Computer

Videodienst Quibi macht nach einem halben Jahr dicht

5 bis 10 Minuten lange Clips für zwischendurch auf dem Smartphone - dieses Konzept funktioniert während der Corona-Krise, wo viel Menschen viel Zeit zu Hause verbringen, nicht. Der Videodienst Quibi gibt auf.



Jeffrey Katzenberg
Mitgründer Jeffrey Katzenberg gibt die Aufgabe des Videodiensts Quibi bekannt.   Foto: Guillaume Horcajuelo/EPA/dpa/Archivbild

Der mit Milliarden-Investitionen gestartete Videodienst Quibi gibt nach nur einem halben Jahr auf. Man habe beschlossen, den Betrieb einzustellen und das verbliebene Geld den Investoren zurückzuzahlen, teilten die Gründer Jeffrey Katzenberg und Meg Whitman mit.

Quibi war mit dem Versprechen angetreten, Hollywood und neue Technologien aus dem Silicon Valley zusammenzubringen. Katzenberg war einst unter anderem Chef der Disney-Studios, Whitman machte die Handelsplattform Ebay erfolgreich.

Das Konzept bei Quibi war, professionell produzierte Videos in fünf bis zehn Minuten langen Clips ausschließlich für Smartphone-Nutzer zu liefern. Katzenberg hatte bereits im Mai die Corona-Krise für den schwachen Start des Dienstes verantwortlich gemacht - weil die Leute nicht so viel Zeit wie zuvor unterwegs mit ihren Smartphones verbrachten.

Von den ursprünglich eingesammelten 1,75 Milliarden Dollar seien noch 350 Millionen übrig, die zurückgezahlt würden, berichtete das «Wall Street Journal» nach einer Telefonkonferenz der Quibi-Spitze mit Investoren. Unter den Geldgebern waren Hollywood-Schwergewichte wie Disney und NBCUniversal.

Katzenberg und Whitman nannten in einem Blogeintrag keine Beträge. Man werde nie mit Sicherheit erfahren, ob die Idee hinter Quibi nicht gut genug gewesen sei oder man den Dienst zum falschen Zeitpunkt gestartet habe, erklärten sie. «Wir vermuten, es war eine Kombination aus beidem.»

Die Gründer waren so überzeugt von dem Konzept, dass sie gar keine Möglichkeit einplanten, die Videos auf den Fernseher zu übertragen. Das wurde dann mit Verspätung nachgeholt. Ebenso verpasste Quibi es zunächst, das Teilen von Links zu Videos oder Ausschnitten im Internet zuzulassen.

Zugleich startete Quibi gegen massive Streaming-Konkurrenz - von den Platzhirschen Netflix und Amazon bis hin zu relativ neuen Angeboten von Apple, Disney und TV-Sendern. Für einen Abo-Preis von 4,99 Dollar im Monat bot Quibi deutlich weniger als die Rivalen.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-37463/2

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22. 10. 2020
11:56 Uhr

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