Wissenschaft

Einer der ältesten Texte der Weltliteratur stammt von Frau

Historische Texte wurden in den allermeisten Fällen von Männern verfasst - glaubte man bislang. Altorientalisten machen nun eine Entdeckung, die die Ursprünge der Weltliteratur in ein anderes Licht rückt.



Enrique Jiménez
Enrique Jiménez ist Professor am Institut für Assyriologie und Hethitologie der LMU.   Foto: Peter Kneffel/dpa

Einer der ältesten Texte der Weltliteratur stammt nach neuen Forschungsergebnissen Münchner Wissenschaftler sehr wahrscheinlich nicht von einem Mann, sondern von einer Frau.

«Für Fachleute ist das eine kleine Sensation», teilte die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München am Donnerstag mit. Bei dem Text handelt es sich um die sogenannte Gula-Hymne, einen der wichtigsten literarischen Texte aus dem alten Mesopotamien aus der Zeit um 1300 vor Christus.

Die Hymne aus dem Alten Orient existiert nicht mehr im Original, sondern ist nur aus späteren Kopien bekannt, wie die Uni mitteilte. In diesen Manuskripten stehe vor dem Autorennamen Bullussa-rabi jeweils das Zeichen für maskulin, was bedeute, dass der Verfasser ein Mann gewesen sein soll. Altorientalisten der LMU haben aber nun herausgefunden, dass das wohl ein Fehler war.

Sie stießen nämlich in neun Verwaltungsurkunden auf den Namen Bullussa-rabi - und wurden überrascht. «In allen Dokumenten ist Bullussa-rabi ein Frauenname», sagte Enrique Jiménez, Professor am Institut für Assyriologie und Hethitologie der LMU, laut Mitteilung. «Offenbar trugen nur Frauen damals diesen Namen.»

Seiner Einschätzung nach könnte es sich nicht um den einzigen Fall handeln, bei dem Frauen als Urheberinnen früher literarischer Texte übersehen wurden. «Unsere Hauptquelle für Autoren ist eine Liste aus der Bibliothek von Assurbanipal, der sogenannte "Katalog von Texten und Autoren"», sagte er. «Wenn Bullussa-rabi dort fälschlicherweise als Mann aufgeführt wurde, warum sollte sie der einzige Fall sein?»

© dpa-infocom, dpa:201022-99-43202/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
17:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Allgemeine (nicht fachgebundene) Universitäten Forschungsergebnisse Institute Jesus Christus Ludwig-Maximilians-Universität München Orient Professoren Weltliteratur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Bundestag

04.11.2020

Autonome Waffensysteme: Experten warnen vor Kontrollverlust

Killerroboter verbieten? Das könnte schwieriger werden, als man auf den ersten Blick meint, haben Forscher in einem Bericht für den Bundestag festgestellt - und fordern verstärkte Anstrengungen, das Thema international i... » mehr

Leeres Gepäckband

19.10.2020

Historiker: Corona könnte zur «epochalen Zäsur» werden

Grenzen werden wichtiger und die soziale Ungleichheit nimmt zu: Mit der Corona-Krise könnte nach Ansicht des renommierten Historikers Andreas Wirsching eine ganze Epoche zu Ende gehen. » mehr

Mundschutzmaske

06.05.2020

Wie verteilt sich das Virus?

So adrett das Coronavirus in mancher Abbildung wirkt, so unsichtbar ist es doch fürs menschliche Auge. Was man aber sehen kann, ist der klassische Übertragungsweg: die Tröpfcheninfektion. Studien hierzu verbreiten sich s... » mehr

Aerosole

01.06.2020

Die große Corona-Unbekannte: Welche Rolle spielen Aerosole?

Der große Tropfen Schnodder sinkt schnell zu Boden, so viel ist klar. Doch das Coronavirus ist winzig und kann in Mini-Tröpfchen auch länger in der Luft stehenbleiben. Diese Aerosole rücken immer mehr in den Fokus der Fo... » mehr

Eine Grabungsstätte in Pforzen

03.08.2020

Forscher entdecken Riesenkranich-Schädel im Allgäu

Wissenschaftler machen in einer Grabungsstelle in Pforzen einen Riesenfund. Der entdeckte Kranich könnte am Beginn einer Evolutionskette stehen. » mehr

AstraZeneca

01.08.2020

Brasilien: Abkommen mit Astrazeneca über Corona-Impfstoff

Ein Corona-Impfstoff des britischen Konzerns Astrazeneca wird in Brasilien bereits breit getestet. Nun soll ein Vertrag die Produktion von 100 Millionen Impf-Einheiten sicherstellen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw kracht in Warnleitanhänger Berg/Bad Steben

A 9: Lkw kracht in Warnleitanhänger | 24.11.2020 Berg/Bad Steben
» 35 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
17:32 Uhr