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«Kleiner, aber stärker» - Thyssenkrupp will schrumpfen

Die neue Konzernchefin schlägt beim kriselnden Thyssenkrupp-Konzern einen Schrumpfkurs ein. Für Bereiche mit 20.000 Mitarbeitern gebe es keine nachhaltigen Zukunftsperspektiven innerhalb des Unternehmens. Auch die Zukunft der Stahlsparte in ungewiss.



Thyssenkrupp
Arbeit an einem Hochofen von Thyssenkrupp.   Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Thyssenkrupp ist wieder auf Partnersuche für seinen Stahlbereich. «Gespräche finden mit Kenntnis des Aufsichtsrats bereits statt», teilte das Unternehmen am Montag nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Durch die Corona-Krise nehme die Notwendigkeit einer Konsolidierung der Stahlindustrie weiter zu, da sich die bestehenden Überkapazitäten in Europa strukturell ausweiten würden. Geprüft werde sowohl ein Verbleib als eigenständiges Geschäft von Thyssenkrupp als auch ein mögliches Zusammengehen mit einem Wettbewerber.

Zugleich soll der kriselnde Stahl- und Industriekonzern im Zuge seiner Neuausrichtung erheblich schrumpfen. Unter anderem für den Anlagenbau, sein Edelstahlwerk im italienischen Terni sowie den Unternehmensbereich Federn und Stabilisatoren strebt der Konzern Partnerschaften oder einen Verkauf an. Betroffen seien Geschäfte mit derzeit gut 20.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von etwa 6 Milliarden Euro. Für den Marineschiffbau führt Thyssenkrupp den Angaben zufolge ebenfalls intensive Gespräche mit verschiedenen potenziellen Partnern. Aber auch eine Fortführung allein im Unternehmen sei möglich.

«Thyssenkrupp wird kleiner, aber stärker aus dem Umbau hervorgehen», betonte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz. Mit dieser Neubewertung der einzelnen Geschäftsfelder «haben wir schwierige und längst überfällige Entscheidungen getroffen, die wir jetzt konsequent umsetzen». Das Automobilzuliefergeschäft will Thyssenkrupp innerhalb der Gruppe weiterführen, ist aber auch zu Allianzen bereit. Auch den Werkstoffhandel und das Segment bei Industriekomponenten will der Konzern aus eigener Kraft weiterentwickeln.

Die IG Metall signalisierte Zustimmung zum Konzernumbau. «Die Arbeitnehmerseite trägt eine Neuordnung des Konzerns Thyssenkrupp mit, die sich auf die Werkstoff- und Industriegütergeschäfte konzentriert», erklärte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Kerner. Bei Stahl und Marine Systems müsse neben einem eigenständigen Weg auch eine Konsolidierung «unter der Federführung von Thyssenkrupp» geprüft werden. Der NRW-Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft, Knut Giesler, sprach sich in der «Rheinischen Post» (Dienstag) dafür aus, ein Zusammengehen mit den deutschen Stahlherstellern Salzgitter oder Saarstahl auszuloten.

Zur Finanzierung des Umbaus hatte Thyssenkrupp den Verkauf seines Aufzuggeschäfts für 17,2 Milliarden Euro an ein Konsortium von Finanzinvestoren beschlossen. Das Geld wird spätestens im September zum Ende des Geschäftsjahres erwartet.

Mit dem Erlös sollen im ersten Schritt Finanzschulden zurückgezahlt werden. Darüber hinaus soll ein Teil der Erlöse für die Entwicklung der verbleibenden Geschäfte eingesetzt werden. So soll der Stahl mit zusätzlichen Investitionen in Höhe von 800 Millionen Euro in den kommenden sechs Jahren «nachhaltig zukunftsfähig» gemacht werden. Die genaue Aufteilung und die Prioritäten der Mittelverwendung seien abhängig vom weiteren Verlauf der Corona-Krise, hieß es weiter.

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 05. 2020
21:01 Uhr

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18. 05. 2020
21:01 Uhr