Fichtelgebirge

Qualität geht vor Schnelligkeit

Der Bau des Bike-Parks am Kornberg nimmt große Rücksicht auf seltene Pflanzen und Tiere. Jetzt hat der Zweckverband den Naturschutzverbänden die Gutachten vorgestellt.



Schon fast fertig ist das Kornberghaus im zukünftigen Bike-Park. Am Donnerstag hat der Zweckverband die naturschutzrechtliche und die artenschutzrechtliche Prüfung den Vertretern der Naturschutzverbände übergeben. Foto: Florian Miedl
Schon fast fertig ist das Kornberghaus im zukünftigen Bike-Park. Am Donnerstag hat der Zweckverband die naturschutzrechtliche und die artenschutzrechtliche Prüfung den Vertretern der Naturschutzverbände übergeben. Foto: Florian Miedl  

Selb/Rehau - Auf ein halbes Jahr hin oder her kommt es offenkundig nicht an beim Bau des Bike-Parks am Kornberg. "Qualität vor Schnelligkeit" lautet nach den Worten des Wunsiedler Landrats Peter Berek das oberste Gebot: "Es ist klug, sich Zeit zu nehmen." Qualität heißt vor allem größtmögliche Rücksichtnahme auf Pflanzen und Tiere. Wie diese aussieht, steht in zwei Schriftstücken, die der Zweckverband am Donnerstag Vertretern der Naturschutzverbände übergeben hat: die Naturschutzrechtliche oder Umweltverträglichkeits-Prüfung (UVP) und eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (SAP).

"Die Inhalte können nun in den Verbänden diskutiert werden", sagt Berek. Die Erkenntnisse daraus wolle der Zweckverband bei einem weiteren Termin im November mit Naturschützern, Bikern und auch Vertretern der Kreistagsfraktionen besprechen. "Wir arbeiten hier in einem extrem transparenten und offenen Verfahren", betonte der Wunsiedler Landrat.

Das Vorgehen skizzierte sein Hofer Kollege Dr. Oliver Bär so: "Das ,Ob‘ bei der Erschließung ist klar. Das ,Wie‘ werden wir gemeinsam diskutieren." Nach dem Gespräch im November sollen dann im Landratsamt die nächsten Schritte bei der Umsetzung festgelegt werden.

Zusammenfassend kommt das Gutachten zu folgender Einschätzung: "Unter Berücksichtigung der Vermeidungs-, Gestaltungs-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind erhebliche Beeinträchtigungen für das Schutzgut Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt nicht zu erwarten."

Die UVP befasst sich mit den Auswirkungen einer Planung auf die Gesundheit der Menschen, aber auch auf Tiere, Pflanzen, die biologische Vielfalt, Fläche und Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft sowie auf Kultur- und Sachgüter. "In unserem Fall umfasst sie über 30 Einzelmaßnahmen", berichtete Landrat Bär. Auf dem Kornberg werden Wanderer und Biker zusammentreffen. Dass weiterhin dabei jeder auf seine Art die Natur genießen kann, dafür werde eine "klare Besucherlenkung" sorgen. In Spielberg lässt die Stadt Selb derzeit einen Parkplatz bauen. Ihn wird nach Fertigstellung der Zweckverband übernehmen. Von dort sollen Shuttlebusse die Nutzer zum Kornberg bringen. Folge: Die Zahl der Autos, die den Selber Ortsteil auf einer engen Straße durchqueren, bleibt so klein wie möglich. In Zusammenarbeit mit dem FGV sowie den Fahrradvereinen soll das Netz der Qualitätswanderwege und der Bike-Strecken untersucht und in Absprache gesichert werden.

Für Tiere, Pflanzen, ganz allgemein die biologische Vielfalt, entstehen laut UVP kleinere Ausgleichsflächen: Für Wildkatze, Luchs, Wolf, Auerhuhn und Schwarzstorch werden die Planer des Bike-Parks eigens ein etwa 1000 Hektar großes Wildschutzgebiet ausweisen. An den Trails werden Baumschutzzäune aufgestellt und an den Hängen der Boden so gegen Erosion geschützt, dass danach keinerlei weitere Schäden entstehen. Stefan Krippendorf, bei dem im Landratsamt Hof die Planungen zusammenlaufen, nennt ein weiteres Beispiel für den Schutz spezieller Arten: "Die Arnikabestände auf der rechten Skipiste werden selbstverständlich nicht angetastet."

Besonders schützenswerte Arten wie eben diese stehen im Mittelpunkt der SAP. Sie schreibt den Planern unter anderem folgende Ausgleichsmaßnahmen vor: "Fledermausbretter", Nisthilfen und Nistkästen für Spechte und Eulen, Ausweich- und Ersatzlebensräume für die Zauneidechse sowie besagtes Wildschutzgebiet.

"Die Gutachten zeigen, dass touristische Nutzung und Naturverträglichkeit einander nicht ausschließen", stellt Landrat Peter Berek fest - sofern ein schlüssiges Konzept auch konsequent umgesetzt werde. So wie es der Zweckverband für den Bike-Park nun trotz allen Aufwandes tun wird. "Die Natur unseres Fichtelgebirges ist unser aller Schatz, den es zu schützen, aber auch zu genießen gilt." Für Bereks Kollegen Oliver Bär ist die Präsentation und Übergabe der Dokumente "ein weiterer wichtiger Schritt" beim Bau des Bike-Parks.

Wie bereits mehrfach berichtet, planen die beiden Landkreise, vertreten durch einen Zweckverband, im Bereich des 827 Meter hohen Kornberges den Ausbau der dortigen touristischen Infrastruktur. Das neue Kornberghaus ist nahezu fertiggestellt. In seinem Umfeld sind geplant: ein pädagogischer Bewegungspark als Abenteuerspielplatz, ein Mountainbike-Park mit Lernparcours, ein "Zauberteppich" als Ersatz für den bestehende Kinderlift und ein neues Unterstellgebäude.

Die Trails des Bike-Parks werden sich entlang der bestehenden Pisten ziehen. Einige Arbeiten dafür hatten sich die Planer im Frühsommer schon für dieses Jahr erhofft. Von Verzögerung will aber Stefan Krippendorf nicht sprechen angesichts eines "langen, schwierigen Prozesses".

Fast fertig und damit im Zeitplan ist in jedem Fall der Bau des Kanals zum Kornberghaus. Das soll er in der kommenden Woche erreichen. "Als Bau soll es Ende 2020/Anfang 2021 fertig werden", erläutert Landrat Bär. Was noch fehlt, ist zum einen eine Leitung nach Spielberg. Gebaut werden muss zum anderen noch ein Pumpwerk zur Kanal-Anlage.

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Wolfgang Neidhardt
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Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
15:44 Uhr

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Wolfgang Neidhardt

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22. 10. 2020
15:44 Uhr