Kulmbach

Nachfrage nach Arbeitskräften steigt

Corona hat den Arbeitsmarkt in Kulmbach weniger eingebremst als befürchtet. Trotzdem gibt es 244 Arbeitslose mehr als noch im Vorjahr.



Nachfrage nach Arbeitskräften steigt
Nachfrage nach Arbeitskräften steigt  

Kulmbach/Hof - Die Arbeitslosenquote für den Landkreis Kulmbach liegt im September niedriger als im August und ist um 0,2 Prozent auf jetzt 3,9 Prozent gesunken. Vergleicht man allerdings die aktuellen Zahlen mit denen des Vorjahres sieht die Sache anders aus: Im September 2019 hatte im Landkreis die Quote 3,3 Prozent gelegen. Die gute Nachricht: Aus dem Monatsbericht der Agentur für Arbeit in Hof geht hervor, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften im Raum Kulmbach, wie im gesamten Agenturbezirk, nun wieder steigt. Udo Kolb, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof, sieht angesichts der Entwicklungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt stimmen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. "Die Zahl der Arbeitslosen sinkt und die Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt spürbar Fahrt auf," kommentiert er die Zahlen für den September.

Zahlen aus der Region: 11 153 Arbeitslose waren im Agenturbezirk Bayreuth-Hof zu verzeichnen, 681 weniger als im August. Das sind 2069 mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg zum Vorjahr geht allerdings weiter kontinuierlich zurück, hat die Agentur festgestellt. War im Mai noch ein prozentualer Anstieg gegenüber dem Vorjahr von mehr als 43 Prozent zu verzeichnen, waren im September nur noch rund 23 Prozent mehr Menschen betroffen als im September 2019. "Gleichzeitig konnten im Vergleich zum Vorjahresmonat trotz der aktuellen Situation fast elf Prozent mehr Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch eine Arbeitsaufnahme beenden", erläutert Kolb. Die Arbeitslosenquote sank in der gesamten Region der Agentur um 0,2 Prozentpunkte auf 4, 4 Prozent und lag damit 0,8 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahres.

Wieder mehr Mitarbeiter gesucht: In allen Landkreisen und Städten, die die Agentur betreut, zog die Nachfrage nach Arbeitskräfte im September weiter an. Mit 1192 neu gemeldeten Arbeitsstellen wurden 91 offene Stellen mehr gemeldet als im August. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 122 weniger. Von Januar bis September gingen insgesamt 9624 Stellenmeldungen ein. Mit einem Minus von 2267 Stellen bleibt die Entwicklung der Nachfrage damit weiterhin rund 20 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum zurück, wie die Statistik offenbart. Die größte Nachfrage gab es im September für die Berufsgruppe der Fahrzeugführer im Straßenverkehr, für Berufe aus der Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und dem Güterumschlag, sowie für Reinigungsberufe.

Kurzarbeit bleibt ein großes Thema: "Die Corona-Krise ist nur eine Beschleunigung für den Strukturwandel. Der Fachkräftemangel bleibt", lautet die Einschätzung von Geschäftsführer Udo Kolb. Die Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof zahlte in diesem Jahr bisher 62,7 Millionen Euro an konjunkturellem Kurzarbeitergeld an die lokalen Betriebe um Arbeitsplätze in der Region zu sichern. Zusätzlich wurden 47,8 Millionen Euro an Sozialversicherungsbeiträgen erstattet.

Auch im September gingen 51 Neu-Anzeigen ein. Seit März waren es damit insgesamt rund 5560 Anzeigen mit bis zu 79 000 betroffenen Ar-beitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Erste hochgerechnete Zahlen er-geben für den Monat Mai auf Agenturebene eine realisierte Kurzarbeit für 3235 Betriebe mit 38 041 Mitarbeitern. Nach den aktuell verfügbaren Hochrechnungen für April waren im Landkreis Kulmbach 504 Betriebe mit 4311 Beschäftigten in Kurzarbeit. "Ich kann nur empfehlen, zu überlegen, ob die aktuelle Phase der Kurzarbeit auch zur Weiterbildung der Mitarbeiter genutzt werden kann. Zu den Fördermöglichkeiten berät unser Arbeitgeber-Service die Unternehmen gerne", appelliert Kolb.

Ausbildungsmarkt: Durch die Pandemie haben sich teilweise die Einstellungen von zukünftigen Fachkräften verschoben. "Die Chancen stehen gut, auch jetzt noch einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Es werden uns immer noch Ausbildungsstellen für das aktuelle Ausbildungsjahr gemeldet," erklärt Kolb. Über die aktuellen Förderprogramme "Ausbildungsplätze sichern" und "Fit-for-Work" können sich die Betriebe bei der Agentur für Arbeit beraten lassen.

Weniger Kulmbacher arbeitslos: Mit 1602 Arbeitslosen waren im Landkreis Kulmbach im September 91 Männer und Frauen weniger betroffen als im August. Gegenüber dem Vorjahr waren allerdings 244 Personen mehr zu verzeichnen als im September 2019. Es meldeten sich viele an- und ungelernte Kräfte aus der Arbeitnehmerüberlassung, deren Arbeitsverträge meist wegen Auftragsmangels nicht verlängert wurden. Auffällig ist nach Agentur-Angaben bei diesem Personenkreis, dass für die Abarbeitung von Auftragsspitzen oftmals zeitlich sehr kurz befristete Verträge angeboten werden und es so zu häufigen Ein- und Ausstellungen kommt. Insgesamt nahm die Zahl der Arbeitsaufnahmen weiter zu. Außerdem waren bereits verstärkt Arbeitsuchendmeldungen von Saisonkräften zu verzeichnen, die mit dem Eintritt von Arbeitslosigkeit im Spätherbst rechnen. Weiterhin meldeten sich einige Arbeitnehmer im rentennahen Alter arbeitslos, die gesundheitlich, räumlich oder fachlich nur sehr eingeschränkt am Arbeitsmarkt agieren können.

Beratungsangebot kommt gut an: "Viele Arbeitnehmer nutzen das Beratungsangebot der Agentur für Arbeit, um sich nach Fördermöglichkeiten der beruflichen Weiterbildung zu erkundigen. Es geht meist um Fortbildungen oder Umschulungen mit dem Ziel, die Stellung am Arbeitsmarkt zu festigen und damit die beruflichen Zukunftsperspektiven zu verbessern," erläutert der stellvertretende Agenturleiter Udo Kolb. "Auch während der Kurzarbeit sollten Unternehmen die Möglichkeiten von Weiterqualifizierungen prüfen," rät er.

Zahl der gemeldeten Stellen steigt wieder: Im September gingen von Betrieben aus dem Kulmbacher Landkreis wieder 31 Stellen mehr ein als im Vormonat. Insgesamt waren es 159. Gegenüber dem September 2019 waren es aber 24 weniger. Aktuell sucht das Baunebengewerbe Schreiner, Maler, Elektriker und Anlagenmechaniker. Vermittlungsaufträge an die Agentur kommen überwiegend von kleinen und mittleren Unternehmen und von Personaldienstleistern. Gefragt sind darüber hinaus weiterhin medizinische Fachkräfte wie zum Beispiel Ärzte, medizinische Fachangestellte und Physiotherapeuten, aber auch Fachleute aus dem sozialen Bereich, wie Sozialpädagogen, Erzieher und Kinderpfleger. Kassierer, Metzger, Bäcker, Verkäufer im Lebensmittelhandwerk, Reinigungskräfte und Auslieferungsfahrer werden als Fachkräfte für den Dienstleistungssektor und das Handwerk benötigt. Der kaufmännische Sektor fragte nach Fachleuten für das Controlling, die Finanzbuchhaltung, Marketing oder Führungskräften mit einschlägiger Berufserfahrung.

Arbeitgeber bleiben vorsichtig: Insgesamt bleibt, wie die Agentur mitteilt, das Einstellungsverhalten der Unternehmen in Zeiten der Pandemie im Kulmbacher Land eher zurückhaltend. Oftmals werde eine Nachfolge für Vertretungsfälle wie zum Beispiel Krankheit oder Eltern-zeit gesucht. red

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Es bleibt beim Flachdach

Melitta Burger

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Veröffentlicht am:
30. 09. 2020
17:48 Uhr

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