Kulmbach

Fahrräder in Corona-Krise heiß begehrt

Während die Corona-Pandemie andere Wirtschaftszweige zum Erliegen bringt, haben Radläden Hochkonjunktur. Drei Beispiele aus dem Landkreis.



Der Radsport-Shop in Marktleugast wird von Kurt Trammer und Stefanie Trammer betrieben.	Fotos: Werner Reißaus
Der Radsport-Shop in Marktleugast wird von Kurt Trammer und Stefanie Trammer betrieben. Fotos: Werner Reißaus   » zu den Bildern

Kulmbach/Neuenmarkt/Marktleugast - Das Radfahren wird in Zeiten, in denen an Fernreisen nicht zu denken ist, wieder zu einem Volkssport. Dabei spielt für viele Menschen, die das Radfahren nicht so gewöhnt sind, das E-Bike eine entscheidende Rolle.

In der Bierstadt Kulmbach zählt das "Eldorado" zu den Top-Adressen beim Kauf von Fahrrädern. Geschäftsführer Jörg Geuther hat mit seinem Team derzeit alle Hände voll zu tun, um die Wünsche seiner Kunden zufriedenzustellen. "Wir sind mit Reparaturen und Neukäufen von morgens bis abends ausgebucht. Unser Laden ist von 10 Uhr bis 18 Uhr offen, aber die Männer in der Werkstatt sind von 8 bis 22 Uhr am Schrauben", erzählt er. Wie anderswo ist auch im "Eldorado" die Nachfrage nach E-Bikes ungebrochen, egal ob bei Männern oder Frauen. Die regelmäßige Inspektion beim E-Bike hält Jörg Geuther für besonders wichtig: "Der Verschleiß ist beim E-Bike einfach höher als bei anderen Rädern." Die unterste Grenze beim Kauf eines E-Bikes sind für Jörg Geuther 2500 Euro. Bei diesen Rädern bekommt man auch entsprechende Ersatzteile.

Im Kulmbacher Oberland ist der Radsport-Shop Trammer für die Radler in der Frankenwald-Region und auch darüber hinaus eine gute Adresse. Das Team besteht aus Kurt Trammer, der beim Verkauf der Räder voll in seinem Element ist und sein Wissen gern an die Kunden weitergibt, und Stefanie Trammer, die für das Kaufmännische zuständig ist.

Das Ehepaar Trammer hat das Geschäft 2009 von den vorherigen Besitzern Egon Barth und Ernst Fischer übernommen. Seit 2013 hat man mehr Platz in der Kulmbacher Straße 5. Kurt Trammer: "Wir versuchen, für jeden Kunden das passende Rad zu finden, ihn aber auch mit Feingefühl und vor allem Ehrlichkeit zu unterstützen, damit er zufrieden und glücklich auf sein neues Rad steigt. Denn nur mit einem gut passenden und eingestellten Fahrrad macht dies auch Spaß."

Auch im Radsport-Shop Trammer spürt man die derzeit wachsende Begeisterung für das Radfahren. Die Kunden werden mehr und mehr, zumal im benachbarten Helmbrechts ein Fachgeschäft aufgegeben hat. Davon profitieren jetzt auch die Trammers, die in ihrem 150 Quadratmeter großen Laden und einer angegliederten Werkstatt ein breites Spektrum vom Kinderfahrrad bis zum hochmodernen Mountain-E-Bike anbieten.

Kurt Trammer war zuletzt in der Kfz-Branche tätig, doch der Aufwand für einen Ein-Mann-Betrieb war ihm einfach zu hoch. Eher durch einen Zufall kam er an den Rad-Laden: "Eigentlich hatte man zunächst nur eine Aushilfe gesucht, mich dann aber später wissen lassen, dass man Nachfolger für das Geschäft suche."

Auch bei Jürgen Schulz vom gleichnamigen Radsportshop in Neuenmarkt hat die Zahl der Kunden zugenommen: "Die professionellen Radsportler sind zwar nicht mehr geworden, aber die Hobbyradler, die in der Corona-Zeit angefangen haben, ihre Räder aus dem Keller oder dem Schuppen zu holen." Auf den Radwegen begegneten einem viele Radler mit uralten "Scherben". Jürgen Schulz stellt in dem Zusammenhang fest: "Einige haben sich dann doch überlegt, in ein neues Fahrrad zu investieren. Bei vielen kam die Überlegung hinzu, nicht in den Urlaub zu fahren und das ersparte Geld für den Kauf eines E-Bikes zu verwenden. Wenn eine Neuinvestition in Frage kam, dann fast nur E-Bikes."

Die Hauptaufgabe der Monteure von Radsport-Schulz besteht darin, Räder zusammenzubauen und Räder zu reparieren. Beim Neukauf hält Jürgen Schulz grundsätzlich eine Bedarfsanalyse des Kunden für erforderlich. Hinzu kommt das sogenannte Bike-Fitting. Jürgen Schulz: "Beim Bike-Fitting steht der Mensch im Mittelpunkt. Das Fahrrad wird so gemacht, dass es für den Menschen passt." Mit der diplomierten Sportwissenschaftlerin Anne Haug, der Gewinnerin des Ironman Hawaii 2019, hat Jürgen Schulz seit zehn Jahren auch eine deutsche Spitzensportlerin in der Betreuung, was das Rennrad angeht.

Zum Erfolg von Anne Haug stellt Jürgen Schulz fest: "Anne war nach dem Olympia-Desaster 2016 in ein mentales Loch gefallen und überlegte sich, ob sie ganz mit dem Sport aufhört. Ich habe ihr aber zu verstehen gegeben, dass sie viel erreicht hat und nicht einfach so aufhören kann." Jürgen Schulz hat Recht behalten.

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
16:46 Uhr

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Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
16:46 Uhr