Wirtschaft

Textilbündnis plant mehr als 1000 weitere Maßnahmen

Existenzsichernde Löhne, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und weniger Chemie: Viele Maßnahmen sollen die Bekleidungsproduktion nach dem Willen des deutschen Textilbündnisses nachhaltiger machen. Doch der Weg ist noch weit.



Textilfabrik in Bangladesch
In einer Textilfabrik im bangladeschischen Savar sitzen Näherinnen und Näher bei der Arbeit.   Foto: Nick Kaiser

Der Start war holprig. Doch inzwischen nimmt das 2014 gegründete Bündnis für nachhaltige Textilien Fahrt auf. In diesem Jahr planen die 120 Mitglieder mehr 1000 weitere Maßnahmen um menschenwürdige Arbeitsbedingungen, mehr Umweltschutz und faire Löhne in der weltweiten Textilproduktion durchzusetzen.

Erstmals müssen die beteiligten Unternehmen dabei auch verbindlich Maßnahmen ergreifen, die darauf abzielen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsländern existenzsichernde Löhne erhalten können, wie der Leiter des Bündnissekretariats Jürgen Janssen am Montag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Dazu gehöre im ersten Schritt die Überprüfung des eigenen Einkaufsverhaltens einschließlich der eigenen Preispolitik.

Das Bündnis war auf Initiative von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) als Antwort auf tödliche Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan gegründet worden. Ziele sind unter anderem menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion, sowie die Vermeidung gesundheitsschädlicher Chemikalien. Dem Bündnis gehören unter anderem Modefirmen wie Adidas oder Esprit, Handelsketten wie H&M oder C&A, aber auch Verbände, Behörden und Hilfsorganisationen an. Zusammen repräsentieren sie nach eigenen Angaben knapp 50 Prozent des deutschen Textilmarktes. Allerdings schrumpfte die Zahl der Bündnismitglieder in den vergangenen zwölf Monaten durch Austritte, aber auch durch Unternehmensinsolvenzen und Fusionen von 130 auf 120.

Im vergangenen Jahr seien von den Bündnismitgliedern bereits 1100 Vorhaben realisiert worden, berichtete das Bündnis. Dabei seien rund 80 Prozent der gesetzten Ziele erreicht worden. Ein wichtiger Erfolg sei bei der Baumwolle gelungen. Rund 32 Prozent der von den Mitgliedern des Textilbündnisses verarbeiteten Baumwolle stamme inzwischen aus dem Bio-Anbau oder aus nachhaltiger Produktion. Damit sei die bis 2020 angestrebte Quote von 35 Prozent fast erreicht.

«Wir sehen, dass in einigen Bereichen der Markt in Bewegung kommt. Das Wissen über Lieferketten ist heute schon wesentlich größer als noch vor wenigen Jahren», sagt Janssen. Das Umwelt- und Chemikalien-Management mache große Fortschritte. «Aber es gibt weiter dicke Bretter zu bohren - etwa beim Thema existenzsichernde Löhne.»

Von den mehr als 1000 Maßnahmen, die die Textilbündnis-Mitglieder in diesem Jahr planen, beziehen sich fast 200 auf die schrittweise Verbannung von 160 gefährlichen Chemikalien aus der Produktion, einen sichereren Umgang mit Chemikalien sowie den Abwasserstandard.

Die Handelskette Rewe hat sich zum Beispiel das Ziel gesetzt, Trainings zum Chemikalienmanagement in zehn Produktionsstätten in Indien, Pakistan und der Türkei durchzuführen. Edeka will 25 Produktionsstätten den Zugang zu einer Plattform mit praktischen Hilfestellungen finanzieren, um so den innerbetrieblichen Umweltschutz in der Produktion zu verbessern.

Insgesamt 34 Unternehmen haben sich verpflichtet, ihre Einkaufspraktiken zu verbessern, um einen Schritt in Richtung existenzsichernde Löhne zu tun. Andere Firmen unterstützen Initiativen, die Gewerkschaften in Produktionsländern und deren Position in Tarifverhandlungen stärken. Darüber hinaus verpflichten sich die Mitglieder des Bündnisses, Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien auszuwählen und Korruption zu bekämpfen.

Janssen ist von den Möglichkeiten des Bündnisses überzeugt: «Wenn alle Bündnismitglieder - immerhin die Hälfte des deutschen Textilmarktes - verbindliche Ziele anstreben, können wir viel erreichen, zum Beispiel bei Löhnen und Arbeitnehmerrechten, bei der Substitution von Chemikalien, beim Umwelt- und Ressourcenschutz sowie bei der Förderung nachhaltiger Fasern», meint er.

Doch der Weg dahin ist wohl noch weit. Berndt Hinzmann vom entwicklungspolitischen Inkota-Netzwerk, das dem Bündnis angehört, sieht jedenfalls noch einigen Verbesserungsbedarf. Er drängt vor allem auf mehr Kontrollierbarkeit. Das Textilbündnis müsse nicht nur Maßnahmenpläne liefern, sondern auch belegen, dass die geplanten Maßnahmen tatsächlich zu besseren Lebensbedingungen für die Beschäftigten führten.

Eine andere Schwäche des Bündnisses hatte kürzlich noch einmal Entwicklungsminister Müller ins Visier genommen: «In Deutschland haben sich 50 Prozent der Textilbranche dem Textilbündnis angeschlossen. 100 Prozent sollten den Weg zu nachhaltiger, fair und ökologisch produzierter Kleidung gehen», verlangte er.

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dpa

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Veröffentlicht am:
12. 08. 2019
17:53 Uhr

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