Kulmbach

Am Pflaster scheiden sich die Geister

Das Kopfsteinpflaster in der Buchbindergasse gehört zum Altstadtbild, sagt ein Teil des Stadtrats. Der andere Teil bevorzugt Asphalt, des größeren Komforts wegen.



Jetzt ist der Stadtrat komplett: Oberbürgermeister Ingo Lehmann (links) hat am Donnerstag den neuen Stadtrat Matthias Hahn (SPD) vereidigt. Matthias Hahn hatte an der konstituierenden Sitzung nicht teilnehmen können, weil er als Corona-Kontaktperson zwei Monate in häuslicher Quarantäne verbringen musste. Matthias Hahn zieht in den Stadtrat ein, nachdem Helmuth Breitenfelder auf sein Mandat verzichtet hatte. Foto: Melitta Burger
Jetzt ist der Stadtrat komplett: Oberbürgermeister Ingo Lehmann (links) hat am Donnerstag den neuen Stadtrat Matthias Hahn (SPD) vereidigt. Matthias Hahn hatte an der konstituierenden Sitzung nicht teilnehmen können, weil er als Corona-Kontaktperson zwei Monate in häuslicher Quarantäne verbringen musste. Matthias Hahn zieht in den Stadtrat ein, nachdem Helmuth Breitenfelder auf sein Mandat verzichtet hatte. Foto: Melitta Burger  

Kulmbach - CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Miachel Pfitzner hat es drastisch ausgedrückt: "Ich gebe es zu, bei uns in der Fraktion gibt es einen Riss zwischen Asphalt und Pflaster." Diesen "Riss" gibt es offenbar auch in anderen Fraktionen. Deshalb hat sich der Kulmbacher Stadtrat am Donnerstag einstimmig dafür ausgesprochen, die Sanierung der Buchbindergasse im Rahmen des Straßensanierungsprogramms zwar grundsätzlich zu beschließen, über das endgültige Verfahren aber erst in der Sitzung im Juni zu entscheiden. Soll die Buchbindergasse, von der sich alle einig sind, dass sie am Beginn der historischen Altstadt liegt, künftig weiterhin mit dem uralten Kopfsteinpflaster belegt werden, das dort jetzt auch ist oder soll es doch Asphalt sein? Eine weitere Variante wäre pflastern, aber weniger "holprig" und damit auch freundlicher für alte Menschen und auch für Radfahrer. Bei dieser Variante könne man sich am neu gestalteten EKU-Platz orienieren.

Für Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) ist die Sache klar: "Da beginnt die Altstadt. Deswegen bin ich ganz klar für das Pflaster." Das historische Stadtbild gelte es zu erhalten. Das Altstadtensemble sei schützenswert. Das gelte auch für die Straßenbeläge. Die Arbeiten jetzt baldmöglichst auszuschreiben und dann zu beginnen hielt Lehmann für eine gute Idee. Heuer gebe es keine Großveranstaltungen in der Innenstadt, auf die man Rücksicht nehmen müsse. Auch Lehmann sah, dass Kopfsteinpflaster lauter ist, wenn der Verkehr darüber fließt. Unterhalt und Reinigung seien aufwendiger, Radfahrer alles andere als erfreut, wenn sie auf Pflaster treffen. Zudem würde der jetzt vorhandene "rudimentäre" Radweg entfallen. Fahrradfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer müssten sich auf diesem nicht einmal hundert Meter langen Straßenstück die Fahrbahn teilen. Dennoch plädiere er nach Abwägung aller Argumente für den historischen Straßenbelag. "Asphalt würde dort nicht passen."

Für Jörg Kunstmann (CSU) stellt sich die Frage, ob man nicht erst einmal das Radwegekonzept abwarten soll, das die Stadt in Auftrag geeben hat. Seine Befürchtung: Wenn man dem jetzt vorgreife, müsse man möglicherweise bald wieder Änderungen vornehmen. Kunstmann mahnte auch, dass Kopfsteinpflaster für Radfahrer gefährlich sei, vor allem bei Nässe. Dem schloss sich auch Dagmar Keis-Lechner (GOL) an.

Dr. Ralf Hartnack (WGK) bekannte offen, dass in dieser Frage zei Herzen in seiner Brust schlagen. "Das Pflaster ist natürlich wunderschön, aber es hat auch Nachteile." Für Hartnack wäre es eine Überlegung wert, ob man nicht ein Pflaster ähnlich wie auf dem EKU-Platz wählt. Das würde den Radlern den Weg erleichtern.

Stadtbaudirektor Gerd Behlke bestätigte: Alles sei eine Frage der Abwägung. Es sei auch möglich, eine Fläche mit dem historischen Belag zu pflastern und einen Streifen für die Radfahrer mit einem flacheren Pflaster zu belegen. Doch dass die alten Granitsteine verschwinden, das will Behlke nicht: "Das originale Pflaster ist ein Pfund, mit dem wir wuchern sollten." Schließlich mache auch der Straßenbelag einen Teil der Attraktivität der Kulmbacher Altstadt aus.

Der Belag, den man wähle müsse sich in die Altstadt einfügen und dürfe nicht wie ein Fremdkörper wirken, machte Matthias Meußgeyer (SPD) deutlich. Für ihn ist allerdings klar, dass auf der engen Straße getrennte Bereiche jeweils für motorisierten Verkehr, Radler und Fußgänger wohl nicht machbar sein werden.

Auch Dr. Michael Pfitzner bekennt sich seinen Worten zufolge zum historischen Pflaster. Er sehe aber auch, wie seine mehr als 90 Jahre alte Mutter mit ihren Rollator Probleme hat, auf Kopfsteinpflaster voranzukommen. Auch in der Spitalgasse sei ein Teil asphaltiert. Pfitzner regte an, die Verwaltung noch einmal mit der Beschaffung von mehr Inforamtionen zu beauftragen und die Entscheidung dann endgültig erst im kommenden Monat zu fällen.

Bis dahin werde das Radwegekonzept auch nicht vorliegen, merkte OB Lehmann an. Ingo Wolfgramm von der Tiefbauabteilung der Stadt informierte, dass sich mit einem Monat Verzug die Sanierung während der Sommerferien wohl nicht mehr machen lasse.

Das nahmen am Ende alle in Kauf. Die Debatte um Granit oder Asphalt wird dann also im Juni noch einmal neu aufgelegt.

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Melitta Burger
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Veröffentlicht am:
28. 05. 2020
19:44 Uhr

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Melitta Burger

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28. 05. 2020
19:44 Uhr