Brennpunkte

Spannungen zwischen Athen und Ankara auch nach Maas-Reise

Vor einem «Spiel mit dem Feuer» hatte Außenminister Maas bei seiner Vermittlungsreise nach Athen und Ankara gewarnt. Auch nach seiner Rückkehr geht das äußerst gefährliche Spiel aber weiter - als wenn nichts gewesen wäre.



Militärübung in Zypern
Ein Kampfflugzeug der Reihe F-16 der griechischen Luftwaffe landet auf dem zyprischen Luftwaffenstützpunkt Andreas Papandreou.   Foto: Petros Karadjias/AP/dpa

Auch nach dem Vermittlungsversuch von Außenminister Heiko Maas (SPD) in Griechenland und der Türkei halten die Spannungen zwischen den beiden Nato-Partnern im Mittelmeer unvermindert an.

Griechenland und Zypern starteten am Mittwoch gemeinsam mit Frankreich im Westen Zyperns umfangreiche Militärmanöver in der Luft und zur See. Die Türkei führte ihrerseits gemeinsam mit den USA eine Marineübung im östlichen Mittelmeer durch. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) kritisierte die Aktionen nach einem Treffen mit ihren EU-Kollegen in Berlin. Sie seien «alles andere als hilfreich».

Maas war am Dienstag nach Athen und Ankara gereist, um beide Seiten eindringlich zu direkten Gesprächen über ihre Gebietsansprüche im Mittelmeer aufzufordern. Seine Kollegen Nikos Dendias und Mevlüt Cavusoglu zeigten sich zwar grundsätzlich zum Dialog bereit - signalisierten aber kein konkretes Entgegenkommen. Ihre Äußerungen nach den Gesprächen waren von gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt.

Der Streit hatte sich an türkischen Erdgaserkundungen vor griechischen Inseln im östlichen Mittelmeer entzündet. Das Forschungsschiff «Oruc Reis» sucht dort begleitet von Kriegsschiffen nach Gas. Ankara argumentiert, dass das Gebiet zum Festlandsockel der Türkei gehöre. Der Türkei sind aber die griechischen Inseln Rhodos und Kastelorizo vorgelagert, weshalb das EU-Mitglied Griechenland das Seegebiet für sich beansprucht. Einen ähnlichen Konflikt gibt es um die Insel Zypern, vor deren Küste schon reiche Erdgasvorkommen entdeckt wurden.

Der Streit gilt als extrem gefährlich. Selbst eine militärische Auseinandersetzung zwischen den beiden Nato-Bündnispartnern scheint möglich. Es kam bereits zu einem Zusammenstoß zwischen einem türkischen und einem griechischen Kriegsschiff.

Das türkische Verteidigungsministerium berichtete am Mittwoch auf Twitter über eine gemeinsame Übung der türkischen Kriegsschiffe TCG Barbaros und TCG Burgazada sowie des US-Zerstörers USS Winston S. Churchill. An dem Manöver auf Zypern nehmen neben drei griechischen F-16-Kampfbombern auch drei französische Kampfjets des Typs Rafale, eine Fregatte und ein Hubschrauber teil. Die Flugzeuge operieren vom Flughafen Paphos im Westen Zyperns aus.

«Gemeinsam mit unseren zypriotischen, griechischen und italienischen Partnern beginnen wir heute eine militärische Übung mit Mitteln in der Luft und auf See», schrieb Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly auf Twitter. «Die Achtung des Völkerrechts muss die Regel und nicht die Ausnahme sein», so Parly. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gilt in der EU als Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der zeigte sich am Mittwoch zu keinerlei Zugeständnissen bereit. «So wie wir auf niemandes Land, Souveränität und Interessen abzielen, so werden wir bei dem, was uns gehört, niemals Zugeständnisse eingehen», betonte er.

Am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens in Berlin hieß es am Mittwoch, dass es bereits am Freitag ein weiteres Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Erdogan geben könne. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst aber nicht.

Kramp-Karrenbauer forderte erneut von beiden Seiten Kompromissbereitschaft. «Was wir finden müssen, ist ein Startpunkt, um wieder in die politischen Gespräche und die Verhandlungen hineinzukommen», sagte die CDU-Chefin. «Am Ende werden wir auf jeden Fall eine politische Lösung des Konflikts brauchen.» Die Verteidigungsministerin betonte aber auch, dass man in einem solch komplizierten Konflikt «strategische Geduld» benötige.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell will bei einem EU-Außenministertreffen an diesem Donnerstag und Freitag in Berlin Optionen für weitere Sanktionen gegen die Türkei präsentieren. Eine Entscheidung darüber wird aber erst beim nächsten Treffen der Minister im September erwartet.

© dpa-infocom, dpa:200826-99-316444/7

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 08. 2020
22:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Annegret Kramp-Karrenbauer Außenminister Bundeskanzler der BRD Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU Deutscher Bundestag Emmanuel Macron Flugzeuge Heiko Maas Kampfflugzeuge Kriegsschiffe Militär Minister Recep Tayyip Erdogan SPD Twitter Türkisches Parlament Verteidigungsminister Verteidigungsministerien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Macron

16.11.2020

Macron greift Kramp-Karrenbauer wegen Sicherheitspolitik an

Zwischen Berlin und Paris lief es zuletzt weitgehend harmonisch: Staatschef Macron und Kanzlerin Merkel zogen in der EU an einem Strang. Nun schlägt der mächtigste Franzose härtere Töne an - gegen die deutsche Verteidigu... » mehr

Konflikt in Berg-Karabach

08.11.2020

Aserbaidschans Präsident: Strategisch wichtige Stadt erobert

Aserbaidschan feiert die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Schuscha im Kriegsgebiet Berg-Karabach. Das könnte einen baldigen Gesamtsieg bedeuten. Aber Armenien widerspricht. Und auch internationale Akteure melden... » mehr

Armenien ruft Kriegszustand aus

27.09.2020

«Kriegserklärung» gegen Berg-Karabach: Viele Tote

Der blutige Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan flammt wieder auf. Sogar der Kriegszustand wird erklärt. Von allen Seiten wird nun versucht, die Situation wieder zu beruhigen. Die EU, der Papst und Kremlchef Wla... » mehr

Tobias Hans

01.11.2020

Saar-Ministerpräsident warnt vor Kollaps in Krankenhäusern

Restaurants und Kneipen dicht, Kinos und Theater auch: Wird das reichen, um die Corona-Lage in Deutschland in den Griff zu kriegen? Die Warnung, dass der Platz auf Intensivstationen knapp werden könnte, werden lauter. » mehr

Wahlsieger Joe Biden

07.11.2020

Schwieriger Neustart der deutsch-amerikanischen Beziehungen

Nach dem Wahlsieg von Joe Biden will die Bundesregierung auf einen schnellen Neustart der schwer angeschlagenen deutsch-amerikanischen Beziehungen hinarbeiten. Es gibt aber zwei Probleme. » mehr

Fahnen

04.11.2020

Reaktionen auf die US-Wahl: Schock und Empörung in Europa

Vor der US-Wahl wünschte sich in Umfragen eine Mehrheit der Menschen in Deutschland und Europa eine Niederlage von Präsident Trump. Am Tag nach der Wahl starrten viele mit Entsetzen nach Washington. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

29.11.2020 Bilder Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag

Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag | 29.11.2020 Rehau
» 40 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 08. 2020
22:36 Uhr