Wirtschaft

Lokomotivführer in Deutschland fordern mehr Lohn

4,8 Prozent mehr Lohn, eine Einmalzahlung und ein dreijähiger Verzicht des Managements auf Boni: Mit diesen Forderungen ist die GDL in das Schlichtungsverfahren mit der Bahn getreten. Und das, obwohl der Konzern in der Krise Verluste schreibt.



Leerer ICE-Führerstand
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer fordert mehr Lohn.   Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Mit Forderungen nach 4,8 Prozent mehr Lohn ist die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Donnerstag in die Schlichtung mit der Deutschen Bahn getreten.

«Wir sind der festen Überzeugung, dass die Kolleginnen und Kollegen mehr verdient haben als Klatschen von Balkonen und am Ende immer wiederkehrende Märchen vonseiten des Managements, dass alles besser werde», sagte GDL-Chef Claus Weselsky in Berlin. Dort kamen beide Seiten am Vormittag zusammen, um darüber zu verhandeln, wie mit den Einbußen aus der Corona-Krise umgegangen werden soll. Die Bahn will den Anstieg der Personalkosten dämpfen, weil die Einnahmen in den vergangenen Monaten massiv eingebrochen sind.

Weselsky hingegen forderte nun einen speziellen Tarifvertrag für die Folgen der Krise. Darin soll eine Einmalzahlung für die Beschäftigten in Höhe von 1300 Euro noch in diesem Jahr festgehalten werden, als Anerkennung für deren Leistungen während der Krise. In dem Vertrag solle zudem vereinbart werden, «dass sämtliche Führungskräfte des Konzerns Deutsche Bahn AG für drei Jahre auf ihre Boni verzichten», sagte Weselsky. Der Vertrag solle eine Laufzeit von 12 Monaten haben.

Der aktuelle Tarifvertrag läuft im Februar aus. Bis dahin gilt die Friedenspflicht - auch im Falle eines Scheiterns des Schichtungsverfahrens. «In den nächsten Wochen erwarten wir konstruktive Verhandlungen, um eine Lösung mit der GDL für einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Schäden zu vereinbaren», hatte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler noch am Vorabend mitgeteilt. Es handele sich bei dem Schlichtungsverfahren deshalb «nicht um eine vorgezogene reguläre Tarifrunde, sondern um eine durch Corona verursachte Sondersituation», machte er klar.

Mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte sich der bundeseigene Konzern bereits vor mehreren Wochen auf einen neuen Tarifvertrag mit nur moderaten Lohn- und Gehaltserhöhungen verständigt, die weit unter den nun vorgelegten Forderungen der GDL lagen. Dafür sind bis zum Ende der Laufzeit Ende Februar 2023 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Weselsky lehnte einen pauschalen Kündigungsschutz für alle Beschäftigten ab. Er kritisierte die aus seiner Sicht überbordende Verwaltung, die dringend verschlankt werden müsse. Allerdings sind die Verwaltungsmitarbeiter der Deutschen Bahn auch nicht in der GDL organisiert, sondern in der EVG.

Für die Verhandlungen sind zunächst drei Wochen angesetzt, sie können gemäß der Schlichtungsvereinbarung aber um eine Woche verlängert werden. Angesichts der beträchtlichen ökonomischen Schäden sei eine zeitnahe Einigung auch mit der GDL geboten, teilte Seiler mit. Beide Seiten einigten sich für die Rolle des Schlichters auf den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD). Für die Dauer der Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart.

Tarifverhandlungen im Rahmen des von EVG und Bahn geschlossenen «Bündnisses für die Bahn» hatte die GDL seinerzeit abgelehnt. Zur Schlichtung ist sie aber verpflichtet. Weselsky äußerte sich am Donnerstag mit Blick auf eine mögliche Einigung skeptisch. «Wir haben hier eine Schlichtung vor uns, die wir nicht gewollt haben», sagte er. Es bestehe aber «berechtigte Hoffnung, dass wir zu einem Schlichtungsergebnis kommen». Die GDL vertritt bei der Deutschen Bahn das Zugpersonal mit rund 30.000 Beschäftigten.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-37178/4

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
11:56 Uhr

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