Brennpunkte

Rund 5800 ausländische Pflegekräfte in Deutschland

Pflege in Not: Tausende Pflegekräfte sind in den vergangenen Jahren angeworben worden. Höhere Löhne sollen die Pflege zudem attraktiver machen. Das kostet Milliarden.



Jens Spahn in Pristina
Bundegesundheitsminister Jens Spahn hat unter anderem im Kosovo um Pflegekräfte geworben.   Foto: Xander Heinl/Photothek/BMG/dpa

Höhere Löhne im Milliardenvolumen und Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer sollen die Personalnot bei der Pflege in Deutschland lindern.

So sind in den vergangenen Jahren 5797 Pflegekräfte über ein spezielles Programm aus Bosnien und Herzegowina, Serbien, den Philippinen und Tunesien nach Deutschland gekommen.

Davon wurden seit 2013 3577 Menschen direkt an Arbeitgeber vermittelt, 2220 sind ohne Vermittlung eingereist und haben eine Arbeit als Pflegekraft aufgenommen. Zudem besuchen derzeit in Vietnam 107 Personen einen Deutschsprachkurs, sie sollen ab Mitte 2020 nach Deutschland kommen. Mehr als die Hälfte der eingereisten Pflegekräfte kommt aus den Philippinen.

Das geht aus der Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion vor, die am Mittwoch vom Bundestag veröffentlicht wurde. Es handelt sich um das Projekt «Triple Win» der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur fur Arbeit (BA). Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte im Kosovo und in Mexiko, woher nun auch Pflegekräfte verstärkt angeworben werden, persönlich um Arbeitskräfte geworben.

Die geplante Anhebung der Mindestlöhne in der Pflege wird nach Angaben von Spahn Milliardensummen kosten. «Wir reden hier eher über Milliarden als über hunderte Millionen», sagte Spahn in Berlin.

Die Pflegekommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern hatte am Dienstag in Berlin beschlossen, dass der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte bis 1. April 2022 in vier Schritten spürbar von heute 10,85 Euro (Ost) und 11,35 Euro (West) auf 12,55 Euro in Ost- und Westdeutschland angehoben werden soll. Ab 1. Juli 2021 soll es zudem erstmals einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte von 15 Euro geben. Dieser soll zum 1. April 2022 auf 15,40 Euro steigen. Die Steigerungen gelten in der Alten- und ambulanten Krankenpflege.

Spahn kündigte an, zur Jahresmitte einen Vorschlag für die Finanzierung vorzulegen. Es gehe darum, einen fairen Ausgleich zu finden zwischen dem, was die Pflegeversicherung übernehmen könne und was in der Verantwortung der Familien und Pflegebedürftigen und deren Eigenanteilen liege.

Mit den neuen Mindestlöhnen setze man ein deutliches Zeichen, den Pflegeberuf attraktiver zu machen, sagte Sozialminister Hubertus Heil (SPD) in Berlin.

Die SPD im Bundestag pocht auch nach der Erhöhung und Ausweitung der Mindestlöhne auf einen Tarifvertrag für ganz Deutschland. «Wir wollen einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag Pflege», sagte SPD-Fraktionsvize Katja Mast der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Ähnlich hatte sich auch Heil zuvor geäußert. Die Vereinbarung zu höheren und ausgeweiteten Pflegemindestlöhnen begrüßte Mast als «eine richtig gute Nachricht».

Die Gewerkschaft Verdi verhandelt derzeit mit der neuen Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP). Das Bundesarbeitsministerium will so einen Tarifvertrag dann für allgemeinverbindlich erklären.

Der Vizepräsident des Arbeitgeberverbands bpa, Bernd Meurer, sagte hingegen, dass ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag nun nicht mehr nötig sei. «Dass Hubertus Heil nun immer noch einer Kleingewerkschaft in der Altenpflege und einem Miniarbeitgeberverband hinterherhechelt, ist nach diesem Durchbruch in der Pflegekommission nicht mehr zu erklären.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 01. 2020
17:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitgeber Arbeitgeberverbände Bundesministerium für Arbeit und Soziales CDU Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Gesundheitsminister Gewerkschaften Hubertus Heil Jens Spahn Katja Mast Mindestlohn Pflegeberufe Pflegepersonal Pflegeversicherung Pflegeversicherungen und Pflegekassen SPD Seniorenpflege
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Spahn

12.11.2020

Spahn: Notfalls auf infizierte Ärzte zurückgreifen

Corona versetzt die Pflege in Deutschland in einen Ausnahmezustand. In der Krise können Regeln außer Kraft gesetzt werden. An die Branche richtet der Gesundheitsminister ein klare Aufforderung. » mehr

Jens Spahn

03.09.2020

Corona-Bonus kommt auch für Pflegekräfte in Kliniken

Bei Applaus und lobenden Worten soll es nicht bleiben: Nach längerem Drängen sollen Pflegerinnen und Pfleger in Kliniken jetzt ebenfalls eine finanzielle Corona-Anerkennung erhalten. Nicht allen reicht das. » mehr

Frau im Pflegeheim

04.08.2020

Anwerbung ausländischer Pflegekräfte stockt wegen Corona

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und damit auch der Bedarf an Pflegekräften. Da herrscht schon heute Mangel. Deshalb wird versucht, Personal im Ausland anzuwerben. Doch auch hier kommt Corona in die Quere. » mehr

Pressekonferenz zu Pflege und Corona

05.10.2020

Spahn hofft auf schnelle Umsetzung von Pflegereform

Gesundheitsminister Spahn will die Pflegeheimkosten begrenzen, Pflegekräfte besser bezahlen und Angehörige entlasten. Eine entsprechende Reform soll von der großen Koalition möglichst noch beschlossen werden, bevor im nä... » mehr

Warnstreik droht

18.09.2020

Im öffentlichen Dienst drohen Warnstreiks

Sind Tarifverhandlungen mit Warnstreiks Rituale aus den 50er Jahren? Nach einer schnellen Einigung für 2,5 Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen sieht es jedenfalls nicht aus. » mehr

Vorstellung Zwischenbericht

13.11.2020

Regierung will alle Register für Pflege ziehen

3600 neue Altenpfleger und steigende Ausbildungszahlen in Bayern und Sachsen-Anhalt - so sehen erste Erfolge im Kampf gegen Deutschlands Pflegenotstand aus. Doch die Betroffenen spüren bisher keine Entlastung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

29.11.2020 Bilder Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag

Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag | 29.11.2020 Rehau
» 40 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 01. 2020
17:35 Uhr