Brennpunkte

Waffenruhe in Berg-Karabach scheitert

Es ist bereits der dritte Anlauf für eine Feuerpause im Südkaukasus. Und wieder gehen die Kämpfe weiter. Armenien und Aserbaidschan geben sich gegenseitig die Schuld. Wie geht es nun weiter?



Berg-Karabach
Ein Paar steht vor den Trümmern eines zerstörten Hauses in Berg-Karabach.   Foto: Uncredited/AP/dpa

In der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus hält auch eine neue Waffenruhe nicht. Armenien und Aserbaidschan warfen sich am Montag bereits kurz nach Inkrafttreten Verstöße gegen die Vereinbarung vor.

UN-Generalsekretär António Guterres sei «zutiefst besorgt» über diese Berichte, sagte ein Sprecher der Vereinten Nationen am Montag vor Journalisten in New York. «Es ist sehr wichtig, dass alle Seiten ihre Vereinbarung komplett umsetzen.»

Es war bereits der dritte Anlauf, der scheiterte. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium in Baku meldete einen Beschuss der Stadt Terter. Zudem seien eigene Soldaten in dem Dorf Safiyan angegriffen worden. Die Behörden in Berg-Karabach wiesen das zurück.

Das armenische Verteidigungsministerium warf Baku eine gezielte «Desinformation» vor. Die aserbaidschanischen Streitkräfte hätten vielmehr 45 Minuten nach Inkrafttreten der Waffenruhe den Artilleriebeschuss von Berg-Karabach wieder aufgenommen, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Eriwan. Demnach gab es vor allem im Südosten der Region «heftige Kämpfe». Dabei seien in einem Dorf ein Bewohner getötet und zwei weitere verletzt worden.

Am Abend sprach das armenische Verteidigungsministerium von Gefechten entlang der gesamten Front, die an Intensität zunähmen. Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan sagte, es sei erneut nicht gelungen, eine neue Feuerpause zu etablieren. Über neue Opferzahlen wurde zunächst nichts bekannt. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Donnerstag gesagt, dass bei dem Krieg knapp einen Monat nach Beginn der Kämpfe bisher rund 5000 Menschen ums Leben gekommen seien.

Der neue Anlauf für eine Waffenruhe war unter US-Vermittlung am Sonntag vereinbart worden. Sie griff am Montag ab 8.00 Uhr Ortszeit (5.00 Uhr MEZ). Das hatten die Vertreter beider Länder gemeinsam mit der US-Regierung mitgeteilt. Die Außenminister von Armenien und Aserbaidschan hatten sich am Freitag zu getrennten Gesprächen mit ihrem US-Kollegen Mike Pompeo in Washington getroffen.

In den vergangenen Tagen gingen die Kämpfe ungeachtet diplomatischer Bemühungen weiter. Eine unter Vermittlung Russlands vereinbarte Waffenruhe vom 10. Oktober hatte nicht gehalten. Gut eine Woche später nahmen beide Seiten einen neuen Anlauf. Auch danach gingen die Angriffe weiter. Die verfeindeten Nachbarn geben sich immer wieder gegenseitig die Schuld am Ausbruch der Kämpfe.

Die Gefechte um Berg-Karabach dauern bereits seit Ende September an. Aserbaidschan hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren die Kontrolle über das bergige Gebiet mit etwa 145.000 Bewohnern verloren. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Aserbaidschan kann sich in dem Konflikt auf seinen «Bruderstaat» Türkei stützen. Russland ist Schutzmacht Armeniens.

Neben Russland suchen auch Frankreich und die USA als Co-Vorsitzende der so bezeichneten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) weitgehend erfolglos nach einer friedlichen Lösung. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev mahnte in einer Ansprache an sein Volk, die Vermittler seien zur Neutralität verpflichtet. Wenn nicht, sollten sie ihr Mandat zurückgeben.

Zudem teilte er mit, dass noch einmal 18 Dörfer und Städte unter aserbaidschanische Kontrolle gebracht worden seien. Der Präsident feierte dies erneut als Triumph seiner Armee.

Zugleich bestätigte er ein weiteres Treffen der Außenminister beider Länder an diesem Donnerstag in Genf, das zuvor von der OSZE mitgeteilt wurde. «Wir sind nicht gegen Verhandlungen», sagte Aliyev. Nur müssten sie Sinn haben und die Verhandlungen über eine Rückkehr des Gebiets unter die Kontrolle Bakus beschleunigen.

© dpa-infocom, dpa:201026-99-91175/4

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 10. 2020
21:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
António Guterres Aserbaidschanische Staatspräsidenten Außenminister Gefechte Kriege Mike Pompeo Militär Nikol Paschinjan Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa Präsidenten Russlands Regierungschefs UNO UNO-Generalsekretäre US-Regierung Verteidigungsministerien Waffenruhen Wladimir Wladimirowitsch Putin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Explosion in Berg-Karabach

31.10.2020

Berg-Karabach: Armenien wendet sich an Moskau

Armenien und Aserbaidschan haben einen neuen Anlauf genommen, um den Konflikt im Südkaukasus zu entschärfen. Doch die Kämpfe gehen weiter. Armenien bittet Russland um Unterstützung. Was antwortet Moskau? » mehr

Wladimir Putin

11.11.2020

Protest in Armenien gegen Abkommen zu Berg-Karabach

In Armenien wächst nach dem umstrittenen Abkommen über das Kriegsende in Berg-Karabach der Druck auf Regierungschef Paschinjan. Die Opposition fordert seinen Rücktritt. Aber Streit um das von Russland ausgehandelte Papie... » mehr

Beschädigt

03.10.2020

Konflikt in Berg-Karabach: Armenien meldet heftige Gefechte

Groß ist die Sorge, dass im Südkaukasus islamistische Terroristen kämpfen könnten. Der aserbaidschanische Präsident nimmt dazu Stellung - und macht wenig Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts. » mehr

Gerüstet

05.10.2020

Konflikt in Berg-Karabach fordert immer mehr Todesopfer

Seit mehr als einer Woche dauern die schweren Gefechte im Südkaukasus an. Ein schnelles Ende des Blutvergießens ist nicht in Sicht. Die Nato hofft nun, dass die Türkei auf Aserbaidschan einwirken kann. » mehr

Zivilistin im Bunker

29.09.2020

Tote in Berg-Karabach bei schwersten Kämpfen seit Jahren

Blutige Kämpfe im Südkaukasus kosten mehr als Hundert Menschen das Leben. Aserbaidschan hofft vor allem auf Hilfe aus dem Nachbarland Türkei. Diese enge Verbindung stört aber besonders Russland. Nun schaltet sich auch Bu... » mehr

Konflikt in Berg-Karabach

23.10.2020

Berg-Karabach: Armenien gegen Vermittlerrolle der Türkei

Im blutigen Konflikt in Berg-Karabach im Südkaukasus lehnt Armenien eine Vermittlerrolle der Türkei ab. «Das ist eine seltsame Position», sagte der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan der russischen Nachrichtenage... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

29.11.2020 Bilder Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag

Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag | 29.11.2020 Rehau
» 40 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
26. 10. 2020
21:53 Uhr