Kulmbach

Hoffen auf den Losentscheid

Das Sommerbad Wirsberg soll attraktiver werden. Jetzt tun sich neue Fördertöpfe auf.



Mit dem Investitionspakt "Sportstätten" sowie dem Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" will die Marktgemeinde Wirsberg das in die Jahre gekommene Sommerbad grundlegend sanieren. In der Sitzung am Dienstagabend legte Architekt Hans-Hermann Drenske eine Projektstudie mit reinen Baukosten von 4,8 Millionen Euro vor. Ob die Gemeinde die Chance einer Förderung erhält, wird im Losverfahren entschieden. Foto: Werner Reißaus
Mit dem Investitionspakt "Sportstätten" sowie dem Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" will die Marktgemeinde Wirsberg das in die Jahre gekommene Sommerbad grundlegend sanieren. In der Sitzung am Dienstagabend legte Architekt Hans-Hermann Drenske eine Projektstudie mit reinen Baukosten von 4,8 Millionen Euro vor. Ob die Gemeinde die Chance einer Förderung erhält, wird im Losverfahren entschieden. Foto: Werner Reißaus  

Wirsberg - Der Gemeinderat Wirsberg will versuchen, die dringende Sanierung des nunmehr über 30 Jahre alten Sommerbades in den erweiterten Fördermöglichkeiten des Investitionspakts "Sportstätten" sowie in das Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" unterzubringen. Ob es gelingt, das wird die Anmeldung zeigen, die bis zum heutigen Freitag der Regierung von Oberfranken vorzulegen ist.

Architekt Hans-Hermann Drenske stellte in der Ratssitzung am Dienstagabend die von seinem Büro gefertigte Projektstudie vor, die beim "großen Wurf" reine Baukosten von rund 4,8 Millionen Euro vorsieht Noch sind alles Gedankenspiele, wie Bürgermeister Jochen Trier (FW) betonte. Aber dem Marktgemeinderat ist auch klar, dass gewisse Sanierungsmaßnahmen notwendig sind, um die Attraktivität des Sommerbades weiter zu steigern.

Der Hintergrund: Im Zuge der Beschlussfassung zum zweiten Nachtragshaushalt des Bundestages wurden neue Mittel für das Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" sowie Mittel für einen Investitionspakt "Sportstätten" bewilligt. Für den Investitionspakt Sportstätten stehen insgesamt 150 Millionen Euro und für das Bundesprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen 600 Millionen Euro an Bundesmittel zur Verfügung. Das Programm zielt auf die Behebung des Investitionsstaus in den Kommunen ab. Es handelt sich hierbei um ein reines Bundesprogramm ohne zusätzliche Mittel der Länder. Die Förderquote des Bundes beträgt für dieses Förderprogramm in der Regel 45 Prozent der Projektkosten. Bei nachgewiesener Haushaltsnotlage der Kommune besteht jedoch die Möglichkeit, eine Erhöhung der Bundesförderung auf bis zu 90 Prozent zu erhalten.

Wie Architekt Hans-Hermann Drenske erläuterte, besteht auch die Möglichkeit, die Sanierung in Bauabschnitten vorzunehmen. So wäre ein Abschnitt der Kinderbereich, der allein auf rund eine halbe Million Euro geschätzt wird. Die Projektstudie sieht unter anderem vor, den bestehenden maroden Umkleidetrakt zurück und neu aufzubauen. Hier muss mit Kosten von 1,7 Millionen Euro gerechnet werden. Für den Kiosk ist ein separater Eingang vorgesehen, damit deren Gäste, ohne durch das Gelände des Sommerbades zu laufen, auf direktem Wege zum Beispiel auf einen Kaffee direkt in das Kiosk gelangen können.

Ob die Gemeinde in den Genuss einer Förderung kommt, das entscheidet sich im Losverfahren, das Anfang nächsten Jahres durchgeführt wird. Verwaltungsangestellter Norbert Specht verwies darauf, dass derzeit nicht feststehe, ob auch im kommenden Jahr ein ähnliches Förderprogramm aufgelegt werde und plädiert dafür, eine Förderung anzumelden: "Schauen wir mal, was dabei rauskommt."

Beim letzten Tagesordnungspunkt "Wünsche und Anträge" meldete sich Gilbert Ringsdorf (SPD) zu Wort. Er schickte voraus, dass es ihm nicht primär um das Projekt "Kurweg im Schorgasttal" gehe: "Es geht um Haltung in der Arbeit als und im Gemeinderat. Die Kritik, die ich jetzt aufrufe, soll bitte in keiner Weise eine gute Zusammenarbeit in unserem Gremium trüben. Sie muss erlaubt sein. Die Kritik an dieser Stelle ist vollends angebracht, weil ein Faktum dahintersteht." Ringsdorf erinnerte in seinen weiteren Worten an den Amtseid, den jeder einzelne Gemeinderat abgelegt hat und der für ihn keine Floskel, sondern eine Grundhaltung ist: "Das bedeutet eben auch, dass vor einer Beschlussfassung zu jedem Thema alles Erdenkliche einer guten, umfassenden Vorbereitung, unternommen werden muss." Im Fall "Kurweg-Schorgasttal" ist das nach den Worten von Gilbert Ringsdorf aber definitiv nicht erschöpfend geschehen, denn die geforderte Ortsbegehung durch die SPD-Gemeinderatsfraktion wurde mehrheitlich im Marktgemeinderat abgelehnt. Ringsdorf: " Man hat sich gegen einen weiteren klärenden Ortstermin mit einhergehendem Vergleich der beiden Projektierungsvorlagen ausgesprochen, sodass quasi die Pflichtaufgabe, sich eingehend mit der Thematik auseinander zu setzen, um sich bis ins letzte Detail zu informieren, nicht wahrgenommen wurde. Und das ohne Not und ohne die Befürchtung, dass irgendwelche Termine oder Förderungsmöglichkeiten versäumt werden könnten. Wir hätten die Zeit dazu gehabt."

Ringsdorf vertrat die Meinung, dass Bürgermeister Trier auf eine Ortsbegehung hätte hinarbeiten müssen, um weitere Erkenntnisse für das so wichtige Projekt Wirsbergs zu gewinnen: "Dann erst kann man guten Gewissens seine Beurteilung für einen Beschluss abgeben." Die Bitte an die Ratskollegen, den Ortstermin wahrzunehmen, sei aber mehrheitlich abgelehnt worden. Ringsdorf weiter: "Bei solch einer Vorgehensweise muss man zwangsläufig mit Kritik rechnen, die dann aushalten und möglichst eine Lehre daraus ziehen."

Danach herrschte erst einmal Stille im Saal des Jugendtagungshauses. Ohne auf die Kritik von Gilbert Ringsdorf einzugehen, leitete Bürgermeister Jochen Trier über zur nichtöffentlichen Sitzung. Auf Nachfrage erklärte Trier: "Es wurde alles gesagt. Der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit gegen die Ortsbegehung gestimmt. Die Möglichkeit, diesen Weg anzuschauen, die hätte man schon lange vorher nutzen können. Ich habe deshalb keinen Kommentar abgegeben, weil die Worte des Kollegen Ringsdorf Vorwürfe enthielten, die ich nicht in Ordnung fand und die man nicht unbedingt in der Öffentlichkeit diskutieren muss. Das brauchen wir nicht, weil es ein schlechtes Bild macht."

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
23. 10. 2020
00:00 Uhr

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Werner Reißaus

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2020
00:00 Uhr