Wirtschaft

DIW sieht neues Wachstum - und Sorgen für Mieter

Es ist eine Krise historischen Ausmaßes. Doch Wirtschaftsforscher sehen Hoffnungsschimmer. Gerade für Geringverdiener bleibt aber mindestens ein Problem ungelöst.



Mietshäuser in Berlin
Das DIW erwartet eine baldige Erholung der deutschen Wirtschaft, vorausgesetzt, eine zweite Corona-Welle bleibt aus. Steigende Mieten seien allerdings problematisch.   Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Ohne eine zweite Viruswelle könnte die deutsche Wirtschaft Ende nächsten Jahres wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen. Davon geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin aus. Die Produktion erhole sich, Exporte zögen teilweise wieder an.

Kurzarbeit und andere staatliche Hilfen hätten Schlimmeres verhindert. Sorgen bereite aber der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Europa. Und auch gerade für Geringverdiener in Deutschland hat die Krise ein Problem nicht beseitigt: die steigenden Mieten.

«Das ist etwas, was uns nach wie vor Sorgen machen sollte», sagte der Konjunkturexperte des Instituts, Claus Michelsen, am Donnerstag. Weil durch Jobverlust und Kurzarbeit gerade in Dienstleistungsberufen viele Menschen mit kleinen Einkommen Einbußen hinnehmen mussten, werde die Miete für sie zu einer größeren Belastung. In rund 73 Prozent der Kreise seien die Neuvertragsmieten weiter gestiegen; vor der Krise waren es sogar 85 Prozent gewesen.

Stabile Immobilienmärkte seien gesamtwirtschaftlich jedoch gut. Denn fielen jetzt im großen Stil Immobilienkredite aus, könnten Banken ins Straucheln geraten. Das sei das letzte, was Politik, Wirtschaft und Steuerzahler jetzt gebrauchen könnten, wie Michelsen bemerkte. Bei einer zweiten Infektionswelle sei es jedoch möglich, dass Preise sinken und Kredite ausfallen.

Die Frage einer zweiten Welle steht als großes Fragezeichen über allen Prognosen der Konjunkturforscher. Bislang sieht es so aus, als treffe die Krise die deutsche Wirtschaft nicht so stark wie zunächst angenommen. «Wir sind optimistischer als im Sommer», sagte Michelsen. In diesem Jahr werde die Wirtschaftsleistung zwar um sechs Prozent einbrechen. Im Sommer war das DIW aber noch davon ausgegangen, dass das Bruttoinlandsprodukt um mehr als acht Prozent geringer ausfallen werde als im vergangenen Jahr.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte vergangene Woche deutlich gemacht, aus seiner Sicht sei die Talsohle durchschritten. Er änderte seine Prognose für dieses Jahr von einen Minus von 6,3 Prozent auf minus 5,8 Prozent.

Im nächsten Jahr sei ein Plus von 4,1 Prozent zu erwarten, sagte Michelsen, im Folgejahr dann von 3 Prozent. «Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2021, Anfang 2022 ungefähr das Vorkrisenniveau erreichen.» Unklar ist, wie viele Unternehmen in die Insolvenz gehen, wenn die Regeln dafür wieder strikt angewandt werden.

© dpa-infocom, dpa:200910-99-505585/2

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10. 09. 2020
14:08 Uhr

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10. 09. 2020
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