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Bitkom: Coronavirus wird Digitalisierung vorantreiben

Die Corona-Krise zwingt Firmen, ganz schnell auf digitale Abläufe umzustellen. Vor der Pandemie hatte aber nur jedes vierte Unternehmen in digitale Geschäftsmodelle investiert. Der Branchenverband sieht trotz der schlechten Ausgangslage vor allem Chancen.



Bitkom-Präsident
Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom.   Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die Folgen der Bekämpfung des Coronavirus können nach Einschätzung des Branchenverbandes Bitkom die Digitalisierung in Deutschland erheblich fördern.

«Die Coronakrise hat uns die Bedeutung digitaler Technologien für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft sehr klar vor Augen geführt. Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben», sagte Bitkom-Präsident Achim Berg am Mittwoch in Berlin. «Wir haben uns in der Vergangenheit zu viel Zeit bei der Digitalisierung gelassen. Jetzt heißt es, digitale Infrastruktur aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.»

Die Digitalisierung wird in der Breite der deutschen Wirtschaft positiv gesehen, erklärte der Verband und verwies auf die Ergebnisse einer Umfrage unter Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten in allen Branchen, die im Januar und Februar noch vor den Ausgehbeschränkungen durchgeführt wurde. Neun von zehn Unternehmen sähen sie eher als Chance, nur fünf Prozent als Risiko. Jedes dritte Unternehmen (34 Prozent) gibt zugleich an, Probleme zu haben, die Digitalisierung zu bewältigen. Aber nur noch jedes zehnte Unternehmen sieht seine Existenz durch die Digitalisierung gefährdet. Vor einem Jahr habe dieser Anteil noch bei zwölf Prozent, vor zwei Jahren sogar bei 24 Prozent gelegen.

Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Unternehmen hätten inzwischen eine Digitalstrategie entwickelt. Dabei gibt es aber große Unterschiede je nach Firmengröße. Quasi alle Unternehmen mit 2 000 oder mehr Beschäftigten verfügten über einen strategischen Ansatz. Bei den Firmen mit 500 bis 1 999 Mitarbeitern haben sieben Prozent keine Strategie aufgestellt. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen liege dieser Anteil aber deutlich darüber. «Wer nicht einmal für Teile seines Unternehmens eine Digitalstrategie aufgestellt hat, muss sich schon fragen lassen, ob er seine Existenz mutwillig aufs Spiel setzen will», sagte Berg.

Kurzfristig seien weitere Maßnahmen nötig, um zum Beispiel flächendeckend digitalen Schulunterricht für alle Schüler zu ermöglichen. Dafür brauche es auch ein Sofortprogramm über eine Milliarde Euro für die Anschaffung von Software-Lizenzen an den Schulen. Berg forderte weiterhin, den rechtlichen Rahmen an die neuen Realitäten anzupassen. So müsse die lange aufgeschobene Modernisierung des Arbeitsrechts sofort angegangen werden. «Es muss ein wöchentliches Arbeitszeitkonto eingeführt werden. Außerdem muss die 11-stündige Mindestruhezeit, die im Homeoffice völliger Blödsinn ist, ausgesetzt werden.»

Auch wenn Deutschland bei der Digitalisierung sich nicht auf einer Spitzenposition befinde, könne das Land nach der Bewältigung der Krise im internationalen Vergleich doch noch zu den Gewinnern gehören. Wenn es hierzulande ähnlich wie in Südkorea gelinge, das Coronavirus einigermaßen im Griff halten, könnte die deutsche Wirtschaft schneller aus der Krise kommen als andere Länder. «Andere Länder haben nämlich zu spät angefangen, und die Wirtschaft wird dort deutlich mehr leiden.» Da brauche man nur in Richtung Westen zu schauen, sagte Berg mit Blick auf die Situation in den USA. «Ich glaube, wir haben hier eine echte Chance, einen Kickstart hinzulegen, und die sollte man nutzen.»

© dpa-infocom, ID : 200401-99-548484

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Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
12:09 Uhr

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