Brennpunkte

Schulstart in weiteren Bundesländern

Das Experiment Schulstart in Corona-Zeiten geht weiter. Mitten in der Sommerhitze hat in drei weiteren Bundesländern das neue Schuljahr begonnen. Die Debatte, ob die Hygieneregeln an den Schulen ausreichen werden, hält an. Vor allem die Masken-Frage bleibt umstritten.



Schulstart
In Brandenburg gilt in Fluren, Treppenhäusern und Mensen eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer, aber nicht in Klassenräumen und auf Schulhöfen.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Für rund eine Million weitere Schüler in Deutschland hat nach monatelanger Corona-Pause mit Schichtunterricht der Schulalltag wieder begonnen. Nach Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sind auch Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein in das neue Schuljahr gestartet.

Begleitet wurde der Schuljahresbeginn von der anhaltenden Diskussion über das Für und Wider von Masken im Unterricht und darüber, ob der Plan mit der Rückkehr in einen halbwegs normalen Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen aufgehen kann. Die Masken- und Abstandsfrage an Schulen beschäftigt auch die Gerichte.

MASKENPFLICHT UND MASKENEMPFEHLUNG

In Schleswig-Holstein begann das Schuljahr am Montag mit einer dringenden Empfehlung des Kieler Bildungsministeriums an Lehrer und ältere Schüler, in den ersten zwei Wochen eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule zu tragen - auch während des Unterrichts. Eine Pflicht hatte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) vor einigen Tagen als derzeit unverhältnismäßig und nicht verfassungskonform abgelehnt.

In der Hauptstadt mussten Schüler und Lehrer dagegen mit Mund-Nasen-Schutz antreten. Die Pflicht gilt auf Fluren und in Aufenthaltsräumen, aber nicht im Unterricht, auf dem Schulhof und auch nicht bei der Hortbetreuung. In Brandenburg war zum Schulstart erst einmal noch freiwilliges Maske-Tragen angesagt, weil die Regierung in Potsdam erst an diesem Dienstag eine Maskenpflicht in Schulen außerhalb von Unterrichtsräumen beschließen will.

LEHRER UND GEWERKSCHAFTEN: MASKE IM UNTERRICHT OPFER UND NOTNAGEL

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, bekräftigte am Montag noch einmal, dass er für Maskenpflicht auch im Klassenzimmer ist. Weder Lehrer noch Schüler seien Fans davon, sagte er der «Passauer Neuen Presse». «Aber das ist wohl das Opfer, das wir zumindest vorübergehend bringen müssen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern». Ähnlich äußerte sich die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe. «Wenn die Regierungen uns in der Schule haben wollen und den Abstand nicht gewähren können, dann ist mindestens für die Größeren die Maske der sicherere Weg», sagte sie bei n-tv. Das sei dann im Notfall der letzte Notnagel.

LASCHET: MASKE IM UNTERRICHT ZUMUTBAR

In Nordrhein-Westfalen, wo für rund 2,5 Millionen Schüler am Mittwoch das neue Schuljahr beginnt, ist genau das geplant: Maske auch im Klassenzimmer für Schüler ab der fünften Klasse und vorerst bis Ende August. NRW ist bisher das einzige Bundesland mit einer solchen scharfen Regelung. Ministerpräsident Armin Laschet verteidigte das Vorgehen am Montag. «Überall da, wo der Abstand nicht einhaltbar ist, müssen wir jetzt gerade am Anfang vorsichtig sein», sagte der CDU-Politiker im ZDF-«Morgenmagazin». Zu der Frage, ob die Verpflichtung auch mit Blick auf die aktuell hohen Temperaturen zumutbar sei, sagte Laschet: «Ja, das ist zumutbar. Es gibt bestimmte Regeln für Kinder, die erkrankt sind oder die besondere Dinge zu berücksichtigen haben.» Ein Sprecher der Bundesschülerkonferenz hatte die Maskenpflicht im Unterricht gerade im Sommer als Zumutung bezeichnet.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sprach am Montag in Berlin von einer «anspruchsvollen Aufgabe», das Recht auf Bildung mit einem hohen Gesundheitsschutz zu verbinden. Dies sei in jedem Bundesland umzusetzen, wobei neben den Rechten der Schüler auch die der Lehrer und Lehrerinnen zu bedenken seien. Für Bildung und Schulen sind die Bundesländer selbst zuständig. Der Bund kann hier keine zentralen Vorgaben machen.

Der Plan, im neuen Schuljahr in Deutschland wieder in einen halbwegs normalen Schulbetrieb zurückzukehren, steht auf wackeligen Beinen. Das hatte sich schon vorige Woche in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt, wo nur wenige Tage nach Schuljahresbeginn die ersten zwei Schulen wegen Corona-Fällen wieder geschlossen wurden. Auch in Schleswig-Holstein wurde nun eine Grundschule wegen einer infizierten Lehrerin bereits vor dem Schulstart zunächst für diese Woche geschlossen.

Der Streit über das richtige Vorgehen - über Masken und Abstand - an Schulen beschäftigt auch die Gerichte. Das Verwaltungsgericht Hamburg lehnte am Montag den Eilantrag eines Bürgers ab, der erreichen wollte, dass an Schulen während des Unterrichts das Tragen einer Maske für Schüler und Lehrer verpflichtend sein sollte. In Berlin lehnte das Verwaltungsgericht den Antrag von zwei Schülerinnen und ihren Eltern ab, die auch in den Schulen die Einhaltung des Mindestabstands durchsetzen wollten.

© dpa-infocom, dpa:200810-99-105998/7

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10. 08. 2020
16:03 Uhr

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