Kulmbach

Jeder Treffer wird in Echtzeit angezeigt

Die Stadtsteinacher Schützen haben ihre Anlage am alten Güterbahnhof mit großem Aufwand erneuert. Coronabedingt kann aber noch kein Tag der offenen Tür stattfinden.



Zwölf neue elektronische Schießstande haben die Schützen installiert. Angelika Ultsch (links) ist von der neuen Ausstattung begeistert. Fotos: privat
Zwölf neue elektronische Schießstande haben die Schützen installiert. Angelika Ultsch (links) ist von der neuen Ausstattung begeistert. Fotos: privat   » zu den Bildern

Stadtsteinach - Die Schützenvereine haben es nicht leicht: Zum einen leiden sie wie viele andere Zusammenschlüsse unter Mitgliederschwund und zum anderen unter immer stärkeren Auflagen und schärferen Gesetzen, die die Lust an diesem Hobby oft vergällen. Deshalb müssen sie aktiv werden, um die Attraktivität ihres Sports zu steigern. Das haben die Stadtsteinacher Schützen erkannt, die ihre Anlage am alten Güterbahnhof mit großem Aufwand erneuert haben.

Info

Neben der seit Langem bekannten Öffnungszeit am Montagabend ab 18 Uhr sind die Schießstände neuerdings auch immer sonntags ab 9.30 Uhr zugänglich. Interessenten melden sich bei Uwe Mai unter der Telefonnummer 0152/ 33849271 oder unter der E-Mail-Adresse uwe-333@web.de


Seit Wochen sind die Aktiven am Werkeln: Die meisten Arbeiten haben sie in Eigenregie erledigt, um den rund 200 Mitglieder zählenden Traditionsverein finanziell zu entlasten. Es wurden neue Fenster eingesetzt, im Norden des Komplexes ist ein vier Quadratmeter großer Anbau entstanden. Der fasst künftig die Gastherme, mit der die Hallen und das Vereinszimmer beheizt wird. Damit trägt man dem zunehmenden Trend Rechnung, der wegführt von der klassischen Ölheizung. Nicht nur aus umwelttechnischer Sicht sicherlich eine richtige Entscheidung: Durch die nun in Berlin beschlossene Erhöhung der Kohlendioxid-Steuer verteuert sich das Heizen immer mehr: Ab 2021 steigt der Preis für einen Liter Heizöl um 7,9 Cent, ab 2025 wird es noch teurer. Bei einem hohen Energiebedarf schlägt diese Kostenmehrung kräftig zu Buche.

Eine neue Ausstattung erhielten die Schießstände. Der 25 Meter lange Pistolenstand wurde mit neuen Kugelfängen ausgerüstet. Sie bestehen aus schweren Metallplatten und Rückprallblenden, die Querschläger verhindern. Zuvor hatten mächtige Holzblöcke die Geschosse abgefangen. Dafür, dass es den Sportlern auf den fünf Ständen nicht zu kalt wird, sorgt eine Strahlungsheizung.

Sicherheitsaspekte waren ausschlaggebend für eine weitere Maßnahme: Die Mitglieder beschichteten die Wände mit mehreren Schichten aus feuerhemmenden Farben und Lacken. Das mindert die Brandgefahr wesentlich.

Doch auch die Aktiven, die mit Luftgewehr und -pistole trainieren, dürfen sich auf eine moderne Ausstattung freuen. Zwölf Stände verfügen nunmehr über eine digitale elektronische Anlage. Jeder Treffer wird in Echtzeit auf einem Monitor angezeigt. Damit entfällt das lästige Einholen der Scheiben, das den Trainingsfluss immer wieder unterbrochen hat. Die Ergebnisse werden sofort an das Schützenzimmer übermittelt, in denen sie per Laptop erfasst und ausgewertet werden können. Das stellt gerade bei Wettkämpfen mit vielen Teilnehmern eine wesentliche Arbeitserleichterung dar.

Aber auch das Schießen ohne Munition ist möglich: Es erfolgt dann über eine Lasertechnik für alle Luftdruckwaffen. Merklich gestiegen ist der Unterhaltungswert des Schießens: Ein großer Bildschirm ist im Schützenstübchen angebracht, wo jeder Gast sofort die Ergebnisse mitverfolgen kann. Das hebt die Spannung und das Interesse an diesem Hobby.

Der Verein musste eine stattliche Summe investieren, um diese Verbesserungen zu ermöglichen. Rund 80 000 Euro fallen für die gesamten Maßnahmen an. Um dies stemmen zu können, musste der Vorstand eine Zwischenfinanzierung von 60 000 Euro auf den Weg bringen. Weitere Entlastung bringt die sogenannte Steueroption mit sich: Der Verein verpflichtet sich dazu, in den kommenden fünf Jahren eine Steuererklärung abzugeben. Dafür erhält er rund 13 000 Euro an gezahlter Mehrwertsteuer zurückerstattet.

Doch auch die öffentliche Hand greift der Gesellschaft - sie wurde 1854 aus der Taufe gehoben - unter die Arme. Der Freistaat leistet einen Zuschuss von 55 Prozent auf die förderfähigen Kosten. An Eigenkapital brachten die Vereinsmitglieder 15 000 Euro selbst auf. Das gesamte Maßnahmenpaket ist das größte seit dem Jahr 1995. Damals hatte der Verein die Immobilie, in der eine Weberei untergebracht war, erworben und umgebaut.

Die nun erreichten Verbesserungen sichern den Fortbestand des Zusammenschlusses, der dadurch zukunftsfähiger und attraktiver geworden ist. Schon jetzt zeigen sich erste Auswirkungen: "Wir haben neue Mitglieder bekommen," sagt der erste Schützenmeister und Vorsitzende Reinhard Kraus freudig. Und weiter: "Damit sind wir zweifelsohne auf der Höhe der Zeit."

Kraus hätte gern den Abschluss der Arbeiten mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Wegen der Corona-Pandemie musste die Feier aber bis auf weiteres zurückgestellt werden. Der Schützenmeister verweist darauf, dass auch die Trainingsmöglichkeiten auf der Anlage verbessert worden sind. red

Autor

Klaus Rössner
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Veröffentlicht am:
23. 10. 2020
00:00 Uhr

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Klaus Rössner

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Veröffentlicht am:
23. 10. 2020
00:00 Uhr