Hof

Viele geben trotz Tempo 30 nochmal Gas

Eine Geschwindigkeitsmessung in der Nailaer Straße in Hof ergibt Erschreckendes: Nur 16 Prozent der Autofahrer halten sich ans Tempolimit; der Spitzenreiter fährt 105.



Ein Auszug aus den Geschwindigkeitsmessungen in der Nailaer Straße: Zwar bremsen viele von 40 auf 30, doch beschleunigen auch einige noch.
Ein Auszug aus den Geschwindigkeitsmessungen in der Nailaer Straße: Zwar bremsen viele von 40 auf 30, doch beschleunigen auch einige noch.  

 

Hof - An Wochenenden fahren die meisten Verkehrsteilnehmer mit 56 Stundenkilometern durch die Nailaer Straße in Hof. Werktags in den späten Nachmittags- und den Abendstunden sind sie mit 54 Kilometern unterwegs, von morgens halb sieben bis nachmittags um halb fünf mit 52 "Sachen". So weit, so normal? Nein: Denn werktags zwischen 6.30 und 16.30 Uhr gilt seit einigen Wochen "Tempo 30" im Abschnitt vor der Kita St. Konrad - es müsste also durchschnittlich 20 Stundenkilometer langsamer gefahren werden. Das interessiert nur kaum jemanden: Geschwindigkeitsmessungen der Stadt Hof haben sehr eindeutige Ergebnisse zutage gefördert. Umso mehr sehen sich die Verantwortlichen in einer ihrer jüngsten Entscheidungen bestätigt.

Auf Antrag 30

Vor Kitas werden nun, wo noch nicht geschehen, generell Tempo-30-Schilder angebracht. Schulen, die das wünschen, sollten sich bei der Stadt melden. Zum Thema hatte im Juli, wie berichtet, Grünen-Stadtrat Dr. Klaus Schrader einen Antrag gestellt.

 

Bis Jahresende gilt, wie kurz berichtet, vor allen Kindertagesstätten im Hofer Stadtgebiet "Tempo 30". Die Schilder hängen bereits vor dem TPZ am Lindenbühl sowie vor den Kitas in der Oelsnitzer Straße, im Birkenweg, am Theresienstein und eben in der Nailaer Straße. Der Rest wird in den nächsten Wochen folgen. Als Nächstes wird sich die Stadt im kommenden Jahr daranmachen, das Tempolimit auch vor den Schulen auszuweisen, die das wünschen, sowie vor Alten- und Pflegeheimen. "Grund dafür ist eine Änderung in der Straßenverkehrsordnung: Der Gesetzgeber ermöglicht uns das jetzt, zuvor war es von sehr aufwendigen Prüfungen abhängig", erklärt Bürgermeister Eberhard Siller. Im Gespräch versucht er, seinen grundsätzlichen Glauben an das Gute im Autofahrer hervorzuheben - auch, wenn er dabei Zahlen präsentiert, die zumindest daran zweifeln lassen.

 

Vor den Kindertagesstätten in der Oelsnitzer und eben der Nailaer Straße hatte die Stadt Hof im September/Oktober Geschwindigkeitsmesstafeln angebracht. Die zeigten nicht nur den Verkehrsteilnehmern, wie schnell sie unterwegs sind, sie erfassten jeweils über einen zweiwöchigen Zeitraum auch alle Geschwindigkeiten und Tempo-Entwicklungen. Das Beispiel Nailaer Straße zeigt dabei deutlich, wie wenig Beachtung die Verkehrsteilnehmer dem Tempo-30-Schild schenken.

Im Messzeitraum vom 25. September bis zum 4. Oktober hat die Tafel gut 26 000 Verkehrsbewegungen wahrgenommen. 18 500 davon an Wochenenden oder in den Abendstunden, wenn weiterhin Tempo 50 gilt, und 7635 während der Zeitspanne, in der die Verkehrsteilnehmer auf 30 herunterbremsen müssten. Die Auswertung der Statistik zeigt: 84 Prozent der Fahrer ignorieren Tempo 30. Die Tafeln haben immer sowohl die Geschwindigkeit bei der Einfahrt in den Messbereich als auch bei der Ausfahrt aus jenem gemessen. Fazit: Zwar bremst das Gros der Fahrer, die mit 50 in die Messstelle einfahren, ab; doch kommen auch viel mehr Fahrer mit Tempo 40 aus der Messstrecke heraus, als hineingefahren sind. "Wir gehen davon aus, dass manch einer mit Sicht auf die grüne Ampel weiter vorn noch einmal beschleunigt", sagt Matthias Wilfert von der Verkehrsaufsicht.

Der einsame Spitzenreiter ist mit 105 Sachen durch die Messstelle gerast, das Gros der Fahrzeuge (laut Verkehrsrecht werden dafür 85 Prozent der Bewegungen zugrundegelegt) ist mit 52 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Aus Sicht der Verantwortlichen in der Stadtverwaltung ist das irgendwie sogar eine Leistung: Schließlich hatten sie, unter anderem durch eine Anordnung der Parkplätze quer zur Fahrbahn, dafür gesorgt, dass die Straße nicht mehr so sehr als Rennstrecke genutzt werden kann wie zuvor.

Auch in der Oelsnitzer Straße waren die Messzahlen verheerend: 73 Prozent der Verkehrsteilnehmer missachteten das Tempolimit, der schnellste fuhr 77 Stundenkilometer. Hätte an beiden Messstellen die Polizei kontrolliert und nicht die Stadt, 161 Fahrer wären ihren Führerschein losgewesen. Das könnte allerdings bald noch kommen.

"Wir setzen zunächst auf die Vernunft der Verkehrsteilnehmer und auf einen Gewöhnungseffekt", erklärt Stadtdirektor Franz Pischel. Hof sei insgesamt eine sehr autofahrer-freundliche Stadt, was - wie vor den Kitas - nicht immer auch mit dem eigenen Anspruch an Familienfreundlichkeit einhergehe. Dennoch möchte die Stadtverwaltung als nächsten Schritt noch einmal Messtafeln anbringen, um die Verkehrsteilnehmer dafür zu sensibilisieren, mancherorts den Fuß vom Gas zu nehmen. "Wir hoffen, dass sich das dann einbürgert", sagt Bürgermeister Eberhard Siller. Falls die Messwerte der zweiten Runde allerdings ähnlich ausfielen wie die ersten, werde man sich an die Polizei wenden mit der Bitte, ebenfalls zu kontrollieren - Bußgelder oder Führerscheinentzug wären für einen Großteil der Fahrer die Folge.

Autor
Christoph Plass

Christoph Plass

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
18:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Autofahrer Bürgermeister und Oberbürgermeister Dr. Klaus Schrader Eberhard Siller Fahrer Kommunalverwaltungen Polizei Stadtdirektoren und Oberstadtdirektoren Straßenverkehrsordnung Städte Tempolimit Verkehrsrecht Verkehrsteilnehmer
Hof
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Bewohner des Alsenbergs können dank der neuen Querungshilfe sicher über die Straße gehen, auf der bisher viele Fahrzeuge mit teils hoher Geschwindigkeit zum Eisenbahndurchlass gefahren sind. Jürgen Lippert, Jürgen und Angelika Herrmann mit ihren Hunden Jonny und Kira sowie Andrea Steiner und Maria Zappatore freuen sich über die Reaktion der Stadt auf ihre Wünsche in Sachen Verkehrsicherheit im Ortsteil.	Foto: Faltenbacher

21.10.2019

Anwohner kämpfen für Verkehrssicherheit

Bewohner des Alsenbergs loben Stadtrat und Bauamt: "Es ist viel geschehen." Die Stadt hat auf dem kurzen Dienstweg geholfen. Die Initiative engagiert sich aber weiter. » mehr

Das blaue Haus an der Fabrikzeile zur blauen Stunde: Da es nicht mehr zu sanieren ist, macht es bald Platz für das Wohnungsbau-Projekt eines Berliner Investors.

21.10.2019

Wohnquartier an der Saale wächst weiter

Der Stadtrat schiebt das Projekt eines Investors an. Wohnraum für mehr als 200 Menschen soll entstehen. Nebenan steckt ein weiteres Vorhaben in der Warteschleife. » mehr

Taxi

13.12.2019

Jugendliche in Hof zahlen halben Taxi-Preis

Die Stadt probiert das Projekt "Fifty-Fifty-Taxi" aus und übernimmt nachts die Hälfte der Taxi-Gebühren für junge Leute. Damit sollen Alkoholfahrten unterbunden werden. » mehr

Hans-Jürgen Birk von der Activ-Group; unser Foto entstand im Sommer bei seinem Besuch im Hofer Stadtrat.

08.11.2019

Hof-Galerie-Investor gibt sich überzeugt

Hans-Jürgen Birk, Geschäftsführer der Activ-Group, sagt ein klares Ja zum Standort Hof. Und er hält daran fest, dass die Innenstadt die Galerie wirklich brauche. » mehr

Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner (rechts) und Andreas Rudolf von der Bahntochter Station & Service probieren das Abstellen von Fahrrädern auf der oberen Ebene der Abstellanlage aus. Fotos: Rost

27.09.2019

48 neue Stellplätze für Fahrräder

Am Hauptbahnhof haben die Stadt Hof und die Bahn eine zweistöckige Abstellanlage eröffnet. Der ADFC Hof begrüßt die Verbesserung, übt aber auch Kritik. » mehr

Neues Leben fürs Hofer Stadtbauamt? Wenn die Bauverwaltung nächstes Jahr ins neue "Technische Rathaus" zieht, prüft die Verwaltung, ob sich das Gebäude sanieren lassen würde - damit hier künftig andere Bereiche der Verwaltung einziehen könnten.	Foto: cp

26.11.2019

Mehr Hauptamtler fürs Hofer Rathaus

Zwar wird der Hofer Oberbürgermeister 2020 noch ehrenamtliche Bürgermeister an seiner Seite haben - doch die Geschäfte führen künftig Beamte. Insgesamt stockt das Haus auf. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Double Drums - die Xmas Percussion-Show Bad Steben

Double Drums - die Xmas Percussion-Show | 15.12.2019 Bad Steben
» 71 Bilder ansehen

Casanova-Deutschrap Schwingen Schwingen

Casanova-Deutschrap Schwingen | 14.12.2019 Schwingen
» 48 Bilder ansehen

Eisbären Regensburg – VER Selb 7:0 Regensburg

Eisbären Regensburg – VER Selb 7:0 | 15.12.2019 Regensburg
» 42 Bilder ansehen

Autor
Christoph Plass

Christoph Plass

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 11. 2019
18:26 Uhr