Kulmbach

Fränkisch durch und durch

Wolfgang Buck stellt im Mönchshof sein neues Programm vor. Seine Lieder trällert er hinter einer große Glasscheibe. Das Publikum ist wie immer begeistert.



Sein neues Programm "Iech wär dann do" stellte Wolfgang Buck im Veranstaltungssaal des Bayerischen Brauereimuseums vor. Foto: Rainer Unger
Sein neues Programm "Iech wär dann do" stellte Wolfgang Buck im Veranstaltungssaal des Bayerischen Brauereimuseums vor. Foto: Rainer Unger  

Kulmbach - Er plaudert charmant und unterhaltsam in seinem ihn kennzeichnenden, signifikanten fränkischen Dialekt, in dem er auch seine Lieder singt, drauf los, besticht mit seinem ihm eigenen Humor, präsentiert sich spitzbübisch, spitzfindig, spitzzüngig und begeistert damit die Zuhörer. So auch am Samstagabend im Veranstaltungssaal des Bayerischen Brauereimuseums, in dem der Mundart-Liedermacher Wolfgang Buck sein neues Programm "Iech wär dann do" vorstellte und beim Publikum für beste Stimmung sorgte. Natürlich in erster Linie mit seinen feinhumorigen Songs.

Nun, zu nicht Corona-Zeiten wäre der Saal wohl ausverkauft gewesen und aus allen Nähten geplatzt. Ausverkauft war er auch am Samstag, was bei Einhaltung des Sicherheitsabstandes zwischen den einzelnen Gästen aber bedeutet, dass eben bei Weitem nicht mal die Hälfte der Leute eingelassen werden darf wie sonst. Einen höchst ungewohnten Anblick bereitete zudem die Bühne, denn zwischen Wolfgang Buck und dem Publikum war eine Glasscheibe installiert, quasi als gigantischer Mund- und Nasenschutz, denn im Gegensatz zum lauschenden Publikum kann eben ein Sänger schlecht durch eine Maske hindurchträllern.

Der guten Stimmung tat dies aber keinen Abbruch, denn der Funke sprang augenblicklich - durch die Glasbarriere hindurch - aufs Publikum über, als der in der Nähe von Bamberg lebende Songpoet gewohnt lässig, flockig drauflos erzählte. So war das gute Essen das erste Thema, dem in Franken ein besonderer Stellenwert zukommt; und das natürlich auch verantwortlich zeichnet für diverse Folgen wie Übergewicht oder Probleme mit Blutdruck, Herz und so weiter. "Von der einen Hälfte unseres Essens leben wir, von der anderen die Ärzte", meinte Wolfgang Buck lakonisch. Im Lied "Dir schmeggds ned" beklagte er sich über die Leute, denen es, naja, eben nicht schmeckt.

Auf Fotos werden Augenblicke festgehalten, für die Nachwelt oder für was auch immer, und natürlich müssen insbesondere die Kinder da immer fröhlich und freundlich dreinschauen. Sehr humorvoll das nächste Lied, in dem der "Buah" eben gerade das nicht macht, sondern kritisch in die Kamera blickt. Den fränkischen Dialekt nahm Wolfgang Buck als Nächstes auf die Schippe, erzählte, wie er sich immer wie der "Dorfdepp aus Franken" vorkommt, wenn er irgendwo in Hannover oder sonstwo weilt und alle im besten Hochdeutsch reden. Zum Idioten macht sich ein Franke aber erst recht, wenn er selbst versucht, hochdeutsch zu reden und dabei seine Probleme mit dem "harden b und d" auftreten. Aber im nächsten Moment machte er klar, dass er seinen Dialekt natürlich liebt und stolz darauf ist, wenn der türkische Gemüsehändler und der italienische Pizzabäcker sich im breitesten fränkisch mit ihm unterhalten. Im Lied "Flüchdlingskinder" geht es darum, dass auch wir die "Enkel von Migranten" sind, weil eben beispielsweise die Urgroßmutter aus ihrer Heimat in Schlesien vertrieben wurde.

Einen unangenehmen Besuch beim Zahnarzt beschreibt der Liedermacher im Stück "Wenns weh dud sohngsis fei", während es beim Titelsong des Programmes "Iech wär dann do" darum geht, dass jemand für einen anderen da ist, und wenn es nur darum geht, Tee zu kochen. Kritisch und humorvoll ging der Mundartdichter danach die - normalerweise - ungebremste Reiselust der Deutschen an. Die waren schon überall, in Thailand, Vietnam, in der Karibik, auf dem Mount Everest und auf dem Machu Picchu. Sie haben zwar keine Ahnung, "wo der Ort liegt", weil sie in der Schule nicht aufgepasst haben, aber Hauptsache da gewesen. "Der Durisd machd kapudd, was er suchd, indem er es finded", lautet eine sarkastische Zeile aus dem Lied.

Im weiteren Programm durfte natürlich die "ganz persönliche fränkische Nationalhymne" Wolfgang Bucks, wie er sie nannte, "Sambesi", ebenso nicht fehlen wie sein heiteres Stück über den "Zucchini", das Publikum kam aber auch in den Genuss der Titelmelodie "Ned su schnell" des Frankenkrimis "Bamberger Reiter", für das Rainer Michel die Musik komponiert und Wolfgang Buck den Text geschrieben hatte. Im kritischen Lied "Wenn di Party verbei is" geht es darum, dass die heutige Gesellschaft auf Kosten derjenigen lebt, die heute noch gar nicht geboren sind.

Den begeisterten Zugabe-Rufen kam Wolfgang Buck gleich mit vier Liedern nach, darunter ein ungemein witziges, in dem besoffene Männer von ihren nachtblinden Frauen heimgefahren werden. Nun, den Heimweg traten die Besucher nach einem runden und gelungenen Konzertabend an.

Autor

Rainer Unger
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Veröffentlicht am:
26. 10. 2020
17:30 Uhr

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Rainer Unger

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Veröffentlicht am:
26. 10. 2020
17:30 Uhr