Kulmbach

Auch in Corona-Zeiten viel zu tun

Dachdecker sollen mehr Geld für ihre Arbeit bekommen, fordert die IG BAU. Die Auftragsbücher seien voll, die Wartezeiten für Handwerker lang.



Mehr Geld für Dachdecker fordert die IG BAU. 100 Menschen üben im Landkreis Kulmbach nach Angaben der Gewerkschaft diesen Beruf aus. Foto: IG BAU
Mehr Geld für Dachdecker fordert die IG BAU. 100 Menschen üben im Landkreis Kulmbach nach Angaben der Gewerkschaft diesen Beruf aus. Foto: IG BAU  

Kulmbach - Krisenfestes Handwerk: Die rund 100 Dachdecker im Landkreis Kulmbach haben während der Pandemie voll durchgearbeitet, heißt es in einer Mitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Jetzt sollen die Menschen, die in diesem Beruf tätig sind, an der guten Wirtschaftslage der Branche beteiligt werden, fordert die IG BAU.

150 Jahre alt

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt feierte 2019 ihr 150-jähriges Bestehen. Sie nahm ihren Anfang im Winter 1868/69, als die Maurer und Zimmerleute beschlossen, sich gegen Ausbeutung und für bessere Arbeits- und

Lebensbedingungen zu organisieren. Heute ist sie mit rund 250 000 Mitgliedern die fünftgrößte Einzelgewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).


"Die Auftragsbücher im Dachdeckerhandwerk sind voll, die Wartezeiten für Kunden lang. Für die Beschäftigten muss sich die körperlich anstrengende Arbeit auch im Geldbeutel bemerkbar machen", sagt Gerald Nicklas, Bezirksvorsitzender der IG BAU Oberfranken. Die Gewerkschaft verlangt in der laufenden Tarifrunde ein Lohn-Plus von 4,8 Prozent, 100 Euro monatlich mehr für Auszubildende sowie die Sicherung der Zusatzrente in der jetzigen Höhe. Doch wie auch in anderen Branchen derzeit übliche Praxis, reagieren die Arbeitgeber verhalten. Bislang hätten die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt, kritisiert Carsten Burckhardt vom IG BAU-Bundesvorstand, der die Verhandlungen führt: "Geht es nach den Unternehmen, sollen sich die Beschäftigten mit einer Nullrunde begnügen. Das ist eine Unverschämtheit - ebenso wie die Forderung nach Einschnitten bei der tariflichen Zusatzrente. Nur die allerwenigsten Dachdecker halten bis zum gesetzlichen Rentenalter durch. Und dann liegen die Bezüge oft deutlich unter 1000 Euro. Deshalb ist eine Extra-Rente so wichtig. Hier darf den Beschäftigten nicht in die Tasche gegriffen werden - weder bei den künftigen Rentnern noch bei denen, die heute schon im Ruhestand sind", so Burckhardt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Umsätze in der Dachdeckerei und Bauspenglerei in der ersten, von der Pandemie geprägten Hälfte des Jahres um 6,7 Prozent. Die IG BAU ruft den Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks dazu auf, nun ein akzeptables Lohn-Angebot vorzulegen. Die Zusatzrente dürfe nicht angetastet werden. Die Verhandlungen werden am 7. Oktober in Frankfurt am Main fortgesetzt. red

Autor

Melitta Burger
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
15. 09. 2020
17:30 Uhr

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Melitta Burger

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15. 09. 2020
17:30 Uhr