Kulmbach

Endlich: Behinderte Kinder dürfen Eltern wieder treffen

Wegen der Corona-Pandemie durften die Kinder im Rehbergheim 77 Tage lang ihre Eltern nicht treffen. Dies war eine harte, aber auch befruchtende Zeit, die nun vorbei ist.



Die freie Zeit nutzten manche, um das Fahrradfahren zu erlernen.
Die freie Zeit nutzten manche, um das Fahrradfahren zu erlernen.   » zu den Bildern

Kulmbach - Mit der Familie am Wochenende einen Ausflug machen, gemeinsam frühstücken oder einfach die Zeit zusammen genießen. Was für viele Familien während der Corona- Pandemie auch in den vergangenen Wochen und Monaten möglich und normal war, war für die Kinder des Rehbergheims der Mathilde-Trendel-Stiftung in Kulmbach von heute auf morgen tabu. Direkter Kontakt mit Mama und/oder Papa war nicht mehr möglich. Was blieb, waren Telefonate. Eine schwierige Zeit für die Kinder, aber auch für die Eltern und Betreuerinnen, wie der AWO-Kreisverband nun in einer Pressemitteilung beschreibt.

Über zwei Monate war das so. Jetzt endlich, die Erleichterung. Ab sofort dürfen die Kinder ihre Eltern wieder regelmäßig besuchen. Die Freude bei den Beteiligten ist nach Mitteilung der AWO riesengroß. Seit 1969 gibt es das Rehbergheim der Mathilde-Trendel-Stiftung in Kulmbach. Es ist ein 5- und 7-Tage Internat für geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter. In familiärer Atmosphäre leben dort derzeit 16 Kinder in zwei Gruppen. Normalerweise verbringt ein Teil der Kinder die Wochenenden bei den Erziehungsberechtigen und auch die Kinder, die sieben Tage pro Woche im Internat leben, sehen ihre Eltern regelmäßig.

Mit der Einschränkung des Besuchsrechts für Pflege- und Behinderteneinrichtungen vom Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege war dies plötzlich nicht mehr möglich. Dies bedeutete eine immense Umstellung für alle Beteiligten. Von Beginn an haben die Erzieherinnen offen mit den Kindern über die Situation und deren Auswirkungen gesprochen. Sie haben versucht, diese so gut es ging begreifbar zu machen. Doch selbst wenn man die Sinnhaftigkeit hinter solchen Maßnahmen versteht, ist das Vermissen der Mama oder des Papas trotzdem oft schwer auszuhalten. Nicht nur für die Kinder. Auch für die Eltern war dies keine leichte Situation.

So hatte auch Frau Rosemeier große Sehnsucht nach ihrem Sohn, mit dem sie seit Wochen nur noch telefonisch Kontakt halten konnte. Sie war und ist sehr dankbar, dass sich die Erzieherinnen im Internat so liebevoll um ihren Sohn kümmern: "Mein Lukas ist bestens versorgt und fühlt sich wohl. Natürlich würden wir uns gerne sehen, können dies aufgrund der aktuellen Lage aber nicht - die Gesundheit geht vor."

Eine Umstellung war es auch für die Erzieherinnen, die jetzt noch einmal mehr gefordert waren, den direkten Kontaktverlust der Kinder zu ihren Eltern aufzufangen. Sie trockneten Tränen, wenn der Trennungsschmerz zu groß wurde und nutzten die neugewonnene Zeit mit den Kindern ausgiebig. Zum einen gab es auch weiterhin notwendige Termine, die wahrgenommen werden mussten. Wie zum Beispiel regelmäßige Arztbesuche. Dabei hielten sich nach Angaben der AWO alle gut an die vorgeschriebenen Maßnahmen.

Auch die schulischen Verpflichtungen wurden nicht vernachlässigt. Die Kinder und Betreuerinnen standen und stehen im engen Kontakt mit der AWOeigenen Werner-Grampp-Schule in Kulmbach und der Berufsschulstufe in Bayreuth. Videokonferenzen mit der Lehrkraft der Werner-Grampp-Schule standen dabei genauso auf der Tagesordnung, wie tägliche E-Mails mit Hausaufgaben, die die Schüler am PC erledigen konnten.

Zum andern hat das gute Wetter in den vergangenen Wochen den Betreuern und Kindern in die Karten gespielt. So wurden beispielsweise eine große Ostereier-Such-Tour rund um den Rehberg organisiert, Muttertagskarten gebastelt und vieles mehr. Einige Kinder haben das Mehr an Zeit mit den Betreuern genutzt, um das Fahrradfahren zu erlernen.

Und auch von außerhalb gab es Unterstützung und Ablenkung. Um in Kontakt zu bleiben, haben einige Schüler der Berufsschulstufe in Bayreuth angefangen, ihren Freunden im Rehbergheim regelmäßig Briefe zu schreiben. Die Internatskinder freuten sich sehr über diese Aufmerksamkeit.

Doch dann, endlich. Am Freitag kam die langersehnte Nachricht vom Staatsministerium für Gesundheit und Pflege: Ab sofort können die Kinder ihre Eltern wieder sehen und in die Arme schließen. Darüber freut sich auch Friederike Ködel, die Einrichtungsleiterin des Rehbergheims. Sie ist stolz auf alle Beteiligten: "Es ist bewundernswert, wie unsere Bewohner mit dieser Situation und den entsprechenden Einschränkungen umgegangen sind - wir können stolz sein! Sie haben ohne zu murren akzeptiert, dass die Heimfahrten für lange Zeit ausfallen mussten - ab sofort können unsere Bewohner wieder regelmäßig nach Hause fahren. Uns allen fällt ein riesiger Stein vom Herzen."

Die ersten Besuche bei den Familien sind für das kommende Pfingstwochenende geplant. 77 Tage waren die Kinder dann von ihren Eltern getrennt. Elf herausfordernde Wochen, die keinesfalls schlecht gewesen sind, wie die AWO im Nachhinein feststellt. Im Gegenteil, sie hätten alle Beteiligten noch ein Stückchen mehr zusammengebracht und gezeigt, dass gerade in Zeiten wie dieser Zusammenhalt und Vertrauen das Wichtigste sind. red

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Veröffentlicht am:
25. 05. 2020
16:46 Uhr

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