Kulmbach

Wie aus Korn Mehl und aus Mehl Brot wird

Zum Deutschen Mühlentag gibt es am Pfingstmontag im Bäckereimuseum eine kostenlose Sonderführung. Wer daran teilnehmen will, muss sich vorher anmelden.



Teile der historischen Thurnauer Neidsmühle sind im Bayerischen Bäckereimuseum in Kulmbach zu bestaunen.	Foto: Bäckereimuseum
Teile der historischen Thurnauer Neidsmühle sind im Bayerischen Bäckereimuseum in Kulmbach zu bestaunen. Foto: Bäckereimuseum  

Kulmbach - Am Pfingstmontag findet alljährlich der Deutsche Mühlentag statt. Dieser wurde einst von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung ins Leben gerufen. Doch auch dieser Termin wurde für 2020 - wie so vieles andere in diesen Tagen - abgesagt. Das hindert das Bayerische Bäckereimuseum in Kulmbach jedoch nicht daran, auf diese, für unser Hauptnahrungsmittel essenzielle Erfindung aufmerksam zu machen.

Kosten und Anmeldung

Termin: Pfingstmontag, 1. Juni, 14 Uhr

Dauer: rund eine Stunde

Kosten: Eintritt (Sonderführung kostenfrei): Kinder bis 6 Jahren frei, ab 7 Jahren 5,50 Euro, Erwachsene 8 Euro, Familienkarte 18 Euro

Anmeldungen bis Sonntag, 31. Mai, sind notwendig unter: Telefon 09221/80514 oder www.kulmbacher-moenchshof.de


Die Museen im Mönchshof bieten daher am Pfingstmontag, 1. Juni, um 14 Uhr eine kostenfreie Sonderführung durch das Bayerische Bäckereimuseum, bezahlt wird nur der Eintritt: Auf Voranmeldung geht es in rund einer Stunde unter fachkundiger Führung durch das Museum. Dabei wird der Museumsführer auf die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften achten, sodass sich Museumsbesucher rundum gut aufgehoben fühlen dürfen.

Ein besonderes Augenmerk wird an diesem Tag während der kostenfreien Sonderführung auf die Neidsmühle gerichtet, die im Bayerischen Bäckereimuseum über drei Stockwerke exemplarisch zum Thema "Mühlen und Mehle" aufgebaut ist. Ursprünglich bei Thurnau beheimatet, wird sie erstmals 1526 schriftlich erwähnt: Sie gehörte zum Rittergut Thurnau. Ihr Name ist ungeklärt, deutet aber möglicherweise darauf hin, dass der Besitz der Mühle Neid erweckte. Sie erlebte eine wechselhafte Geschichte. Vererbungen und Verkäufe aus Geldmangel bezeugen dies. 1810 ging sie mit der Herrschaft Thurnau an die Krone Bayern über. Durch die Aufhebung des Mahlzwangs, die beginnende Industrialisierung und die Verbesserungen der Mühlentechnik setzt ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Sterben der kleinen Mühlenbetriebe ein.

In den 1930er-Jahren wird die Neidsmühle technisch umfassend modernisiert: Das Wasserrad wird abgebrochen, eine Wasserturbine wird installiert und ein Plansichter sowie zwei Walzenstühle werden eingebaut. Trotzdem kann die Mühle jedoch nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Unter starkem Konkurrenzdruck wird der Mühlenbetrieb 1957 endgültig eingestellt. Die ursprünglich viergeschossige Neidsmühle wurde um die Jahrtausendwende im Bayerischen Bäckereimuseum fachgerecht wieder aufgebaut, um die Grundfunktionen einer Getreidemühle zu veranschaulichen. Imposant legt sie Zeugnis ab von der traditionsreichen Welt des Mühlenwesens, das in seiner herausragenden Bedeutung für die Herstellung unseres täglichen Brotes zunehmend in Vergessenheit gerät.

Macht sich der Besucher weiter auf den Weg durchs Bäckereimuseum, kann er erleben, wie in einer alten Backstube aus den 1930iger-Jahren das Mehl zu Brot und verschiedenen anderen Backwaren wird. Eine Vielzahl von Exponaten, Hörstationen und Info-Tafeln gibt Antwort auf allerlei Fragen rund ums Backen. Zum Beispiel, welche Zutaten und Maschinen man für welche Gebäckarten verwendete. Ein "Tante-Emma-Bäckerladen" und ein "Bäckerausfuhrwagen" beschreiben den Weg des Brotes vom Bäcker zum Kunden.

Zum Schluss des Museumsrundganges geht es um Brauchtumsgebäck und darum, wie das Brot zu Hause aufbewahrt wird. Auf dem Weg durch das Bäckereimuseum reist man außerdem ins alte Ägypten, ins römische Reich, ins Mittelalter, in die Zeit der Industrialisierung, bis man schließlich im Hier und Heute ankommt. Dabei geht es in den einzelnen Epochen jeweils darum, aus welchem Getreide das Mehl zum Brotbacken verwendet wurde, wie das zugehörige Brot aussah, wie es hergestellt und unter die Leute gebracht wurde, welche Stellung der Bäcker in der Gesellschaft hatte, und wo die Ursache für die Hungersnöte lagen. Es werden religiöse Aspekte beleuchtet und aufgezeigt, wo das Thema Brot in der Literatur zu finden ist.

Am Ende des Rundgangs kann ein Stück Museumsbrot aus dem Steinbackofen gekostet werden, und wer mag, bekommt dazu auch noch einen Probierschluck aus der hauseigenen Museumsbrauerei. Denn auch in seiner flüssigen Variante ist der Genuss von Brot immer aufs Neue etwas Besonderes.

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Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
16:46 Uhr

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26. 05. 2020
16:46 Uhr