Fichtelgebirge

7203 Unterschriften für Selber Klinikum

Christian Pich übergibt am Dienstag eine dicke Mappe an Landrat Peter Berek. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums sagt, dass sich die Selber keine Sorgen um den Standort machen müssen.



Genau 7203 Bürgerinnen und Bürger stehen mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Selber Krankenhauses ein. Die gesammelten Unterschriften übergab Initiator Christian Pich (rechts) am Dienstagnachmittag an Landrat Peter Berek, der Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist. Foto: Florian Miedl
Genau 7203 Bürgerinnen und Bürger stehen mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Selber Krankenhauses ein. Die gesammelten Unterschriften übergab Initiator Christian Pich (rechts) am Dienstagnachmittag an Landrat Peter Berek, der Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist. Foto: Florian Miedl  

Selb/Wunsiedel - Welch großen Rückhalt das Selber Klinikum in der Bevölkerung hat, beweist die Unterschriftensammlung von Christian Pich eindrucksvoll. Der Stadtrat der Aktiven Bürger kämpft seit dem 25. September mit einer Online-Petition und mit Unterschriftenlisten für den Erhalt des Hauses Selb im Klinikum Fichtelgebirge. Die beeindruckende Bilanz nach dreieinhalb Wochen: 7203 Selberinnen und Selber sowie viele Bürger aus umliegenden Gemeinden haben unterschrieben - rein rechnerisch halb Selb. Am Dienstagnachmittag überreichte Pich die Listen im Landratsamt an Landrat Peter Berek, den Aufsichtsratsvorsitzenden des Klinikums. Die Forderungen sind klar: Das Haus Selb soll erhalten bleiben - und das mit einer Notaufnahme, einer Chirurgie, einer Inneren Abteilung und einem Durchgangsarzt. Kurz gesagt: Das Haus Selb soll wieder so werden wie vor der Corona-Pandemie.

Landrat Berek sagte, die Unterschriften seien ein Zeichen, wie sehr sich die Bürger mit der Einrichtung identifizierten. Und die Unterschriftensammlung sei auch gelebte Demokratie. Berek gratulierte Pich zu dem "wahnsinnig guten" Ergebnis der Aktion und zollte ihm Respekt.

"Für den Erhalt des Hauses Selb kämpfen wir alle. Aber wir müssen sehen, wie es dann im Detail wird", sagte Berek weiter. Zu einem möglichen Konzept der Häuser sagte der Landrat, dass man in der Sitzung des Aufsichtsrates am 26. Oktober über verschiedene Varianten sprechen werde. "Der Aufsichtsrat muss aber auch Zeit haben zu diskutieren." Auch könne man sich nicht einfach wünschen, was man wolle, dem stünden die Vorgaben des Gesetzgebers und andere Rahmenbedingungen entgegen. Wie Berek ankündigte, wird bei den Gesprächen auch ein externer Berater der Bayerischen Krankenhausgesellschaft dabei sein.

Berek wiederholte aber seine Aussage, dass sich die Selber keine Sorgen um den Standort machen müssen. Das Klinikum Fichtelgebirge sei ein Haus, das man schon aufgrund der Bettenzahl brauche, wie es ist.

Auf die Frage, ob alle verlagerten Abteilungen wieder zurück nach Selb kommen, sagte Berek, dass dies die aktuelle Beschlusslage sei. Die Details werde man diskutieren, aber: "Ohne das Haus Selb geht es nicht." Angesichts der Corona-Lage sei er froh, dass das Klinikum zwei Standorte habe.

Sehr zufrieden zeigte sich Christian Pich: "Mit einem solchen Ergebnis habe ich nicht gerechnet." Die Übergabe der Unterschriften sei ein wichtiges Zeichen, um dem Landrat zu verdeutlichen, wie viele Selber hinter dem Klinikum stehen.

Während der Aktion habe sich gezeigt, dass eine reine Online-Sammlung nicht ausreiche. "Die Nachfrage nach Listen war enorm groß." An 50 bis 60 Stellen in Selb sowie in anderen Städten und Gemeinden habe man Unterschriften gesammelt, "und es gab immer wieder Bitten um weitere Listen".

In einem Schreiben an den Landrat macht Pich deutlich, dass man angesichts der Corona-Pandemie den Abzug der Fachabteilungen aus dem Haus Selb in das Haus Marktredwitz geduldet habe, um die Intensiv-Versorgung von Infizierten in Selb zu ermöglichen.

Inzwischen verfolge die Bevölkerung mit Besorgnis die Entwicklung um das Krankenhaus in Selb. In dem Schreiben wirft Pich den Verantwortlichen vor, sie versuchten den Bürgerinnen und Bürgern vorzugaukeln, dass alles gut sei und man die Ausrichtung im Griff habe. Alarmierend sei für ihn die öffentliche Stadtratssitzung im Juli gewesen. Der Vortrag von Geschäftsführer Martin Schmid habe den Eindruck von Ratlosigkeit, Handlungsunfähigkeit und Hilflosigkeit vermittelt.

Zu der Petition habe er sich nach dem Treffen Schmids mit Vertretern des Selber Firmennetzwerkes entschieden. Die 7203 Stimmen - 4555 online und 2648 in Listen gesammelt - zeigten deutlich die Ängste und Nöte der Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf die Entwicklung des Selber Krankenhauses.

"Daher hoffe ich auf und appelliere an Ihr politisches Geschick, Ihre Erfahrung und Ihr Einfühlungsvermögen, nach Ablauf der Allgemeinverfügung des Freistaates Bayern das rückgängig zu machen, was dringend rückgängig zu machen ist", formuliert Pich.

"Wir fordern die bedingungslose Rückverlegung der coronabedingt aus dem Klinikum Fichtelgebirge Haus Selb ausgelagerten Abteilungen in das Haus Marktredwitz. Diese Abteilungen samt Personal müssen zurück nach Selb. Wir fordern für das Krankenhaus in Selb die Ausstattung mit Notaufnahme, Chirurgie, Innerer Abteilung und Durchgangsarzt."

Und Pich wird noch deutlicher: "Der Bestand und der Erhalt des Selber Hauses hat für die Bevölkerung, die Unternehmen und deren Belegschaften absolute und oberste Priorität." Wie Pich weiter schreibt, dürfe der Landrat versichert sein, dass er weder klein beigeben noch müde werde, sich weiter für den fachlichen sowie personellen Erhalt des Selber Krankenhauses in seiner ursprünglichen Ausstattung einzusetzen.

Zugute hält Pich dem Aufsichtsratsvorsitzenden, dass er in einem Interview in der Frankenpost bereits ein positives Signal gesendet habe, das die Bevölkerung wohlwollend aufgenommen habe. Auf die nächsten Schritte angesprochen sagte Pich: "Wir warten jetzt zunächst die Sitzung des Aufsichtsrates ab. Ich würde mir wünschen, dass der Landrat zu seinem Wort steht und die Abteilungen zurückholt."

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Andreas Godawa

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2020
18:26 Uhr

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20. 10. 2020
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