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Nach den Sommerferien Unterricht im Vereinsheim?

Schritt für Schritt öffnen die Länder ihre Schulen und organisieren einen Schichtbetrieb. Aber wie geht es nach den Sommerferien weiter? Neue Vorschläge machen die Runde: Unterricht in Tagungszentren, Vereinsheimen und im Freien.



Grundschule
Ein leerer Klassenraum in einer Grundschule in Frankfurt.   Foto: Arne Dedert/dpa

Zur Entzerrung und Einhaltung der Abstandsregeln an den Schulen hat der Bundeselternrat für die Zeit nach den Sommerferien vorgeschlagen, auch Unterricht in Vereinsheimen, Konferenzzentren und kommunalen Gebäuden anzubieten.

Die ersten Reaktionen darauf fallen positiv aus. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund zeigte sich am Freitag offen dafür, der Deutsche Lehrerverband auch.

Auch im neuen Schuljahr werde Schulbetrieb nicht überall im Regelbetrieb stattfinden können, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der Deutschen Presse-Agentur. Um Infektionen zu vermeiden, müssten so weit wie möglich die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. «Es kann je nach Situation vor Ort durchaus Sinn machen, einen Teil des Schulbetriebs in größeren Räumen von Vereinen oder anderen Einrichtungen stattfinden zu lassen.» Landsberg verwies darauf, dass in vielen Schulgebäuden die räumliche Situation mit Blick auf die Abstandsregeln oftmals ungünstig sei. «Die Ferien sollten allerdings genutzt werden, die Räume in Bezug auf Belüftung, Sanitäreinrichtungen und weitere Hygieneanforderungen zu optimieren.»

Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, hatte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gefordert, für die Zeit nach den Sommerferien mehr Räumlichkeiten für den Unterricht zu organisieren. «Wir müssen davon ausgehen, dass auch nach den Ferien die Abstandsregeln weiter gelten.» Wassmuth sprach sich dafür aus, auch Vereinshäuser, kommunale Veranstaltungsräume, Tagungszentren oder sogar Messehallen zu nutzen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger befürwortet den Vorschlag. In vielen Gemeinden gebe es leerstehende Häuser, die nicht genutzt würden, sagte er der dpa. Auch Unterricht im Freien, beispielsweise in den Innenhöfen der Schulen könne eine Option sein, solange das Wetter mitspielt. «Aber das ist alles sicher nicht die große Gesamtlösung», sagte Meidinger weiter. Er forderte von den Bildungsministern der Länder ein neues Konzept für die Zeit nach den Ferien. Dieses sollte seiner Ansicht nach auch regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Schülern beinhalten.

Der Unions-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus sprach sich für eine rasche Rückkehr zum Normalbetrieb in Schulen, Kitas und Kindergärten aus. Deren Schließung vergrößere Unterschiede zwischen Kindern aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Auch die Belastung für die Familien sei problematisch. «Deshalb müssen wir schnell wieder zu einem normalen Schulalltag und Regelbetreuung in Kitas und Kindergärten kommen», sagte Brinkhaus.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Thomas Sattelberger, sagte am Freitag: «Schule darf nach der Sommerpause nicht zum gleichen Fiasko ausarten wie derzeit.» Deshalb müssten Schulen in den Sommerferien zweigleisig planen. Sattelberger forderte «durchdachte Lösungen» für den Unterricht zu Hause und Lösungen für den Präsenzunterricht. Zudem müssten die verantwortlichen Bildungspolitiker «dringend sicherstellen», dass für den Unterricht größere Räume als Ausweichlösungen angemietet werden.

Vertreter mehrere Bundesländer hatten bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Schon vor den Ferien wollen einige zumindest an den Grundschulen auch wieder volle Klassen unterrichten und dabei auf Abstandsregeln verzichten. Über die mögliche Weiterverbreitung des Coronavirus über Kitas und Schulen wird viel diskutiert. Gesicherte Erkenntnisse über die Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr bei Kindern und Jugendlichen gibt es noch nicht. Man habe eine Studienlage, die keine echten Schlüsse zulasse, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gesagt.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz der Länder, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD), sagte der «taz»: In allen Bundesländern bestehe der dringende Wunsch, zu stärkerer Normalität zurückzukehren. «Im Grunde ist unser Weg der gleiche: Wenn möglich, soll nach den Sommerferien ein Normalbetrieb in den Schulen stattfinden.» Man werde sich zu Beginn der nächsten Woche austauschen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 05. 2020
17:19 Uhr

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