Hof

Und plötzlich war sie offen

In Ullitz ging vor 30 Jahren die Grenze auf. Zeitzeugen erinnern sich an einen Tag, den viele erhofft hatten.



Albrecht Gemeinhardt war der Erste, der nach dem Mauerfall mit seinem Trabi über den Grenzübergang Ullitz fuhr. Im Bild hinter ihm der Landrat Vogtlandkreises, Rolf Keil, und der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär.
Albrecht Gemeinhardt war der Erste, der nach dem Mauerfall mit seinem Trabi über den Grenzübergang Ullitz fuhr. Im Bild hinter ihm der Landrat Vogtlandkreises, Rolf Keil, und der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär.   Foto: Uwe von Dorn

Ullitz/Hof - "Einigkeit und Recht und Freiheit. Es geht genau um diese drei Punkte. Was kann es denn Größeres und Wichtigeres für ein Volk geben? Wir sind geeint, in einem Land, das ein Rechtsstaat ist. Und wir haben die Freiheit. Dafür sind die Bürger der ehemaligen DDR auf die Straße gegangen, und wir können heute froh sein, dass wir das für unser Vaterland erleben dürfen." Mit diesen Worten hat Landrat Oliver Bär am Dienstag in Ullitz der ersten Grenzöffnung vor 30 Jahren in der Region gedacht.

Drei Tage nach dem Fall der Mauer in Berlin fiel am Vormittag des 12. November 1989 auch zwischen dem Vogtland und Oberfranken der Eiserne Vorhang. An der B 173 bei Ullitz wurde das erste Tor der Freiheit geöffnet. Viele, die 1989 dabei waren, kamen auch diesmal wieder an den historischen Ort.

"Wir durften ja damals nur bis zum Schlagbaum und noch kein DDR-Gebiet betreten", erinnert sich Heinz Strobel. Er ist einer der insgesamt sechs Ullitzer, die die Grenzöffnung vor 30 Jahren noch miterlebt haben. Im Buch "Hof - Das Tor zur Freiheit" von Alfred Eiber, der ebenfalls zur Gedenkstunde kam, steht dazu geschrieben: "Dann schauten wir auf das Loch im Zaun und warteten auf den ersten Trabi."

12.11.2019 - Mauerjubiläum in Ullitz - Foto: Uwe von Dorn

Mauerjubiläum in Ullitz Ullitz
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Rolf Keil, Landrat des Vogtlandkreises, und Oliver Bär reichten sich nun am historischen Ort symbolisch die Hand. Bürgermeister aus dem Vogtland und Oberfranken taten es ihnen gleich. Auch die Protagonisten des Jahres 1989, Altbürgermeister Karl Becher aus Trogen und Albrecht Gemeinhardt, der erste Trabifahrer, der damals die Grenze durchfuhr, reichten sich noch einmal herzlich die Hand.

Um 9.34 Uhr hatte Albrecht Gemeinhardt aus Sachsgrün vor 30 Jahren mit seinem 15-jährigen Sohn als Erster in seinem beigen Trabi mit blauem Dach, in dem er auch diesmal gefahren kam, den Grenzzaun durchquert. Für die Durchfahrt war extra das Teilstück, das auf der B 173 stand, entfernt worden. Die Straße glich 1989 allerdings mehr einem überwucherten Feldweg, wie alte Fotos zeigen.

"Wir wollten am Morgen des 12. November 1989 unseren Stempel in Plauen holen, um in den Westen fahren zu können. Das hat es dann aber gar nicht mehr gebraucht", erinnert sich der 80-Jährige. An der Wiedersberger Kreuzung, dem heutigen Abzweig Wiedersberg von der B 173, hätten ihn Leute aufmerksam gemacht, dass die Grenze geöffnet wird. "Ich hab gesagt: Das gibt’s doch nicht. Ich bin dann hinaufgefahren. Die Grenzer kannten wir ja und habe gefragt, ob aufgemacht wird", erinnert sich Gemeinhardt. Als dies bejaht wurde, wollte der Sachsgrüner nur noch wissen, wie lange das dauert. Die Antwort: Zwei Stunden. "Dann bin ich nach Hause gefahren, habe vielen noch Bescheid gesagt und Blumen geholt." Dieses Sträußchen reichte er im historischen Augenblick an den damaligen Trogener Bürgermeister Karl Becher. Der hatte, so erinnert sich Gemeinhardt, seinerseits eine Flasche Sekt dabei.

Wo einst Zäune und Grenzhäuschen standen, das mussten sich jüngere Besucher nun erklären lassen. Kaum vorstellbar war, dass die gut ausgebaute und stark befahrene B 173 zwischen Plauen und Hof einst einem Feldweg glich. Der ehemalige Grenzstreifen indes ist heute ein "Grünes Band". Genau dort enthüllten die beiden Landräte nun eine Tafel, auf der die Bedeutung, Entwicklung und Pflege dieses Gebietes geschildert wird. Außerdem stifteten sie eine Bank, von der man über die B173 weit ins bayerisch-vogtländische Grenzland blicken kann.

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Kathrin Beier
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Veröffentlicht am:
13. 11. 2019
19:50 Uhr

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Kathrin Beier

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Veröffentlicht am:
13. 11. 2019
19:50 Uhr