Wirtschaft

Industrieproduktion bricht ein - aber Trendwende in Sicht

Die Corona-Krise bremst Deutschlands Firmen aus. Die Produktion ist auf einen Tiefstand gesackt. Geht es nun wieder aufwärts?



Industrieproduktion
Ein Angestellter in einer Maschinenbaufirma arbeitet an einer Wasserturbine.   Foto: Stefan Puchner/dpa

Der Einbruch der Produktion in der deutschen Industrie hat sich nochmals verschärft - doch nun könnte allmählich die Trendwende einsetzen.

Der konjunkturelle Tiefpunkt sei erreicht, stellte das Bundeswirtschaftsministerium fest. «Mit der schrittweisen Lockerung der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie setzt nun die wirtschaftliche Erholung ein.»

Allerdings rechnen viele Unternehmen wegen der Corona-Krise auch in den kommenden drei Monaten mit einem Produktionsrückgang, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts ergab. Immerhin dürfte sich der Einbruch aber deutlich abschwächen. Im Mai sei der Ifo-Index zu den Produktionserwartungen auf minus 20,4 Punkte gestiegen nach minus 51,0 Punkten im April, teilte das Münchener Forschungsinstitut mit. Damit habe es im Mai den stärksten Zuwachs zum Vormonat seit der Wiedervereinigung gegeben. «Aber das bedeutet nur, dass der Sturzflug nun flacher wird», erklärte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Von März auf April sackte die Fertigung im Produzierenden Gewerbe im Monatsvergleich um 17,9 Prozent ab, zum Vorjahresmonat betrug das Minus nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sogar 25,3 Prozent. Dies sei der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe 1991, teilte die Wiesbadener Behörde mit. Von Februar auf März 2020 hatte sich die Produktion überarbeiteten Zahlen zufolge um 8,9 Prozent verringert.

«Die ganze Dramatik der Corona-Pandemie tritt jetzt zutage. Das künstliche Koma der deutschen Volkswirtschaft macht sich nun massiv negativ in den Wirtschaftsdaten für den April bemerkbar», kommentierte der Chefökonom der VP Bank, Thomas Gitzel. «Klar ist aber auch, dass, wenn die deutsche Wirtschaft wieder anfährt, das Zahlenwerk entsprechend positiv ausfällt.»

Auch Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen ist überzeugt, dass die Produktion bereits im Mai «wieder merklich zugelegt» hat. Denn ein beträchtlicher Teil des Rückgangs im April ist die Folge des weitgehenden Fertigungsstopps in der Automobilindustrie. In der Branche brach die Produktion dem Bundesamt zufolge zum Vormonat um 74,6 Prozent ein. Auf dem Bau gab es nur ein Minus von 4,1 Prozent.

Insgesamt sei die Industrieproduktion in Deutschland so niedrig wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr, erklärte Konjunkturexperte Nils Jannsen vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Erholung werde «deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als der Absturz». Jannsen prognostizierte: «Zudem wird das Investitionsklima weltweit wohl noch auf absehbare Zeit rau bleiben, da die Unsicherheit über die zukünftigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin hoch ist und die Eigenkapitalbasis vieler Unternehmen durch die jüngsten Absatzeinbrüche deutlich geschwächt wurde.» Dies werde der auf die Herstellung von Investitionsgütern spezialisierten deutschen Wirtschaft wohl noch für geraume Zeit zu schaffen machen.

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland explodiert trotz wirtschaftlicher Einbußen infolge der Corona-Krise bislang nicht. In den ersten drei Monaten rutschten sogar mit 4683 Fällen 3,7 Prozent weniger Unternehmen in die Insolvenz als ein Jahr zuvor. Die meisten Firmenpleiten gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Handel inklusive Kfz-Gewerbe mit 788 Fällen. Weil mehr größere Fälle dabei waren, lagen die Forderungen der Gläubiger mit rund 7,3 Milliarden Euro über der Summe des Vorjahreszeitraums (4,7 Mrd Euro).

Die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren in Deutschland nahm im Mai wie schon im April ab. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl im Mai um 14,9 Prozent. Allerdings hat der Gesetzgeber Unternehmen, die wegen der Corona-Krise zahlungsunfähig werden, vorübergehend von der Pflicht zum Insolvenzantrag befreit. Etliche Ökonomen rechnen für das Gesamtjahr mit einem spürbaren Anstieg der Firmenpleiten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 06. 2020
12:11 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Absatzschwierigkeiten Bundesbehörden und Bundesämter (Deutschland) Bundesministerium für Wirtschaft Chefökonomen Deutsche Industrie Firmenkonkurse Industrieproduktion Institut für Weltwirtschaft Institute Konjunkturexperten Statistisches Bundesamt Unternehmen Wirtschaftswissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Hamburger Hafen

07.08.2020

Export kämpft sich aus dem Corona-Tal

Die deutsche Wirtschaft ist nach dem Absturz in der Corona-Krise auf Erholungskurs. Export und Industrieproduktion ziehen im Juni an. Das Vorkrisenniveau ist allerdings noch entfernt. » mehr

Export spürt weiter Gegenwind - Ausfuhren gesunken

09.01.2020

Trüber Jahresausklang für Export und Maschinenbau

Die November-Bilanz deutscher Exporteure und Maschinenbauer fällt mau aus. Eine baldige Konjunkturerholung wird nicht erwartet. Aus Sicht der Wirtschaft sind die Risiken sogar gestiegen. Einen kleinen Lichtblick gibt es ... » mehr

Räumungsverkauf

09.07.2020

Weniger Firmenpleiten im April

Trotz der Viruskrise gibt es im Moment vergleichsweise wenige Firmenpleiten in Deutschland. Das sei aber nur die Ruhe vor dem Sturm, warnen Experten - und empfehlen eine Gegenstrategie. » mehr

Geschäftsaufgabe

10.09.2020

Weniger Firmenpleiten im Halbjahr

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist trotz der Corona-Krise bislang überschaubar. Experten erklären das vor allem mit einer Ausnahmeregelung der Bundesregierung. Kehrt sich der positive Trend in den nächsten Monaten ... » mehr

Containerbrücken

25.05.2020

Konjunktur bricht ein: «Eigentliches Drama steht noch bevor»

Die Corona-Krise stürzt Europas größte Volkswirtschaft in eine Rezession. Zwar gibt es inzwischen erste Lichtblicke. Ökonomen rechnen jedoch mit einem langen Weg zurück in Richtung Normalität. » mehr

Schatten eines Arbeiters

30.07.2020

Historischer Konjunktureinbruch in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie stürzt die deutsche Wirtschaft in eine tiefe Rezession. Der Absturz ist noch heftiger als in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Dennoch gibt es erste Lichtblicke. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Konzert Wildes Holz beim Forum Naila Naila

Wildes Holz beim Forum Naila | 20.09.2020 Naila
» 28 Bilder ansehen

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik Hof

Ein Abend unter Freunden - Alte Filzfabrik | 29.08.2020 Hof
» 35 Bilder ansehen

FC Trogen - SG Regnitzlosau Trogen

FC Trogen - SG Regnitzlosau |
» 62 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 06. 2020
12:11 Uhr