Kulmbach

So war der Schulanfang in der "guten alten Zeit"

Ranzen, Tafeln, Schreibmaschinen: Wie der Herr Lehrer den Mädchen und Buben einst Einmaleins und Abc beibrachte, kann man im Dorfschulmuseum Ködnitz erleben.



Die Tafel war einst unverzichtbar, wie das Ködnitzer Dorfschulmuseum dokumentiert. Günter Wild, früher selbst Lehrer, ist Initiator, Gründer, Leiter, Museumsführer und Vorsitzender des Trägervereins in einer Person.	Foto: shf
Die Tafel war einst unverzichtbar, wie das Ködnitzer Dorfschulmuseum dokumentiert. Günter Wild, früher selbst Lehrer, ist Initiator, Gründer, Leiter, Museumsführer und Vorsitzender des Trägervereins in einer Person. Foto: shf  

Ködnitz - Die letzten Schüler haben sich gerade verabschiedet. Einige haben ihre Mützen an der Garderobe vergessen. Überall riecht es nach frisch geölten Bodendielen. Auf den Pulten liegen noch Griffel und Schiefertafeln. PCs, Tabletts und Smartphones sucht man hier vergebens, Schüler allerdings auch, denn hier geht es um ein Museum, genauer gesagt das Dorfschulmuseum in Ködnitz.

Öffnungszeiten

Das Dorfschulmuseum hat die Adresse Ködnitz 6. Es ist von April bis Oktober immer an den Sonn- und Feiertagen zwischen 14 und 16 Uhr, sowie ganzjährig nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Telefon: 09221/1529.

Weitere Information im Internet: www.dorfschulmuseum.de


"Die Dorfschulen sind verschwunden", sagt Günter Wild. Der frühere Lehrer ist nicht nur Vorsitzender des Trägervereins Dorfschulmuseum Ködnitz, der 78-Jährige ist auch Initiator, Gründer, Leiter und Museumsführer. Ihm ist es zu verdanken, dass nicht nur das Gebäude, sondern auch das Inventar erhalten werden konnte. Denn 1985, als die Witwe des letzten Dorflehrers Herbert Zapf auszog, rollten schon die großen Müllcontainer an, um alles das zu entsorgen, was heute teilweise in Vitrinen ausgestellt wird. Günter Wild konnte das gerade noch verhindern.

Die Dorfschule geht zurück bis zur Zeit der Reformation. Fast 500 Jahre lang hatte sie Bestand - bis zur großen Schulreform im Jahr 1969. Im korrekten Behördendeutsch "einklassige Landschule" genannt, wurden hier alle Kinder von der ersten bis zur achten Jahrgangsstufe zusammen unterrichtet.

Die Schule sei aber über die Jahrhunderte hinweg viel mehr, als nur eine Bildungseinrichtung gewesen, sagt Günter Wild. Die Schule war der kulturelle Mittelpunkt der Ortschaften, gerade in kleinen Dörfern wie Ködnitz, die keine eigene Kirche besitzen. Deshalb auch der außergewöhnliche Baustil, für den auch die, 1861 eröffnete Ködnitzer Schule steht. Sie hat ihren Platz mitten im Dorf, ist in einem hoch aufragenden und nobel wirkenden Sandsteinbau untergebracht. Günter Wild spricht vom "Herrenhauscharakter".

Einfach sei es damals nicht gewesen, alle Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Ködnitz ein Dorfschulmuseum braucht, erinnert sich Günter Wild. Der Gemeinderat habe das Vorhaben zunächst sogar abgelehnt. Trotzdem folgte 1993 die feierliche Einweihung. Heute ist die Einrichtung ein beliebtes Ziel sowohl von Schulexkursionen als auch von Seniorenausflügen.

Im Zentrum des Museums steht der große Lehrsaal. Kaum zu glauben, dass hier mal bis zu 120 Kinder Platz fanden. 1969 im letzten Ködnitzer Schuljahr waren es immerhin noch 40. Liebevoll und mit großer Sorgfalt für Details gibt es hier alles zu bestaunen, was zum Schullalltag irgendwie gehörte. Schulranzen, Schiefertafeln, Schreibmaschinen, ein Globus, Griffel, Liederbücher, Tintenbehälter. Sogar ein historisches Steingraeber-Klavier steht an der Wand und daneben hängt ein Bild von Heinrich Lübke, der bis 1969 Bundespräsident war. "Wir wollen ein lebendiges Museum sein, deshalb ist alles so eingerichtet worden, wie es uns die letzte Ködnitzer Schüler berichteten", so Günter Wild.

Im Treppenhaus sind viele der damals typischen Schulwandbilder zu sehen, gemalte großformatige Abbildungen und Illustrationen von technischen Dingen wie Landmaschinen bis hin zu Abbildungen aus den klassischen deutschen Märchen. Im Lehrerzimmer ist die gesamte Bücherei untergebracht, ebenso Dokumente zum Schullalltag. Ein Stockwerk höher widmet man sich der Entwicklung des Schriftbildes, alte Singer- und Pfaff-Nähmachinen erinnern an den Handarbeitsunterricht und in einer Vitrine sind Spielsachen der Bauernkinder zu sehen, die sich im Prinzip gar nicht groß von heutigen Playmobil-Figuren unterscheiden.

Das Schulhaus war zugleich auch das Wohnhaus des Dorflehrers, der mit seiner Familie im unteren Stockwerk lebte. Im Nebengebäude waren das Waschhaus, die Holzlege und sogar ein Ziegenstall untergebracht. "Der Lehrer war Imker, Obstbauer und er hatte sogar einen Hektar Ackerland", erläutert Günter Wild.

Autor

Stephan Herbert Fuchs
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Veröffentlicht am:
07. 09. 2020
17:28 Uhr

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Autor

Stephan Herbert Fuchs

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Veröffentlicht am:
07. 09. 2020
17:28 Uhr