Kulmbach

Kinder garteln für Biene & Co.

Die Mädchen und Buben der Wonseeser Kita haben eine Insektenoase angelegt. Sie sind bereits kleine Naturschutzexperten, denn sie nehmen an einem Projekt teil, das die Vereinten Nationen ausgezeichnet haben.



Mit Schaufel und Rechen legen die kleinen Gärtner der Wonseeser Kita bei der Insektenoase Hand an.	Foto: Adriane Lochner
Mit Schaufel und Rechen legen die kleinen Gärtner der Wonseeser Kita bei der Insektenoase Hand an. Foto: Adriane Lochner  

Kulmbach - Bewaffnet mit Schaufeln und wetterfester Kleidung marschierten dieser Tage am Vormittag die Wonseeser Kindergartenkinder zur neuen Bauhofhalle. Dort wartete Naturgartenplanerin Ute Geyer aus Goldkronach. Gemeinsam mit den Kindern bepflanzte sie eine bienen- und schmetterlingsfreundliche Grünanlage, die dieses Jahr neu angelegt wurde. Als Felssicherungsmaßnahme hatten Bauhofmitarbeiter dort im Mai eine Gabionenwand gebaut, die den Zugang zum früheren, durch Steinschlag gefährdeten Rastplatz versperrt.

Geblieben sind die idyllischen Natursteinstufen sowie eine kleine Aussichtsplattform. Sie wurden nun neu in Szene gesetzt - als Insektenoase. Zwischen großen, alten Baumwurzeln und Steinblöcken wurden in den absichtlich nährstoffarmen, kalkhaltigen Boden Wildstauden gepflanzt, wie Wilde Karde, Natternkopf, Wegewarte, Sandnelke oder Gamander. Bei ihrer Pflanzaktion steckten die Kinder zusätzlich verschiedene Blumenzwiebeln in die Erde, von Krokus über Wildtulpe bis hin zu Anemone und Muskari, Letztere auch Traubenhyazinthe genannt. Die Frühblüher gehören zu den ersten Nahrungsquellen des Jahres für Insekten. "Bienen, Käfer und Schmetterlinge brauchen verschiedene Sachen zum Essen. Ihr wollt ja auch nicht jeden Tag das Gleiche", erklärte Geyer den Kindern. Die sind bereits richtige Experten was das Thema Bienen angeht.

"Die Honigbiene lebt im Bienenstock, die Wildbiene in altem Holz." Das weiß der vierjährige Nick Worsch aus Großenhül. Sein Wissen um die Bienen hat er im Wonseeser Kindergarten gelernt, denn dort steht seit drei Jahren eine 2,5 Meter hohe Wildbienen-Wand direkt vor der Haustür. Das Kooperationsprojekt mit dem Verband Artenschutz in Franken wurde 2018 mit dem Titel "UN-Dekade Biologische Vielfalt" der Vereinten Nationen ausgezeichnet. Die Kinder können im Frühjahr und Sommer dort verschiedene Wildbienenarten beobachten und das Thema durch Malen, Basteln und Singen kreativ umsetzen.

"Gelegentlich kommt ein Imker zu Besuch und bringt den Kindern das Leben der Honigbienen nahe", berichtet Kindergartenleiterin Elfriede Amschler. Auch die wertvolle Rolle der Bienen als Bestäuber und ihre wichtige Funktion in der Lebensmittelproduktion haben die Kinder mit ihren Betreuern bereits behandelt. Anscheinend ist der Groschen gefallen. "Ohne Bienen hätten wir ein Problem." So drückt es der fünfjährige Jona Pöhner aus Großenhül kurz und treffend aus.

Um die Bedeutung der Bienen für den Menschen noch stärker hervorzuheben, pflanzten die Kindergartenkinder in der Insektenoase auch einen Apfelbaum. Für diesen werden sie die Patenschaft übernehmen, regelmäßig nachsehen wie es ihm geht, bei Bedarf gießen und irgendwann auch die Früchte ernten. Von der Aussichtsplattform aus, auf der im kommenden Frühjahr eine Sitzgelegenheit installiert wird, können sie das bunte Blütenmeer mit all seinen Insekten beobachten.

"Es ist wichtig, dass die Kinder die Zusammenhänge in der Natur verstehen", betonte Bürgermeister Andreas Pöhner. Und das gelinge am besten, wenn man sie selbst mit anpacken lasse. Bereits im Frühjahr durften die Kinder bei der Gestaltung der Gabionenwand mitmachen. Sie bemalten 60 Granitsteine in wetterfesten Farben mit Naturmotiven wie Marienkäfern, Bienen, Bäumen oder Regenbogen. Die bunten Steine arrangierten die Bauhofmitarbeiter in Abständen in den Gabionen, sodass nun eine Art Kunstgalerie entstanden ist. Beim Besuch der Anlage freuten sich jetzt viele Kinder, als sie ihre Kunstwerke wiedererkannten.

Die Gabionenwand sowie die Insektenoase sind für die Öffentlichkeit zugänglich und können jederzeit besichtigt werden. "Uns liegt es am Herzen, einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten und als Gemeinde mit gutem Vorbild voranzugehen", so Pöhner. red

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Veröffentlicht am:
16. 10. 2020
17:34 Uhr

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16. 10. 2020
17:34 Uhr