Hof

Erneuter Bombenfund in Hof: Der Blindgänger ist entschärft

Im Hofer Baugebiet "Rosenbühl" ist erneut am Freitagmorgen wieder eine Bombe gefunden worden. Anwohner mussten noch einmal ihre Häuser verlassen. Das Schulzentrum wurde evakuiert. Freitagmittag wurde die Bombe erfolgreich entschärft.



Erneuter Bombenfund in Hof Hof
Erneuter Bombenfund in Hof - die Bombe ist entschärft   Foto: Uwe von Dorn » zu den Bildern

Hof - Das Rascheln der Vögel in akkurat gepflanzten Hecken. Die Motorengeräusche von der Ossecker Straße. Und der Wind. Mehr Geräusch dringt am Freitagmittag nicht durch die kühl-feuchte Oktoberluft. In der Carl-Orff-Straße am Hofer Rosenbühl starren tristgraue Einfamilienhaus-Fenster in den Tag. Die Bewohner sind in der Arbeit - oder evakuiert. Es ist bereits die Ruhe nach dem Sturm: Vor wenigen Minuten haben Spezialisten nur wenige Meter weiter, im entstehenden Baugebiet, eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Schon wieder.

23.10.2020 - Erneuter Bombenfund - Schüler evakuiert - Foto: Uwe von Dorn

Erneuter Bombenfund in Hof Hof
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Erneuter Bombenfund in Hof Hof
Erneuter Bombenfund in Hof Hof

Denn, wie berichtet, wurden in der vergangenen Woche bereits drei Blindgänger in dem Baugebiet, das die Stadt Hof momentan erschließt, erfolgreich entschärft. Zuvor waren bereits im Juni und Anfang des Monats alte Bomben gefunden worden.

Am Freitag gegen 8.30 Uhr hatten Bauarbeiter nun erneut eine Bombe entdeckt. Wie Heiko Mettke, Pressesprecher der Polizei-Inspektion Hof, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, begann bereits um 10.30 Uhr die Evakuierung. Etwa 50 bis 60 Anwohner der Carl-Orff-Straße, die direkt an das Neubaugebiet am Rosenbühl grenzt, und zum Teil auch aus der Verdistraße mussten am Freitagvormittag ihre Häuser verlassen. Betroffen waren etwa 25 bis 30 Gebäude. Darauf, eine Notunterkunft einzurichten, haben die Einsatzkräfte diesmal verzichtet - schon wegen der nur geringen Zahl evakuierter Menschen. Der Erfahrung nach nehme dieses Angebot ohnehin kaum jemand in Anspruch.

Die Bombe wurde gegen 12.25 Uhr erfolgreich und ohne Komplikationen entschärft. In diesem Moment hat die Polizei die Entwarnung vom Spreng-Team erhalten. Für den Einsatz hatten die Spezialisten nur etwa 30 Minuten gebraucht.

Der Evakuierungsradius sei diesmal zwar nicht so groß wie beim letzten Mal, sagt Mettke. Dennoch musste das komplette Schulzentrum, also Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium und Johann-Georg-August-Wirth-Realschule, geräumt werden. Die etwa 1300 Schüler und Lehrer wurden ins Ossecker Stadion gebracht. Mettke weist ausdrücklich darauf hin, dass alle Kinder dort in Sicherheit seien.

Durch das Stadion dringt am Freitagvormittag Stimmengewirr. Im oberen Teil versammeln sich die Kinder und Jugendlichen des Gymnasiums, unten die der Realschule. Die Schüler klingen vergnügt, und - freilich - auch ein wenig aufgeregt. Sie unterhalten sich munter mit ihren Schulkameraden, toben umher - natürlich mit Mund-Nasen-Schutz und unter den gestrengen Blicken der Lehrer, die so manchen ihrer Schüler in die Schranken weisen müssen. "Oh, meine Nerven", sagt eine Lehrerin zur anderen. Es herrscht Wandertags-Stimmung. Eine Gruppe von Jungen hat zufällig Uno-Karten dabei und vertreibt sich die Zeit beim Spiel. "Wenigstens haben wir jetzt kein Deutsch", merkt einer von ihnen schmunzelnd an.

Etwas anders sieht das natürlich der stellvertretende Schulleiter der Realschule, Benjamin Reuther. "Bei der Evakuierung lief alles gut", berichtet er, obgleich in so einem Fall wenig Zeit bleibe, um alles zu koordinieren. Die Polizei habe das Kollegium nach Kräften unterstützt. Auch auf Gerüchte in den sozialen Medien, dass die Schüler im Stadion in akuter Gefahr seien, galt es vonseiten der Schule zu reagieren. Nachmittagsunterricht musste wegen der Evakuierung nicht ausfallen: Am Freitag ist ab 13 Uhr Schulschluss.

Ein Referendar der Realschule dürfte über die Evakuierung am heftigsten geflucht haben: Als die Nachricht von der erneuten Evakuierung die Schule erreichte, hielt er gerade seine Lehrprobe ab. Eine Prüfungskommission war dafür extra vier Stunden angereist - und hätte beinahe unverrichteter Dinge wieder abreisen müssen. "Zum Glück konnten wir uns mit der Polizei darauf verständigen, dass wir die Lehrprobe noch zu Ende bringen und erst nach der vierten Stunde das Schulhaus verlassen durften", sagt Reuther.

Die evakuierten Schüler aus dem Schulzentrum Rosenbühl verließen wenige Minuten nach der Entwarnung um 12.25 Uhr geordnet das Ossecker Stadion in Richtung Schule. Auch die Anwohner durften zurück in ihre Häuser.

Die inmitten des entstehenden Baugebiets gefundene, etwa 50 Kilogramm schwere Bombe war in gutem Zustand, also kaum oxidiert, was die Entschärfung erleichtert. Vom Hofer Tiefbauamt weiß Polizeisprecher Heiko Mettke, dass der Fund dieses Sprengkörpers im Gegensatz zu den Malen zuvor nicht absehbar war: Auf alten Luftbildern sei kein auffälliger Krater zu sehen gewesen. Der Sprengkörper sei wohl zusammen mit anderen Bomben abgeworfen, durch deren Sprengkraft davon geschleudert und verschüttet worden.

Die Entschärfung sei "ohne Komplikationen" verlaufen, berichten Sprengmeister Tobias Oelsner aus Selb und seine Kollegin Bettina Jurga auf Nachfrage unserer Zeitung. Sie stehen dabei vor dem Kleintransporter ihres Arbeitgebers, der Firma Tauber, die das bayerische Innenministerium exklusiv mit der Räumung von Kampfmitteln im gesamten Freistaat betraut hat. Darin ist die Bombe bereits sicher verstaut und angegurtet. "Die Kopfschraube war etwas tricky, denn sie war verkrustet. Wir mussten sie erst reinigen. Aber der Heckzünder ging gut raus", berichtet Jurga. Die beiden waren, wie berichtet, bereits bei den vorherigen Blindgänger-Funden am Rosenbühl im Einsatz. Anfahren müssen sie dafür aus Nürnberg, wo die Firma Tauber eine Niederlassung hat. Dort sind vier Spreng-Teams ansässig. "Zusammen sind wir Team 1041 - steht sogar auf unserer Dienstkleidung", betont Bettina Jurga. Aus Stimme und Miene spricht dabei der Stolz. Denn: "Was wir tun, ist immer Teamarbeit!"

Bei den Blindgängern am Rosenbühl handelte es sich bislang stets um Bomben mit mechanischem Zünder, von denen, solange sie unberührt im Boden liegen, wenig Gefahr ausgeht. Bei der Berührung etwa durch eine Baggerschaufel, wie sie etwa bei der Erschließung des Neubaugebiets prinzipiell möglich ist, könne es hingegen kritisch werden, erklärt Sprengmeister Oelsner auf Nachfrage. Deutlich gefährlicher wären Bomben mit chemischem Langzeitzünder. Sie entzünden sich manchmal auch von selbst, ohne Einwirkung von außen. Dass es solche Bomben auch am Rosenbühl geben könnte, ist nicht ausgeschlossen. Wo genau die Alliierten im Zweiten Weltkrieg welche Bomben abwarfen, lässt sich nicht rekonstruieren. Manchmal komme es vor, dass an einer Stelle beide Arten von Bomben zu finden seien, erklärt der Sprengmeister. "Bei einer Bombe mit Langzeitzünder würde der Evakuierungsradius 1000 Meter betragen."

Das Neubaugebiet Rosenbühl liegt, wie berichtet, in der damaligen Einflugschneise der alliierten Bomberpiloten im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund ihrer verkehrstechnischen Bedeutung im Zweiten Weltkrieg waren der Hofer Hauptbahnhof, der Bahnhof Neuhof und die Unterkotzauer Eisenbahnbrücke im Frühjahr 1945 immer wieder Ziel von Bombenangriffen.

Autor
Nico Schwappacher

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2020
10:48 Uhr

Aktualisiert am:
23. 10. 2020
19:59 Uhr

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Nico Schwappacher

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23. 10. 2020
10:48 Uhr

Aktualisiert am:
23. 10. 2020
19:59 Uhr