Wirtschaft

Kritik an Arbeitsbedingungen auf indischen Teeplantagen

Wenn es draußen stürmt, freuen sich viele Menschen auf einen heißen Tee. Unter welchen Bedingungen dieser teilweise angebaut wird, wissen jedoch nur die wenigsten. Deutsche Teeunternehmen kennen das Problem.



Teepflückerinnen in Assam
Teepflückerinnen arbeiten auf einer Teeplantage bei Bokakhat im indischen Bundesstaat Assam.   Foto: epa/dpa

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam hat den deutschen Teemarkt wegen der Arbeitsbedingungen auf Teeplantagen im indischen Assam scharf kritisiert.

«Bei einer Packung Markenschwarztee für drei Euro gehen nur circa vier Cent an die Menschen, die den Tee gepflückt haben», sagte die Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Globalisierung, Barbara Sennholz-Weinhardt. Dass so eine Produktion zu menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht möglich sei, liege auf der Hand. Indien ist Deutschlands größter Teelieferant: Gut 27 Prozent des Tees kommen von dort, wie der Deutsche Teeverband mitteilte.

Bei einer von Oxfam durchgeführten Studie wurden 510 Arbeiter auf 50 Plantagen in Assam befragt. Auf den Plantagen leiden die Arbeiter unter katastrophalen Arbeitsbedingungen, hieß es. 56 Prozent der Befragten haben den Angaben zufolge nicht ausreichend zu essen, mehr als ein Viertel nimmt pro Tag weniger als 1800 Kilokalorien zu sich und leidet damit Hunger. 45 Prozent der befragten Arbeiter leiden unter Krankheiten wie Gelbsucht, Cholera und Typhus, da sie verunreinigtes Wasser trinken müssen, hieß es.

Man sei sich bewusst, dass in der Region noch viel zu tun sei und die Kontrollen nicht vollumfänglich sein können, hieß es seitens des Unternehmens Teekanne. Assam sei eine schwierige Region. «Die teilweise dramatischen Missstände, die fallweise beschrieben werden, konnten jedoch auf Plantagen, von denen wir Tee abnehmen, bislang nicht festgestellt werden», teilte das Unternehmen mit.

Die Erhöhung der Löhne der Arbeitnehmer sei ein wichtiges Anliegen, teilte das Unternehmen Ostfriesische Teegesellschaft mit. Hierfür bestehe jedoch die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform des Lohn- und Sozialleistungssystems in Indien. «Wir gehören zu den kleinen Akteuren in Assam, unser Einfluss auf die Lebens- und Produktionsbedingungen ist nur sehr gering», teilte die Ostfriesische Teegesellschaft mit.

Oxfam kritisierte weiter, dass Herkunft und Produktionsbedingungen für die Konsumenten in Deutschland nicht nachvollziehbar seien. Der Verbraucher könne sich anhand der Kennzeichnungen oder Siegel auf der Verpackung über sein Tee-Produkt informieren, teilte der Deutsche Teeverband mit. Zertifizierer im Bereich «Faire Arbeits- und Handelsbedingungen beim Anbau und Vertrieb von Tee» seien beispielsweise UTZ, Rainforest Alliance, Fairtrade und die World Fair Trade Organization. Die Zertifizierungen sind Oxfam zufolge aber nicht zielführend: Viele der Rechtsverletzungen ereigneten sich auch auf zertifizierten Plantagen, hieß es.

Oxfam forderte von Supermarktketten und Teeunternehmen, dafür zu sorgen, dass ihre Lieferanten die Menschenrechte einhalten. Weiter setzen sie sich für die Verabschiedung eines Lieferkettengesetzes ein.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 10. 2019
07:07 Uhr

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