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Ohne Kuschelfaktor: Gamescom erstmals ausschließlich digital

Die Gamescom geht ins Netz. Statt des traditionell bunten Community-Treffens in Köln wird es für die international renommierte Messe wegen Corona diesmal rein digital laufen. Die Branche zeigt sich selbstbewusst.



Gamescom erstmals ausschließlich digital
Messebesucher testen auf der Gamescom Computerspiele.   Foto: Oliver Berg/dpa

Schrill, bunt, fantastisch, laut und voll - so war die Spielemesse Gamescom mal, bis Corona kam.

Hatte der Treffpunkt für Gamer jährlich sonst bis zu 370.000 Besucher nach Köln gezogen, findet die weltweit bedeutendste Computerspielemesse in diesem Jahr wie so viele andere Veranstaltungen ausschließlich digital im Netz statt. Doch die Branche gibt sich zuversichtlich: «Digital können wir», sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands game, der Deutschen Presse-Agentur.

Vom 27. bis zum 30. August öffnet die Gamescom ihre digitalen Pforten. Ein Ticket zu lösen, braucht diesmal niemand. Auch das Anstehen in langen Reihen entfällt. Am Abend des 27. macht eine große Eröffnungsshow den Auftakt. Über «Gamescom Now» finden Besucher nach der Registrierung zum Beispiel sämtliche Inhalte und Ankündigungen von Entwicklern, Publishern und Partnern, Interviews und Live-Demos. Auch Cosplayer oder Retro-Fans kommen hier auf ihre Kosten.

Lange hatten die Macher noch darauf gehofft, dass Ende August die Messe - vielleicht mit Einschränkungen, aber grundsätzlich wie gewohnt - stattfinden könnte. «Dann aber in wenigen Monaten auch konzeptionell etwas ganz Neues auf die Beine zu stellen, das war eine immense Herausforderung», sagt Falk. «Ich bin froh, dass wir es hinbekommen haben.»

Weit mehr als 300 Partner haben die Ausrichter für ihr Online-Spektakel gewinnen können. «Ich finde, es ist eine herausragende Zahl», sagte Koelnmesse-Chef Gerald Böse vergangene Woche. Bei mehr als der Hälfte der Partner handle es sich im Vergleich zur Gamescom-Ausgabe 2019 um Neuzugänge. Eine prominente Zusage gab es unter anderem von dem bei Gamern sehr populären Konzern Activision Blizzard. «Digital können wir noch viel mehr Leute erreichen», sagt Verbandsvertreter Falk. Die «weltweite Strahlkraft der Gamescom» könne so komplett genutzt werden.

Die virtuellen Besucher erwarteten viele Ankündigungen, darunter große Titel, auf die die Fans schon lange warten, verspricht Falk. Aber auch E-Sport, digitale Lernangebote und sogenannte Serious Games, die ernste Inhalte spielerisch vermitteln, gehören ins Programm. Für Spannung dürfte aber vor allem die neue Generation der Spielekonsolen sorgen. Sony und Microsoft stehen mit der Playstation 5 und der Xbox Series X in den Startlöchern. Die Hardware-Boliden sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen, viel mehr steht noch nicht fest.

Bleibt abzuwarten, ob es auf der Gamescom weitere Neuigkeiten geben wird. Die Messe wäre eine gute Gelegenheit für die Großkonzerne, etwa Preis und den konkreten Veröffentlichungstermin anzukündigen, sagt Markus Schwerdtel, Redakteur und Mitglied der Chefredaktion von «GamePro» und «GameStar». «Es kommt mir aber so vor, als würden die beiden momentan stillhalten und sich gegenseitig belauern.»

Technisch würden die Geräte in Ausstattung und Leistung etwa gleichauf liegen, sagt Schwerdtel. Unter anderem mit ausgezeichneter Grafik sowie SSD-Laufwerk böten beide eine Ausstattung, die zumindest zu diesem Preis kein Personal Computer biete. Mit seinem Game Pass könne jedoch Microsoft die Nase vorne haben.

Während sich Sony und Microsoft bei ihren Konsolen traditionell ein Wettrennen um die stärkste Technik bieten, geht Nintendo schon seit Jahren andere Wege und setzt mit seiner Konsole auf Unterhaltung und Spielspaß. Die Switch sei schon 2017 zum Marktstart technisch eigentlich «angestaubt» gewesen, sagt Schwerdtel. Dennoch sei Nintendo zur Zeit der «große Gewinner». Und zum Start der Corona-Krise habe das Unternehmen mit «Animal Crossing» das Spiel zur Krise veröffentlicht und «Geld wie Heu» gemacht.

Für die Games-Branche gebe es in der Corona-Krise Licht und Schatten zugleich, sagt Verbandschef Falk. Geschlossene Schulen, Homeoffice und Shutdown - für viele Menschen hatte das Spielen während der ersten Zeit der Coronakrise eine wichtige Funktion. Ein Leben ohne Video-Spiele sei inzwischen für jeden dritten Nutzer schier undenkbar, fand zuletzt der Digitalverband Bitkom heraus. «Die Gaming-Industrie zählt ganz klar zu den Gewinnern der Krise», sagt Präsidiumsmitglied Olaf May.

«Die Nutzungszahlen sind stark angestiegen», bestätigt auch Falk. «Viele sagen, Spiele hätten ihnen in der Krise geholfen.» Schatten gab es dagegen vielfach für Entwickler, die ihre Zeitpläne notgedrungen verschieben mussten. «Die hochkomplexen Technologien lassen sich nicht einfach mit ins Homeoffice nehmen», sagt Falk. Für viele Entwickler sei es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, dennoch alles pünktlich fertig zu bekommen.

© dpa-infocom, dpa:200824-99-281651/3

Veröffentlicht am:
24. 08. 2020
09:03 Uhr

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24. 08. 2020
09:03 Uhr