Wirtschaft

Wohnungsbau kommt 2018 kaum in Fahrt

In Deutschland werden immer mehr Wohnungen fertig - aber immer noch zu wenige, um die Nachfrage zu stillen. 2018 konnte der Wohnungsbau kaum noch das Vorjahresniveau übertreffen. Die Immobilienbranche ist alarmiert. Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung.



Wohnungen
Der Wohnungsbau in Deutschland kommt kaum in Schwung.   Foto: Jens Büttner

Für die Wohnungsnot in vielen deutschen Städten ist vorerst keine Linderung in Sicht. Zwar wurden vergangenes Jahr erneut mehr Wohnungen errichtet, doch die Zahlen bleiben weiter unter dem Bedarf.

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen stagnierte 2018 beinahe, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Demnach wurden 28.900 Wohnungen fertig - ein kleines Plus von 0,4 Prozent gemessen am Vorjahr. Damit hat die Bundesregierung ihr Ziel von 375.000 neuen Wohnungen pro Jahr abermals verfehlt.

Um die große Nachfrage nach Immobilien zu stillen, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jährlich 350 000 bis 400.000 Wohnungen fertig werden. Die Regierungskoalition hat sich 1,5 Millionen neue Wohnungen in der laufenden Amtsperiode zum Ziel gesetzt. Dies rückt in weite Ferne. Experten hatten erwartet, dass 2018 zumindest die Schwelle von 300 000 Wohnungen überschritten wird.

Das geringe Plus liegt nach Angaben der Wiesbadener Statistiker auch daran, dass mehr Wohnungen genehmigt wurden als gebaut. Obwohl die Baubewilligungen 2018 leicht fielen, sei der Stau weiter gewachsen.

Gleichwohl bedeuten die neuen Zahlen den höchsten Stand bei den Fertigstellungen seit 2002, als 289.600 Wohnungen errichtet worden waren. Auch verzerren Wohnheime, zu denen etwa Flüchtlingsunterkünfte zählen, das Bild: Dort gab es ein Minus von gut 21 Prozent. Rechnet man die Wohnungen in Heimen heraus, wären vergangenes Jahr 2,6 Prozent mehr Wohnungen fertiggestellt worden.

Trotz des Baubooms kämpfen viele Städte unverändert mit den gleichen Problemen: Es fehlen Flächen für neue Wohnungen, die Immobilienpreise schießen in die Höhe und die Bauwirtschaft kommt kaum hinterher. Sie schon ist stärker ausgelastet als im Boom nach der Wiedervereinigung und leidet unter Fachkräftemangel. Der Druck schlägt auch auf die Baupreise durch, die kräftig klettern und sich später in steigenden Mieten niederschlagen.

Die Immobilienwirtschaft zeigte sich enttäuscht von den neuen Zahlen. «Es fehlt an allen Ecken und Enden», erklärte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses. Es gebe etwa zu langwierige Planungsprozesse und zu wenig Kapazitäten bei den Firmen. «Energetische Anforderungen, kommunale Auflagen und die Grundstückspreise sind starke Kostentreiber im Wohnungsbau.»

Ähnlich reagierte die Gewerkschaft IG BAU. «Klassenziel wieder nicht erreicht», kommentierte der Bundesvorsitzende Robert Feiger. Die Bauwirtschaft habe ihre Kapazitäten schon deutlich aufgestockt, brauche aber Planbarkeit über das Ende der Legislaturperiode 2021 hinaus. Der Branche stecke noch die Erfahrung Ende der 1990er Jahre in den Knochen, als sie die Beschäftigung stark reduzieren musste.

Tatsächlich wurden Mitte der 1990er Jahre im Wiedervereinigungsboom mehr als 600.000 Wohnungen jährlich errichtet. Danach sank die Zahl der Neubauten bis auf ein Tief von 160.000 kurz nach der Finanzkrise. Seither geht es wieder aufwärts - aber nicht schnell genug. Mit dem Wohnungsmangel werde der Druck auf die Immobilienpreise noch eine Weile anhalten, sagte Jochen Möbert, Ökonom bei der Deutsche Bank. Die Bauwirtschaft dürfte die Nachfrage auf absehbare Zeit nicht bedienen können.

Im Kampf gegen die Wohnungsnot hatte die Bundesregierung auf einem Wohngipfel im Herbst eine Reihe von Maßnahmen vereinbart. Dazu zählen ein Baukindergeld für Familien, Steuerabschreibungen für den Bau von Mietwohnungen, die Bereitstellung von mehr bundeseigenen Grundstücken und eine Milliardenoffensive im sozialen Wohnungsbau.

Die Baubranche forderte angesichts des «unbefriedigten Ergebnisses», die Beschlüsse müssten umgesetzt werden - etwa serielle und modulare Verfahren, um im Baukastenprinzip Wohnungen schneller zu errichten.

Zuversichtlich zeigte sich die Förderbank KfW. Die Baugenehmigungen vergangener Jahre seien bei weitem noch nicht abgearbeitet und die Auftragsbestände in der Baubranche weiter gestiegen. «Die Aussichten stehen gut, dass es im Wohnungsbau weiter aufwärts geht und dass sich in vielen Kommunen die Lage am Wohnungsmarkt allmählich entspannt.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 05. 2019
13:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Mattner Baubranche Baukindergeld Deutsche Bank Gewerkschaften Grundstückskaufpreise IG Bauen-Agrar-Umwelt Immobilien KfW Bankengruppe Mietwohnungen und Mietshäuser Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Sozialer Wohnungsbau Statistisches Bundesamt Wohnungsbau Wohnungsmarkt
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Wohnungsbau

04.06.2020

Wohnungsbau kommt stärker in Schwung

In Deutschland werden immer mehr Wohnungen fertig. Doch die Zahlen bleiben weiter unter dem Ziel der Bundesregierung. Nun bringt die Corona-Krise neue Herausforderungen. » mehr

Eigenheimbau mit Baukindergeld

31.07.2020

Anträge auf Baukindergeld vor allem für Eigenheime

Eine eigene Wohnung, noch besser ein Haus. Mit dem Baukindergeld greift der Staat Familien unter die Arme, die in die eigenen vier Wände ziehen möchten. Die allermeisten Antragsteller setzen aufs eigene Haus - was bei de... » mehr

Altersgerechtes Wohnen

23.11.2020

IG BAU sieht großen Mangel an altersgerechten Wohnungen

In der Corona-Krise wird deutlich, dass viele Wohnungen nicht zu ihren älter werdenden Bewohnern passen. Die IG BAU warnt vor einer «grauen Wohnungsnot». » mehr

Container Terminal Altenwerder

24.11.2020

«Das Winterhalbjahr wird hart»: Steiniger Weg aus der Krise

Die deutsche Wirtschaft meldet sich im Sommer stärker zurück als angenommen. Damit ist die Corona-Krise aber noch nicht überwunden. Die nächsten Monate werden Europas größte Volkswirtschaft wohl erneut auf die Probe stel... » mehr

Wohnungsbau

15.08.2019

Weniger Baugenehmigungen für Wohnungen im ersten Halbjahr

Weniger Wohnungen für mehr Menschen: Es werden weniger Baugenehmigungen erteilt, obwohl Experten schätzen, dass jährlich bis zu 400.000 Einheiten gebaut werden müssten, um den Bedarf zu decken. » mehr

Häuser in Berlin

24.09.2020

Immobilien verteuern sich trotz Corona-Krise kräftig

Endet mit Corona der lange Preisanstieg bei Häusern und Wohnungen in Deutschland? Das haben manche Menschen gehofft, die eine Immobilie suchen. Doch neue Zahlen zeigen, dass der Boom ungebrochen ist. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

29.11.2020 Bilder Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag

Lebkuchenmarkt Rehau - Sonntag | 29.11.2020 Rehau
» 40 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
29. 05. 2019
13:58 Uhr