Wirtschaft

Bund und Lufthansa verhandeln über Staatsbeteiligung

In der Corona-Krise wird der Staat zum Rettungsanker. Mit der Lufthansa steht ein besonders dicker Brocken in der Dimension von mehreren Milliarden Euro zur Rettung an.



Lufthansa
Die Bundesregierung berät mit der Lufthansa in der Corona-Krise eine mögliche Staatsbeteiligung.   Foto: Boris Roessler/dpa

Die Verhandlungen zu einer möglichen Beteiligung des deutschen Staats an der Lufthansa kommen voran.

Das Unternehmen ist wegen der massiven Flugabsagen in Folge der Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten. Nach Fortschritten in den Gesprächen solle nun zügig entschieden werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus Regierungskreisen.

Der DAX-Konzern bestätigte Verhandlungen über verschiedene Beteiligungsformen des Staates. Man sei im engen Austausch zu allen Regierungen im Heimatmarkt und anderen Stellen wie der staatlichen KfW-Bank, um die Liquidität zu sichern, sagte ein Sprecher in Frankfurt.

Lufthansa betreibt Airlines in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien. Dort wird öffentlich über eine Renationalisierung der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines nachgedacht. Der dickste Brocken im Portfolio ist die deutsche Kerngesellschaft Lufthansa, die für knapp die Hälfte des Konzernumsatzes steht. Zu Einzelheiten wollte sich der Lufthansa-Sprecher nicht äußern.

Eine Mehrheitsbeteiligung des Staates hatte Vorstandschef Carsten Spohr im Interview mit dem «Spiegel» ausgeschlossen: «Eine Verstaatlichung hat die Bundesregierung ja schon öffentlich verneint.» Es komme bei einer Staatshilfe darauf an, die unternehmerische Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit zu behalten.

Wegen der Pandemie bietet der Lufthansa-Konzern derzeit nur noch rund 5 Prozent seiner sonstigen Verkehrsleistung an. Dieser Rumpfflugplan ist inzwischen wegen der anhaltenden Flugbeschränkungen bis in den Mai verlängert worden. Dazu kommen noch Charterflüge im Auftrag der Regierungen und Reiseveranstalter zur Rückholung von Touristen. Der Konzern hatte angekündigt, rund zwei Drittel seiner weltweit Beschäftigten in die Kurzarbeit schicken zu wollen. Das sind 87 000 Menschen. 2019 hatte der Konzern weltweit rund 135 000 Männer und Frauen beschäftigt.

Das Management versucht seit Krisenbeginn, das Geld des Konzerns zusammenzuhalten und die Fixkosten zu senken. Rund 700 der 760 Flugzeuge in der Konzernflotte stehen am Boden. Neben der massiven Kurzarbeit in allen Betriebsteilen wurden die Dividende gestrichen und die Managergehälter gekürzt.

Die erst seit 1997 vollständig privatisierte Lufthansa verfügte laut Spohr bei Bilanzvorlage am 19. März einschließlich einer neuen KfW-Kreditlinie über liquide Mittel von 5,1 Milliarden Euro. Zudem könne die Lufthansa Flugzeuge im Wert von 10 Milliarden Euro als Sicherheit bei Banken einbringen. «Unsere Bilanz ist stärker, die Eigentumsquote ist höher als bei fast allen unserer Wettbewerber», sagte Spohr. Man werde im Zweifel länger durchhalten als andere.

Die Corona-Krise trifft die gesamte Luftverkehrs- und Reisewirtschaft hart. Der Flugverkehr ist weltweit fast zum Erliegen gekommen, Airlines wie Flughäfen suchen weltweit nach staatlichen Hilfen und entlassen massenhaft Personal. In Deutschland stehen auch der Touristikkonzern Tui und der Ferienflieger Condor im Feuer. Tui hat bereits 1,8 Milliarden Euro staatliche Hilfskredite zugesagt bekommen. Bei Condor sind weitere Staatskredite in Rede, wenn sich die geplante Übernahme durch die polnische Lot-Mutter PGL verzögern oder zerschlagen sollte.

Bundestag und Bundesrat hatten einen Stabilisierungsfonds beschlossen, der im Notfall auch eine vorübergehende Beteiligung des Staates an strategisch wichtigen Unternehmen vorsieht.

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dpa

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Veröffentlicht am:
03. 04. 2020
11:42 Uhr

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