Fichtelgebirge

Coronazahlen überschreiten kritischen Wert

Der Krisenstab im Landratsamt berät, wie sich weitere Infektionen vermeiden lassen. Ab kommender Woche müssen nun alle Schüler eine Maske tragen.



So verteilen sich die Corona-Fälle im Landkreis Wunsiedel aktuell auf die Kommunen.   Foto: Quelle: Landratsamt Wunsiedel

Wunsiedel - Die Zahl der mit Corona infizierten Menschen im Landkreis Wunsiedel steigt. Mittlerweile haben die Fallzahlen den kritischen Signalwert von 35 Fällen auf 100.000 Einwohnern überschritten. Derzeit sind im Landkreis 29 Menschen an Corona erkrankt.

Veranstaltungen fallen aus

Die steigenden Corona-Fallzahlen schlagen sich sofort im öffentlichen Leben im Landkreis Wunsiedel nieder. Im Laufe des Freitags erhielt die Frankenpost gleich mehrere Absagen von Veranstaltungen.

So sagt die SPD Fichtelgebirge aufgrund der aktuellen Situation die für heute, Samstag, geplante Kreiskonferenz in Tröstau ab. Als Gast hatte sich Natascha Kohnen, Vorsitzende der Bayern-SPD, angekündigt. Ein Ersatztermin steht noch nicht fest, teilt Kreisvorsitzender Jörg Nürnberger mit. Natascha Kohnen hat zugesichert, dass sie beim erneuten Anlauf für die Kreiskonferenz auf jeden Fall wieder mit von der Partie sein wird. Zu der Kreiskonferenz wären laut Nürnberger etwa 50 Mitglieder gekommen. Nicht abgesagt hat hingegen die Thiersheimer SPD ihre Hauptversammlung, da sie nur wenige Teilnehmer erwartet.

Auf den Antik- und Trödelmarkt haben sich viele Menschen in der Region gefreut. Allerdings verzichtet das Team des Volkskundlichen Gerätemuseums Arzberg-Bergnersreuth ebenfalls wegen der steigenden Infektionszahlen auf die Ausrichtung des für Sonntag geplanten Markes. Die Ausstellungen "Otto Schemm" und "#fichteltypen" können morgen jedoch bei freiem Eintritt besichtigt werden, teilt das Museum mit.

Am Dienstag, 22. September, hätte die Interkulturelle Woche im Landkreis Wunsiedel beginnen sollen. Auch sie findet wegen der aktuell steigenden Corona-Zahlen nicht statt. Wie geplant zu sehen ist allerdings die Wanderausstellung "An(ge)kommen. Augenblicke. Begegnunen. Geschichten." im Innenhof des Fichtelgebirgsmuseums.

Eine noch junge Veranstaltungsreihe in Wunsiedel fällt ebenfalls Corona zum Opfer. Die SPD-Fraktion im Stadtrat Wunsiedel sagt ihren für Montag geplanten Stammtisch ab. Der konstruktive Austausch mit den Bürgern soll nachgeholt werden. Seit dieser Wahlperiode laden die Sozialdemokraten die Bürger jeweils am Dienstag nach einer Stadtratssitzung zum Stammtisch ein. Hier diskutieren die Teilnehmer die aktuelle lokalpolitische Lage in der Festspielstadt. red

Dies hat einige Folgen: Das staatliche Schulamt hat die Schulleiter darüber informiert, dass im Landkreis die Maskenpflicht an den Schulen verlängert und ausgeweitet wird. "Für zunächst eine Woche gilt die Maskenpflicht in allen Jahrgangsstufen, also auch an den Grundschulen", heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes.

Wie Landrat Peter Berek im Gespräch mit der Frankenpost sagte, ergeben die Infizierten ein relativ "inhomogenes Bild". "Klar, es handelt sich um einige Reiserückkehrer und deren Kontaktpersonen, aber auch um einige türkischstämmige Bürger, und wir haben Fälle, die noch völlig unerklärlich erscheinen."

Derweil ist im Landratsamt der Krisenstab wieder in Dauerbereitschaft. In den vergangenen Wochen, als das Pandemiegeschehen im Landkreis merklich abgeklungen schien, trafen sich die Mitarbeiter aus dem Gesundheitsamt, dem Ordnungsamt, dem Personalwesen und je nach Bedarf anderer wichtigen Abteilungen lediglich noch zwei-, vielleicht dreimal pro Woche. Dies hat sich geändert. Landrat Peter Berek, der sich die vergangenen Tage eigentlich noch im Urlaub befand, war jeden Tag im Amt und hat die Lage koordiniert.

Vor allem für die Verantwortlichen in den Schulen ist es am gestrigen Freitag eine Heidenarbeit gewesen, die neuen Regeln den Eltern und Schülern mitzuteilen. Dass dies gelungen ist, beweist das Beispiel einer Mutter, die bei der Frankenpost angerufen hat, um mitzuteilen, dass sie von den Schulen ihrer Töchter informiert worden sei, dass ab Montag nach wie vor (weiterführende Schule) oder erstmals (Grundschule) Maskenpflicht bestehe. "Das ist zwar einerseits für die Kinder eine Belastung, aber sicherlich notwendig", sagt die Wunsiedlerin.

Genauso sieht es Landrat Berek. "Ja, man hört schon manches Murren, wenn wir die Maskenpflicht weiter anordnen müssen. Aber uns geht es hier doch einzig um den Schutz und das Wohl der Kinder. Wir machen uns wirklich den ganzen Tag über einen Kopf, wie wir die Lage bestmöglich für alle Beteiligten regeln können."

Mit Hochdruck verfolgen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wie bei jedem neuen Coronafall die Infektionsketten. "Dazu gehören das konsequente Containment der Kontaktpersonen, umfangreiche Testungen und die Überwachung der Quarantäne durch unser Containment-Tracking-Team. Darüber hinaus wurden alle Kitas, Schulen, Alten- und Pflegeheime sowie die ambulanten Pflegedienste über die Überschreitung des Signalwerts informiert und für das Thema sensibilisiert", teilt das Landratsamt mit. Mittlerweile sind einige Mitarbeiter des sogenannten CT-Teams von der Fichtelgebirgshalle (hier ist die Abteilung bislang "stationiert") in einen Besprechungsraum neben dem Gesundheitsamt umgezogen, damit sich die Kollegen besser austauschen können. Die Pressesprecherin des Landratsamts, Anke Rieß-Fähnrich, sagte auf Nachfrage, dass die Kollegen unter anderem täglich telefonischen Kontakt zu den sich in Quarantäne befindenden Menschen halten. "Sie erkundigen sich, wie es geht, ob Symptome aufgetreten sind, und achten natürlich auch darauf, dass sich die Betreffenden an die Quarantänepflicht halten."

Die Mitglieder des Krisenstabs beraten, wie sie einen weiteren Anstieg der Fallzahlen begegnen können, um ein Überschreiten des nächsten Signalwerts zu verhindern. Dieser wäre ab 50 Fälle pro 100 000 Einwohner erreicht. Sollte es so weit kommen, könnten, wie im Landkreis Kulmbach, weiter reichende Regelungen notwendig sein, die das Landratsamt verfügen kann. Auf die Frage, welche das sein können, sagte Berek, dass sich zum Beispiel die Zahl der Personen verringern würde, die sich treffen dürfen. Fünf Personen seien hier denkbar. Allerdings ist noch nichts spruchreif. "Wir müssen sehen, wie sich die Lage entwickelt."

Eine inhomogene Lage wie im Landkreis Wunsiedel ist organisatorisch komplizierter als ein homogener Hotspot, der wiederum epidemiologisch gravierender sei. So beschränkte sich kürzlich in Rehau zum Beispiel eine Corona-Welle auf eine Bevölkerungsgruppe, die anschließend geschlossen in Quarantäne geschickt worden ist.

Sorgen bereitet dem Landrat das Explodieren der Corona-Fallzahlen in Tschechien. "Das ist für uns eine große Herausforderung, da viele Pendler aus dem Nachbarland in sensiblen Bereichen wie Seniorenheimen arbeiten. Da müssen wir die Lage umso genauer beobachten."

Momentan sind die Seniorenheime im Landkreis coronafrei. "Ich danke allen Mitarbeitern, Bewohnern und Verantwortlichen für ihre Disziplin", sagt Berek. Trotz der unsicheren Pandemie-Lage freut er sich, dass im Landkreis alle an einem Strang zögen und sich gegenseitig unterstützten. So arbeiteten im CT-Team auch BRK-Mitarbeiter mit, wenn Bedarf sei. "Auch wenn ich im THW oder bei anderen Organisationen anrufe, erhalte ich immer stets Hilfe. Das gibt einem schon eine gewisse Sicherheit." Dies sei auch notwendig, um die Menschen zu schützen. "Manchmal muss man eben einen Schritt zurückgehen, um langfristig sicher voranzukommen."

Einen regelrechten Hotspot, der um einiges größer als der des berühmt-berüchtigten Mitterteicher Starkbierfestes war, hat eine Frau aus Marktredwitz ausgemacht, die sich bei der Frankenpost gemeldet hat. "Ich habe mit meinem Freund am 23. August das Flugfest in Eger besucht. Leider waren wir beide regelrechte Exoten, da sonst so gut wie kein Besucher eine Maske trug." Dies sei damals in Tschechien allerdings keine Pflicht gewesen, auch wenn sich viele tausend Menschen bei der Flugschau an den Verpflegungsständen und Toiletten gedrängt und keinen Abstand eingehalten hätten. Sie befürchtet, dass sich hier viele Menschen angesteckt haben könnten. "Ich sah etliche Kennzeichen aus der Region. Mir war sehr mulmig zumute, daher sind wir weit abseits gestanden."

—————

Landrat Peter Berek bittet die Bürger, sich weiterhin an die AHA-Regeln zu halten: Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen. "Diese Regel hat sich als wirksames Instrument zur Eindämmung der Pandemie bewährt.

Autor

Matthias Bäumler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
18. 09. 2020
12:45 Uhr

Aktualisiert am:
18. 09. 2020
19:02 Uhr

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Matthias Bäumler

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18. 09. 2020
12:45 Uhr

Aktualisiert am:
18. 09. 2020
19:02 Uhr