Wirtschaft

Corona-Schock im Mittelstand nach «glänzendem Jahrzehnt»

Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren in den Bilanzen mittelständischer Firmen. Viele Angstellste müssen um ihre Jobs fürchten.



Eisengießerei
Zahlreiche Mittelständler - wie hier eine Eisengießerei - leiden unter der Corona-Krise.   Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr als eine Million Jobs stehen bei Mittelständlern infolge der Corona-Krise auf der Kippe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der staatlichen Förderbank KfW.

Demnach planen 16 Prozent der kleinen und mittleren Firmen in diesem Jahr die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren, um Kosten zu senken. Insgesamt könnte die Anzahl der Erwerbstätigen im Mittelstand um rund 3,3 Prozent abnehmen, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten KfW-Mittelstandspanel. «Bis zum Jahresende 2020 könnte es zu einem Verlust von etwa 1,1 Millionen Arbeitsplätzen kommen», sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

«Trotz der Erholung im dritten Quartal sind die Geschäftserwartungen für 2020 historisch schlecht», sagte Köhler-Geib. Vor allem der Dienstleistungssektor rechnet mit einem Beschäftigungsabbau.

Noch im vergangenen Jahr hatten die etwa 3,8 Millionen mittelständischen Firmen, die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gelten, Umsatz und Mitarbeiterzahl gesteigert. Die Zahl der Beschäftigten erreichte der KfW zufolge mit 32,3 Millionen einen Höchststand. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent. Die KfW zählt Firmen mit einem Umsatz von maximal 500 Millionen Euro jährlich zum Mittelstand.

«Nach einem für den deutschen Mittelstand weitestgehend glänzenden Jahrzehnt (...) folgte im Frühjahr 2020 der Schock», heißt es in der Analyse. Zwar hat sich die Stimmung seitdem aufgehellt, aber mehr als jedes zweite Unternehmen rechnet mit einem Umsatzrückgang in diesem Jahr. Insgesamt könnten die Erlöse um 545 Milliarden Euro einbrechen.

Die Umsatzverluste belasten der KfW zufolge die Liquidität der Unternehmen. Insgesamt verfüge der Mittelstand aber über eine hohe finanzielle Widerstandskraft, sagte Köhler-Geib. «Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren einen hohen Bestand an Eigenkapital aufgebaut, wovon sie nun profitieren.»

Trotz der komfortablen Ausgangslage der meisten mittelständischen Unternehmen werde die Corona-Krise Spuren hinterlassen, sagte Köhler-Geib. «Vorsicht und Zurückhaltung könnten das Handeln vieler in der kommenden Zeit bestimmen.» Dem sollte durch gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen entgegengewirkt werden. Aktuell steigende Infektionszahlen sorgten zudem für Unsicherheit.

Die meisten Firmen rechnen der Umfrage zufolge nicht mit einer raschen und kräftigen Erholung. So gehen 46 Prozent der befragten Mittelständler davon aus, dass die Umsätze in den Jahren 2020 bis 2022 gleich bleiben. Jeder vierte Mittelständler (26 Prozent) erwartet, dass die Erlöse unter dem Niveau von 2019 liegen werden. Nur 27 Prozent rechnen mit einem Anstieg.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-38505/3

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
15:56 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsstellen Beschäftigungsindikatoren Eigenkapital KfW Bankengruppe Mitarbeiterzahl Mittelständler Personalabbau Umsatz Umsatzrückgang Unternehmen Unternehmensbilanz
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Maschinenbau

15.10.2020

Wegen Corona gibt es weniger Jobs im Maschinenbau

Die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen ist infolge der Corona-Krise eingebrochen. Entsprechend heftig sinkt die Zahl der Beschäftigten in der Branche. » mehr

Restaurant Yosoy

28.04.2020

Mittelständler verlieren 75 Milliarden Euro Umsatz

Mittelständische Firmen gelten als eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Auch sie trifft die Corona-Krise hart. Die Förderbank KfW bescheinigt den Unternehmen aber eine gestiegene Widerstandskraft. » mehr

Volkswagen-Konzern

29.10.2020

Autohersteller schütteln Corona-Folgen teilweise ab

Ist das schon der Durchbruch? Wenigstens ein Lichtblick? Oder macht die zweite Corona-Welle die Erholung in der Autoindustrie bald wieder zunichte? Bei Volkswagen und anderen Anbietern ging es zuletzt klar bergauf. Was a... » mehr

Sixt

12.11.2020

Sixt sieht drohenden Verlust gelassen

Im Sommer lief es für den Autovermieter Sixt ein paar Wochen lang wieder gut, jetzt geht es mit dem Geschäft wieder abwärts. Der Firmenchef verweist jedoch auf ein dickes Finanzpolster und betont mit Blick auf VW, er wer... » mehr

Airbnb schafft Gewinn vor Börsengang

17.11.2020

Airbnb schafft Gewinn vor Börsengang

An den Finanzmärkten wurde der Börsengang von Airbnb lange als spektakulärste US-Premiere 2020 gehandelt, dann kam die Corona-Krise dazwischen. Inzwischen hat sich das Geschäft ganz gut erholt - und die Zimmervermittlung... » mehr

Flugzeugbauer Airbus

29.10.2020

Corona und Jobabbau reißen Airbus ins Minus

Reisebeschränkungen und Sorgen vor einer Infektion: Corona hat die Luftfahrtbranche in eine schwere Krise gestürzt. Airbus will nun aber weniger Arbeitsplätze streichen als zunächst geplant. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Die Weihnachtsbeleuchtung in der Marienstraße wird angebracht Hof

Weihnachtsbeleuchtung in der Hofer Marienstraße | 26.11.2020 Hof
» 12 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
15:56 Uhr