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Präsident Macron bereitet Franzosen auf harte Zeiten vor

Normalerweise wendet sich der französische Präsident in TV-Ansprachen an die Bürger. Fernsehinterviews Macrons sind höchst ungewöhnlich - doch dafür entschied sich der 42-Jährige am Nationalfeiertag. Und dabei hat er nicht nur gute Nachrichten für seine Landsleute.



Präsident Macron
Präsident Emmanuel Macron am französischen Nationalfeiertag in Paris.   Foto: Christophe Ena/AP/dpa » zu den Bildern

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Französinnen und Franzosen auf eine wirtschaftlich harte Zeit nach der Coronavirus-Krise eingeschworen.

«Wir werden einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben», sagte Macron in einem Fernsehinterview zum französischen Nationalfeiertag. Gleichzeitig stellte der Präsident ein umfassendes Konjunkturprogramm in Aussicht. Es werde mindestens 100 Milliarden Euro schwer sein. Hinzu kämen noch 460 Milliarden Euro, die bereits seit Beginn der Epidemie als Unterstützung der Wirtschaft zugesagt wurden.

Der Staatschef dankte am Vormittag bei den Feierlichkeiten zum 14. Juli auch den Pflegekräften für ihren Einsatz während der Krise. Wegen Corona fiel die übliche Militärparade erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs aus. Im Anschluss gab er das Interview.

Macron erklärte in dem mehr als eine Stunde dauernden Gespräch, dass es Schätzungen zufolge im Frühjahr 2021 rund 800.000 bis eine Million zusätzliche Arbeitslose geben werde. Um Arbeitsplätze zu erhalten, müsse weiterhin investiert werden. Macron sprach sich außerdem für ein langfristiges System von Teilzeitarbeit aus.

Der Staatschef bekräftigte, dass die Regierung an der umstrittenen Rentenreform festhalten wolle. Er räumte jedoch ein, dass diese nicht in der Form wie vor der Gesundheitskrise geplant umgesetzt werden könne. «Sie muss wieder diskutiert und verhandelt werden.» Im Dezember und Januar gab es wochenlange Proteste gegen die Reformpläne in Frankreich - es kam zu Bahnstreiks, die das Land lähmten. Die Rentenreform gilt als eines der Prestigeprojekte Macrons. Vorrang hätten derzeit aber andere Themen, räumte der Staatschef ein.

«Ich bin überzeugt, dass wir innerhalb von zehn Jahren ein anderes Land aufbauen können.» Andere Wege, «neue Methoden» sollen dem Staatschef zufolge mit dem erst vor kurzem neu vorgestellten Kabinett möglich gemacht werden. Dass die französische Regierung unter Premierminister Jean Castex weiter nach rechts gerückt sei, wies Macron zurück. Er glaube an die «politische Überwindung» solcher Kategorien. Macron gestand jedoch ein, dass sich das Land in einer Vertrauenskrise befinde. Frankreich habe «im Grunde Angst», sagte er.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie stellte der Präsident strengere Regeln in Aussicht. Er sprach sich für eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen aus. Es gebe Anzeichen dafür, dass das Coronavirus in Frankreich wieder etwas aktiver werde, sagte Macron. Aber dieses Mal werde das Land auf ein Wiederaufleben vorbereitet sein. Frankreich ist von der Corona-Krise mit rund 30 000 Toten hart getroffen.

Den «Helden der Krise» waren auch die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag gewidmet. Statt einer großen Militärparade auf den Champs-Élysées gab es nur eine abgespeckte Version auf der Place de la Concorde im Herzen von Paris. Die Pflegekräfte standen im Zentrum der Zeremonie, ihr Einsatz während der Krise wurde besonders gewürdigt. Auf den Tribünen waren zahlreiche Pflegekräfte, Ärztinnen, Ärzte - aber auch Sicherheitskräfte, Feuerwehrleute oder Lehrkräfte. Tausende Menschen protestierten in mehreren Städten für Verbesserungen im öffentlichen Gesundheitssystem, wie Medien berichteten. Am Rande einer Demonstration in Paris sei es zu Ausschreitungen gekommen.

Frankreich dankte mit der Zeremonie auch den Partnerländern Deutschland, Österreich, Luxemburg und Schweiz, die im Frühjahr Corona-Patienten aus Ostfrankreich behandelt hatten. Diese Region war besonders schlimm von der Pandemie betroffen.

Aus Deutschland war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angereist. Er bewerte Macrons Masken-Vorstoß positiv: Masken würden vor allen in geschlossenen Räumen einen Unterschied machen, sagte er. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Ministerpräsident des Saarlands, Tobias Hans, und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (alle CDU) waren gekommen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus war ebenfalls nach Paris gereist.

Frankreich erinnert mit dem 14. Juli an den Sturm auf die als Gefängnis genutzte Pariser Festung Bastille im Jahr 1789, der als symbolischer Beginn der Französischen Revolution angesehen wird.

© dpa-infocom, dpa:200714-99-780554/9

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Veröffentlicht am:
14. 07. 2020
20:41 Uhr

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14. 07. 2020
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