Bayern

Kritische Corona-Risikostufe in 20 Städten und Kreisen

Die Corona-Fallzahlen steigen und steigen. Ob die jüngste Verschärfung der Corona-Einschränkungen wirkt, muss sich erst noch zeigen.



Proben für Corona-Tests werden untersucht
Proben für Corona-Tests werden untersucht.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Der Covid-19-Erreger breitet sich rasch aus: 20 bayerische Städte und Kreise inklusive der Landeshauptstadt München überschritten am Wochenende den Schwellenwert von 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Das sind nach den am Sonntag veröffentlichten neuen Daten des Landesamts für Gesundheit (LGL) neun Kommunen mehr als vor dem Wochenende, nahezu eine Verdopplung. Abgesehen davon wurde noch eine weitere Schwelle überschritten: Das LGL meldete 90 194 Infektionen seit Beginn der Epidemie und damit erstmals über 90 000. Innerhalb von zwei Tagen sind damit 3717 neue Ansteckungen hinzugekommen.

Die Staatsregierung ist besorgt: «Wir mussten in Bayern in den letzten Tagen die höchsten Neuinfektionszahlen seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen», sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Die 20 Städte und Kreise sind auf der Corona-Ampel der Staatsregierung «dunkelrot», für die Bürger gelten verschärfte Einschränkungen ihres Alltagslebens.

Bei Sportveranstaltungen und kulturellen Veranstaltungen sind maximal 50 Besucher zugelassen; Ausnahmen gelten für Gottesdienste, Demonstrationen und Hochschulen. Die Sperrstunde für Lokale verschiebt sich um eine Stunde nach vorne und gilt ab 21.00 Uhr, ab derselben Uhrzeit herrscht Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen.

Auffällig ist vor allem die Entwicklung im Süden. Neben München sind am Wochenende in Oberbayern unter anderem Ingolstadt sowie die Kreise Rosenheim und Neuburg-Schrobenhausen hinzugekommen, in Schwaben die Landkreise Augsburg und Donau-Ries, außerdem Memmingen, Kempten und Kaufbeuren. Beide Regierungsbezirke steuern mit Sieben-Tage-Inzidenzen von 98,3 in Schwaben und 93,3 in Oberbayern auf die 100er-Marke zu. Westlich der Landeshauptstadt ist der Kreis Fürstenfeldbruck allerdings wieder unter die Schwelle gesunken.

Angesichts der schnell steigenden Zahlen soll nun Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) die Arbeit der Corona-Taskforce im Ministerium koordinieren. Der CSU-Politiker soll sich vor allem um die Abstimmung der Corona-Vorschriften mit den Kommunen kümmern, wie Huml erklärte.

Die Staatsregierung hatte ihre Vorgaben zur Eindämmung der Epidemie erst in der vergangenen Woche verschärft. «Wir müssen nun erst einmal abwarten, wie die getroffenen Maßnahmen greifen», sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. «Ihr Einfluss auf Fallzahlen und Inzidenz zeigt sich leider erst zeitversetzt nach zehn bis vierzehn Tagen.» Die derzeit gültige Corona-Verordnung läuft am 8. November aus.

Am schnellsten verbreitet sich das Virus nach wie vor im Berchtesgadener Land. Dort gelten derzeit drastische Einschränkungen, sogar die Wanderparkplätze sind gesperrt.

Das Gesundheitssystem ist zumindest aktuell aber keineswegs überlastet. Bayernweit wurden nach Zahlen des Intensivregisters 123 Corona-Patienten stationär im Krankenhaus behandelt, 1215 Intensivbetten waren frei. Allerdings steigt mittlerweile auch die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen wieder. «Dies macht mir Sorge, auch wenn derzeit ausreichende Behandlungskapazitäten für die Patienten zur Verfügung stehen», sagte Huml dazu. «Uns allen steht ein intensiver Corona- Herbst und Corona-Winter bevor.»

Die Reaktionen der Bürgerschaft sind nach wie vor gespalten: Einerseits wird das freiwillige Corona-Testprogramm der Staatsregierung rege nachgefragt: Seit dem Start vor drei Monaten haben die Arztpraxen knapp 709 000 dieser freiwilligen Tests gemeldet. Das Testprogramm ist für Bürger ohne Symptome gedacht, die Tests werden daher von der Staatsregierung bezahlt und nicht von den Krankenkassen.

Andere Meldungen hingegen verdeutlichen, dass Appelle und Mahnungen der Politik bei einem Teil der Bevölkerung ungehört verhallen. Im schwäbischen Illertissen löste die Polizei am Samstagabend nach einem Fußballspiel eine Feier vor einem Vereinsheim auf, die 23 Spieler und Fans kassierten Anzeigen nach dem Infektionsschutzgesetz. «Die hatten Biertischgarnituren vor dem Vereinsheim aufgestellt, spielten laute Musik und konsumierten Alkohol», sagte ein Polizeisprecher.

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dpa

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Veröffentlicht am:
25. 10. 2020
18:23 Uhr

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25. 10. 2020
18:23 Uhr