcas Balanceakt zwischen Corona-Angst und Kommerz

Mallorca ist hin- und hergerissen. Die Insel lebt von Urlaubern. Wilde Partys aber schüren die Angst vor Corona. Nun herrscht eine strenge Maskenpflicht. Wird das reichen?



Maskenpflicht auf Mallorca
Mallorca hat die Einführung einer strengen Maskenpflicht beschlossen. Alle Menschen müssen in der Öffentlichkeit einen Mund- und Nasenschutz tragen - auch dann, wenn der Sicherheitsabstand gewahrt werden kann.   Foto: Clara Margais/dpa

Bei Temperaturen um die 30 Grad unter einer Gesichtsmaske zu schwitzen, entspricht nicht gerade den Hochglanzbroschüren der Tourismusbranche.

Der Deutschen liebste Ferieninsel Mallorca hat nun aber gerade eine besonders strenge Maskenpflicht erlassen. Im Freien muss künftig jeder ab sechs Jahren fast immer Nase und Mund bedeckt halten, sonst setzt es ein Bußgeld von 100 Euro. Nur am Strand, am Pool, beim Essen und Trinken, in der Natur außerhalb von Ortschaften sowie beim Sport darf man Gesicht zeigen. Das geht aus einem am Montag im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervor.

Die Überwachung dürfte allerdings haarig werden. So soll die Maskenpflicht zum Beispiel auch an der Theke gelten, wenn jemand länger nichts zu sich nimmt. Wie lange nicht? Die regionale Gesundheitsministerin Patricia Gómez appellierte auf eine entsprechende Frage bei einer Pressekonferenz nur mit einem Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen.

Die einflussreiche Tourismusbranche, die für 35 Prozent der Einnahmen der vier Baleareninseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera sorgt, hatte noch versucht, die Maßnahme zu verhindern. Sie fürchtet, dass Deutsche und Briten die Insel meiden und angesichts der Auflagen doch lieber die zwar kühleren, aber dafür entspannteren heimischen Strände und Badeseen vorziehen könnten.

Die Balearenregierung aber blieb standhaft. Die Gesundheit der Urlauber und der Einheimischen habe Priorität, begründete Regionalpräsidentin Francina Armengol die Maskenpflicht. Das Coronavirus sei immer noch da und es wäre ungerecht, wenn die große Mehrheit, die sich verantwortungsbewusst verhalte, von wenigen Unvorsichtigen gefährdet werde. Und die Unvorsichtigen hatten es vergangenen Freitag mal wieder ordentlich krachen lassen.

Zum ersten Mal nach dem Ende des spanischen Corona-Notstands im Juni machten Hunderte Touristen am Ballermann wieder groß Party - und sorgten damit für Empörung auf Mallorca. Kaum einer der Feiernden hatte an der Playa de Palma die derzeit in ganz Spanien geltenden Schutzvorschriften beachtet. Angetrunkene Urlauber umarmten nach Medienberichten Straßenhändler und flirteten hemmungslos mit Fremden. «Chaos», titelte die Regionalzeitung «Última Hora».

«Das Virus hat den Sauftourismus nicht töten können», schrieb die Zeitung «Diario de Mallorca». Anwohner beschwerten sich über dröhnende Musik und grölende Betrunkene nach Mitternacht. Die Lage sei «völlig außer Kontrolle geraten». Am Samstag war es dann wieder etwas ruhiger, berichtete die deutschsprachige «Mallorca Zeitung». Da könnte auch die Drohung mit Strafgeldern von bis zu 600.000 Euro für Veranstalter illegaler Partys eine Rolle gespielt haben. Ein Kellner sagte der «Mallorca Zeitung», Zustände wie Freitagabend dürften sich auf keinen Fall wiederholen. «Sonst ist die Party schneller vorbei, als sie wieder angefangen hat.»

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich mit Blick auf die Berichte aus Mallorca besorgt. «Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird», sagte er in Berlin. Dort wo miteinander gefeiert werde, sei das Risiko besonders hoch - auch das Rückreiserisiko für alle anderen im Flugzeug und für die Menschen zu Hause. Feiern im österreichischen Skiort Ischgl gelten als einer der Ausgangspunkte für die Verbreitung des Coronavirus auch in Deutschland.

Die Balearen folgen mit der Maskenpflicht dem Beispiel Kataloniens und der Extremadura. Auch andere spanische Regionen planen entsprechende Anordnungen. Bisher muss in anderen Teilen Spaniens im Freien nur dann eine Maske getragen werden, wenn der Sicherheitsabstand zu Fremden nicht eingehalten werden kann.

Unterdessen stoppte eine Richterin zunächst die für die katalonische Stadt Lleida und sieben umliegende Gemeinden ab Montag bestehenden Ausgangsbeschränkungen. Die von der Regionalregierung angeordnete Maßnahme sei unverhältnismäßig, sagte sie zur Begründung. Regionalpräsident Quim Torra betonte, er akzeptiere die Entscheidung nicht und kündigte ein Dekret an, um die Ausgangsbeschränkungen durchzusetzen. Wegen steigender Infektionszahlen steht die Region Lleida schon seit einer Woche unter Quarantäne, Fahrten in und aus dem Gebiet sind weitgehend untersagt.

Spanien ist mit knapp 28.400 Corona-Toten und 250.000 Infizierten eines der am schwersten von der Pandemie getroffenen Länder Europas. Landesweit sind die Zahlen seit Mitte Mai stark gesunken. Seit dem Ende der Beschränkungen kommt es aber lokal zu neuen Corona-Fällen. Derzeit sind nach einem Bericht des spanischen Fernsehens mehr als 100 solcher räumlich begrenzter Ausbrüche bekannt.

© dpa-infocom, dpa:200713-99-769580/5

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13. 07. 2020
22:17 Uhr

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