Fichtelgebirge

Lockdown dämpft die Tourismus-Entwicklung

53 Prozent weniger Gäste als 2019 besuchen in der ersten Hälfte dieses Jahres den Kreis Wunsiedel. Vor weiteren Folgen warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.



Frühjahrs-Flaute herrschte auch im Schönbrunner "Bräustüberl": Statt hier miteinander anzustoßen und sich ein gutes Essen schmecken zu lassen, mussten die Kunden sich ihr Essen mit nach Hause nehmen. Dies spiegelt sich nun in der Statistik wider: Nur gut halb so viele Gäste wie im Vorjahr zählten Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe im Fichtelgebirge in den ersten sechs Monaten des Corona-Jahres 2020. Fotos: Archiv Florian Miedl
Frühjahrs-Flaute herrschte auch im Schönbrunner "Bräustüberl": Statt hier miteinander anzustoßen und sich ein gutes Essen schmecken zu lassen, mussten die Kunden sich ihr Essen mit nach Hause nehmen. Dies spiegelt sich nun in der Statistik wider: Nur gut halb so viele Gäste wie im Vorjahr zählten Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe im Fichtelgebirge in den ersten sechs Monaten des Corona-Jahres 2020. Fotos: Archiv Florian Miedl   » zu den Bildern

Kreis Wunsiedel - Corona sorgt für einen großen Einbruch im Tourismus-Geschäft: Im ersten Halbjahr 2020 hätten rund 31 900 Gäste den Landkreis Wunsiedel besucht - 53 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes.

Weiterbildung ist aktuell kein Thema

Die Gewerkschaft NGG appelliert an die Unternehmen, die Kurzarbeit für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen. "Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit zu einer beruflichen Weiterbildung bekommen", fordert NGG-Geschäftsführer Michael Grundl. Das sei ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel in Hotels und Restaurants: Beschäftigte könnten einen Schritt auf der Karriereleiter schaffen sowie sich für die Digitalisierung fit machen.

Anpassungs-Qualifizierungen und Weiterbildungen bietet die Agentur für Arbeit schon länger an, sagt Andrea Bachmann-Jung, zuständig für Hochfranken. "Das sind wunderschöne, aber langfristige Angebote. Hoppla-hopp auf Knopfdruck geht es in der Regel leider nicht." In der aktuellen Corona-Zeit planten die Betriebe sehr kurzfristig, zumal viele die Kurzarbeit gerade minimierten oder beendeten. Doch um staatliche Zuschüsse zu bekommen, seien oft hohe Stundenzahlen nötig - etwa 160 Unterrichtseinheiten für eine Anpassungs-Qualifizierung. So langfristig wollten sich in der schwierigen Pandemie-Phase nur wenige Arbeitgeber wie Arbeitnehmer binden, erklärt Bachmann-Jung. Gerade in der Gastronomie seien jetzt viele froh, dass "endlich wieder was geht".

Das bestätigte Raik Eilert, Direktor des Weißenstädter Kurzentrums. Die Gäste seien zurückgekehrt, das Hotel wieder ausgebucht. Alle notwendigen Qualifizierungen liefen selbstverständlich weiter - online, soweit möglich. Eilert: "Ich schicke jetzt bestimmt keinen Mitarbeiter nach München. Denn ich brauche ihn hier im Hotel und habe weder Interesse daran, dass er nach dem Kurs in Quarantäne muss noch will ich mir das Virus hier ins Haus holen." Brigitte Gschwendtner

 

Die Zahl der Übernachtungen von Januar bis Juni sank im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent auf etwa 88 000. "Die Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Gastwirtschaften, Biergärten und Restaurants über viele Wochen ganz zusperren. Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an", sagt Michael Grundl, Geschäftsführer der NGG-Region Oberfranken.

 

Unter der Situation litten aber nicht nur die Unternehmen. "Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen - in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt", betont Grundl. Nach dieser "Durststrecke" blickten viele Beschäftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge rund 1 400 Menschen.

Immerhin habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können. Dank staatlicher Hilfen sei eine Pleitewelle im Gastgewerbe ausgeblieben. Die Gewerkschaften hätten durchgesetzt, dass das Kurzarbeitergeld bis Ende nächsten Jahres verlängert werde. "So kommen Beschäftigte und Betriebe besser durch diese schwere Zeit", sagt Grundl. Entscheidend sei zudem, dass die Leistung nach sieben Monaten auf 80 Prozent des Nettoverdienstes (für Eltern 87 Prozent) ansteige. "Am Ende steht fest: Jeder Kurzarbeiter ist ein möglicher Arbeitsloser weniger." red

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Veröffentlicht am:
21. 09. 2020
16:24 Uhr

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21. 09. 2020
16:24 Uhr