Marktredwitz

Gläsernes Highlight im Zentrum

Der Bauausschuss gibt grünes Licht für die Bebauung am Stadtpark. Drei lichte Blöcke begeistern die Räte quer durch alle Parteien. Nur der Grüne Meier stimmt dagegen.



Wenn man vom Markt kommt, fällt der Blick auf viel Glas und die dann hier entstehende Gastronomie. Rechts im Bild das alte Kaufhaus Thorn, links das Reisebüro Märkl.
Wenn man vom Markt kommt, fällt der Blick auf viel Glas und die dann hier entstehende Gastronomie. Rechts im Bild das alte Kaufhaus Thorn, links das Reisebüro Märkl.   » zu den Bildern

Marktredwitz - Luftige Plätze zwischen viel Glas und Beton, zwischen Grün und Gastronomie - Marcus Pürners Pläne für die Bebauung des Grundstücks am Marktredwitzer Stadtpark sind im Bauausschuss auf große Begeisterung gestoßen. In drei unterschiedlichen Gebäuden, in deren Zentrum ein Quartiers-Platz zum Verweilen einlädt, sollen künftig Menschen leben und arbeiten zugleich. Für das Zehn-Millionen-Euro-Projekt haben die Mitglieder des Bauausschusses am Dienstagabend grünes Licht gegeben.

Der Bauvoranfrage soll in Kürze der Bauantrag folgen. Denn Bauherr Marcus Pürner, der Chef des Fahrrad-Unternehmens Cube, will jetzt auf die Tube drücken. "Wir freuen uns, dass es endlich losgeht." Nur einer schien sich nicht zu freuen: Michael Meier von den Grünen, dem bange war, dass noch mehr Bäume dem Projekt zum Opfer fallen, stimmte gegen das Vorhaben.

"Ich bin froh, dass wir endlich eine Präsentation bekommen, wie das Projekt umgesetzt werden soll", strahlte Oberbürgermeister Oliver Weigel. "Gut Ding will Weile haben", könnte dieser Tagesordnungspunkt auch überschrieben sein, fügte er hinzu. Denn die ersten Pläne für das Vorhaben am Rande des Stadtparks reichten bis 2016 zurück. Inzwischen war längst die Abrissbirne angerückt, um die schon verfallenen Häuser an der Dammstraße dem Erdboden gleichzumachen. Doch schon seit Langem wartet der Platz, auf dem sich zahlreiche Dauerparker eingerichtet haben, auf seine Bebauung. Vorherige Pläne waren vor allem beim Bürgerforum, das auch das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan gerufen hatte, auf Widerstand gestoßen.

Gespannt lauschten die Räte denn auch dem Vortrag von Architektin Lisa Müller vom Architekturbüro Horstmann + Partner in Bayreuth, das die Planung jetzt in die Hand genommen hat. "Uns ist aufgefallen, dass die Fußgängerzone keinen finalen Abschluss findet", meinte sie angesichts der Momentaufnahme. Das wolle man mit der Bebauung ändern, das Ende der Fußgängerzone präsenter und wahrnehmbarer machen, "aber nicht dominant". Das einstmals geplante Volumen habe das Architekturbüro aufgebrochen in drei Blocks, wodurch immer wieder Blicke auf den Park freigegeben würden. "Dadurch bekommen wir eine höhere Qualität", versicherte Müller.

An der Dammstraße führe ein Gehweg entlang, grenze an den sogenannten Riegel, in dem neben Gastronomie auch Einzelhandel, Gewerbe und Wohnungen untergebracht werden sollen. "Den Quartiers-Platz im Herzen der Bebauung machen wir öffentlich zugänglich." Hier stellt sich die Architektin Veranstaltungen zu jeder Jahreszeit vor.

Vis à vis des ehemaligen Kaufhauses Thorn - hier ist auch der Sitz der Fichtelgebirgsredaktion der Frankenpost - entstehe die "Box", die Gastronomie drinnen wie draußen bieten soll. Und darüber könnten die Menschen mitten im Zentrum wohnen. "Wir wünschen uns eine Durchmischung der Nutzungen, denn es soll ja durchgehend belebt sein." Und der Stadtpark wirke überall mit hinein. Bewusst habe man sich an der Höhe des überragenden Kaufhauses orientiert und sich zurückgenommen. So reichen die oberen Kanten der Flachdächer auf den Plänen nur bis zur Dachrinne des gegenüberliegenden Gebäudes.

Ein Blick von oben auf die drei Blöcke des neuen Stadtquartiers macht eine komplette Begrünung sichtbar. Unter anderem soll hier eine Dachterrasse entstehen.

"Wir waren von der Planung hausintern schon sehr begeistert", kommentierte Oberbürgermeister Oliver Weigel nach der Präsentation. "Ein neues, urbanes Quartier, das den Park berücksichtigt", so sein Fazit.

"Man ist hier sehr sensibel mit den Anregungen des Landesamts für Denkmalpflege umgegangen", lobte Bauamtsleiter Stefan Büttner die neuen Pläne. Und fügte hinzu: "Der Denkmalschutz geht bei dieser Planung mit." Sie zeichne sich dadurch aus, dass Innenstadt und Park hier miteinander in einen Dialog träten. Wenn man von Oberredwitz her in den Park komme, werde sich ebenfalls ein ganz anderes Gefühl breitmachen. "Das ist eine richtige Win-Win-Situation." Die Stadt signalisiere daher, auf dieser Basis weiterarbeiten zu wollen.

Matthias Standfest (CSU) bezeichnete die Planung als "gefällig und modern" und beglückwünschte Bauherrn und Architekten zu der "super Gestaltung. Wir können uns nur darauf freuen."

"Was lange währt, wird endlich gut", meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Haussel. Es sei ein gelungener Entwurf, der diese Ecke aufwerten werde. "Das gefällt mir sehr gut."

Historie und Moderne seien hier super kombiniert, fand Martin Gramsch, Sprecher der Freien Wähler. "Es ist ein gelungener Abschluss zwischen Markt und Stadtpark und wird sicherlich zum neuen Mittelpunkt für Marktredwitz. Wirklich perfekt!"

Das wiederum fand Michael Meier von den Grünen nicht. "Wie viele Bäume müssen jetzt noch weg?", wollte er wissen. Er hätte gern Zahlen, zumal die Pläne "sehr, sehr luftig aussehen". Laut OB Weigel gibt es keine exakten Zahlen. Stadtbauamtsleiter Büttner nannte die Kritik wegen der Bäume im Gespräch mit der Frankenpost "unverständlich". Es werde die bisher bebaute Fläche herangezogen. "Und auf der steht, wie man derzeit eindrucksvoll sieht, kein Baum, sondern nur Autos." Der Markt, der bisher eher einer Banane gleiche, so Büttner weiter, finde hier ein schönes Ende - "ein Gewinn für die Stadt".

Markus Kopatsch (ProMak) fand es an der Zeit, dem Investor für seine große Geduld zu danken und dafür, dass dieser das Projekt nach allem noch umsetzt. "Da ist es auch wurscht, ob ein Baum mehr oder weniger dasteht." Michael Meier betonte, er wolle seiner Parteikollegin Brigitte Artmann - sie ist nicht Mitglied des Bauausschusses - nicht in den Rücken fallen. Deshalb stimmte er gegen die Pläne.

Auf die Nachfrage von Kurt Rodehau (SPD), wo Parkplätze entstehen sollen, erläuterte Architektin Lisa Müller, dass diese rund ums Quartier geschaffen würden. Auf eine Tiefgarage, die ursprünglich einmal angedacht war, verzichtet der Investor angesichts des sumpfigen Untergrunds. Doch was Marcus Pürner jetzt will, ist eine rasche Verwirklichung. "Wir freuen uns darauf und wollen es zügig angehen", sagte er gegenüber der Frankenpost. Und Oberbürgermeister Weigel meinte nach der Abstimmung: "Jetzt volle Kraft voraus in Richtung Umsetzung. Das wird ein Highlight."

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2020
16:26 Uhr

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Peggy Biczysko

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Veröffentlicht am:
07. 10. 2020
16:26 Uhr