Bayern

Corona bedroht Start-ups: Aiwanger fordert Dachfonds

Bayern ist ein gutes Pflaster für junge Digitalunternehmen - eigentlich. Doch die Corona-Krise verschärft das Problem fehlender Geldgeber, die das Wagnis der Start-up-Finanzierung eingehen. Wirtschaftsminister Aiwanger fordert Abhilfe.



Hubert Aiwanger spricht
Hubert Aiwanger (Freie Wähler), stellvertretender Ministerpräsident, spricht.   Foto: Peter Kneffel/dpa-Pool/dpa

Die Corona-Krise verschärft ein Grundsatzproblem vieler Start-ups: knappe Finanzierung. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordert deswegen Steuererleichterungen für Risikokapitalgeber und einen staatlich unterstützten Dachfonds, damit digitale Jungunternehmen nicht am Geldmangel eingehen. «Diesen Unternehmen wird auf absehbare Zeit der Stecker gezogen, wenn Kapital eingefroren wird und Finanzierungsrunden ausfallen», sagte Aiwanger auf Anfrage. «Wir brauchen deshalb mehr staatliches Engagement und Risikobereitschaft, um die Durchfinanzierung von Start-ups deutlich zu verbessern.»

Bayern liegt im alljährlichen bundesweiten «Start-up-Monitor» bei der Zahl der Unternehmensgründungen auf Platz drei hinter Nordrhein-Westfalen und Berlin. Die Förderbank KfW geht von bundesweit rund 70 000 Start-ups aus, wobei die Definition etwas schwammig ist. Als Start-ups zählen «innovations- und wachstumsorientierte Unternehmen» - das sind Softwarefirmen, ein frisch gegründeter Handwerksbetrieb dagegen nicht, auch wenn dieser innovativ sein sollte. Bayerische Hochburg ist der Großraum München, wo auf dem Portal Munich Start-up über 1300 Start-ups registriert sind.

Das Finanzierungsproblem ist nicht auf Bayern beschränkt und in der deutschen Start-up-Szene altbekannt: Für Unternehmensgründungen stehen zwar ausreichend Fördermittel zur Verfügung. Doch wollen Unternehmen nach überstandener Startphase wachsen, sie finden für weitere Finanzierungsrunden aber oft nur mit großen Mühen Investoren.

«Die Politik unterstützt sie bisher dabei, laufen zu lernen», sagt Aiwanger dazu. «Wenn diese jungen Unternehmen dann aber dem Kindesalter langsam entwachsen, werden sie leider allzu oft allein gelassen.» Internationale Geldgeber wie Investoren oder Staatsfonds nutzten diese Chance und pickten sich die Rosinen heraus: «Dabei gehen oftmals Ideen und Geschäftsmodelle unwiederbringlich für Bayern verloren.»

Wegen der Corona-Krise halten sich institutionelle Investoren derzeit eher zurück, wie Carsten Rudolph sagt, der Chef der Förderagentur BayStartup. «Es gibt einige Investoren im institutionellen Bereich, die uns sagen, dass sie in diesem Jahr keine neuen Engagements mehr eingehen werden, sondern sich um ihr bisheriges Portfolio kümmern. Auf der anderen Seite stellen wir bei den wirklich privaten Investoren - den business angels - noch keine Zurückhaltung fest.»

Corona habe einen starken Effekt auf die Start-up-Szene, «aber der ist nicht nur negativ», sagt Rudolph. «Die Signale sind so unterschiedlich, dass sich das nicht pauschal beantworten lässt. So läuft zum Beispiel alles, was mit Reisen zu tun hat, derzeit natürlich nicht so toll.» Andere Start-ups hätten sich sehr positiv entwickelt. Ein Beispiel ist die Münchner Firma Loewi, eine Ausgründung der TU München, die eigentlich auf personalisierte Ernährung spezialisiert ist, basierend auf Bluttests. Mittlerweile hat das Unternehmen einen Corona-Antikörpertest auf den Markt gebracht.

Doch gibt es viele Jungunternehmen, die unter Corona ebenso leiden wie etablierte Firmen. «Damit mehr Kapital zur Verfügung steht, müssen vom Bund die Rahmenbedingungen von Venture-Capital-Fonds geändert werden», sagt Aiwanger - «beispielsweise, indem deren Verwaltungsleistungen von der Umsatzsteuer befreit werden und Verluste steuerlich besser berücksichtigt werden.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 09. 2020
06:12 Uhr

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04. 09. 2020
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