Marktredwitz

Schreiner geben nach Feuer Vollgas

Einen Millionenschaden verursacht am 18. August ein stundenlanger Brand in der Schreinerei Rögner in Pleußen. Zwei Monate später ist der Wiederaufbau bereits in vollem Gange.



Peter und Dominik Rögner (von links) haben seit dem Brand am 18. August unermüdlich am Wiederaufbau ihrer Schreinerei gearbeitet. Voller Optimismus blicken sie nach vorne, Mitte Dezember wollen sie den Betrieb wieder aufnehmen. Fotos: Udo Lanz
Peter und Dominik Rögner (von links) haben seit dem Brand am 18. August unermüdlich am Wiederaufbau ihrer Schreinerei gearbeitet. Voller Optimismus blicken sie nach vorne, Mitte Dezember wollen sie den Betrieb wieder aufnehmen. Fotos: Udo Lanz   » zu den Bildern

Pleußen - Es war eine Nacht, die der Familie Rögner und vielen anderen noch lange in lebhafter Erinnerung bleiben dürfte. Rund 250 Einsatzkräfte aus der ganzen Region eilten nach der Alarmierung um 3.27 Uhr zum Kirchsteig in Pleußen, Landkreis Tirschenreuth, wo auf dem Gelände der Schreinerei ein Feuer wütete. Die Flammen gingen von einer Scheune aus und zerstörten den Dachstuhl und weitere Teile der Produktionshalle. Was vom Feuer verschont blieb, wurde vom Löschwasser zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem aber die Maschinen hat es getroffen. "Mit dem Betriebsausfall ergab sich insgesamt ein Schaden von 1,1 Millionen Euro", bilanziert Schreinermeister und Inhaber Peter Rögner. "Aber alles war zu 100 Prozent versichert."

Suche nach Pumuckl

Ein kleiner Stoff-Pumuckl ist seit vielen Jahren das Maskottchen der Schreinerei Rögner. Dominik Rögner war als Kind ein großer Fan von Meister Eder und dessen Klabautermann. Später bekam seine Stoffpuppe irgendwann einen festen Platz in der Werkstatt. Wenn etwa Kunden mit ihren Kindern in die Schreinerei kamen, hat Dominik die Kleinen gerne gefragt, ob sie denn nach dem Pumuckl suchen wollten. Und so war es nicht verwunderlich, dass gleich nach dem Brand aus dem Bekanntenkreis Fragen nach dem "Wohlergehen" des Maskottchens auftauchten. Sehr zum Bedauern der Rögners blieb Pumuckl kurzzeitig verschollen - doch dann entdeckte ihn Dominiks jüngerer Bruder Johannes (14) bei den Aufräumarbeiten unter einem Ofenrohr - und zwar komplett ohne Brandflecken. Gelöst hatte sich nur der gelbe Pulli, den eine Verwandte der Familie inzwischen durch ein neu gestricktes Exemplar ersetzt hat.

 

Gewaltig ist jedoch der Aufwand, der bislang nötig war, um das Geld zu bekommen. "Seit dem Brand bin ich jeden Tag im Schnitt drei Stunden lang mit Versicherungsangelegenheiten beschäftigt", berichtet Rögner und zeigt auf einen prall gefüllten Ordner mit Briefen und Dokumenten. "Und da sind noch gar nicht mal die Ausdrucke von gut 200 E-Mails dabei." Ständig müsse er Angaben einreichen und Daten in Antwortschreiben abgleichen.

 

Als "Weltklasse" bezeichnet Rögner ein Maklerbüro aus der Region, das er als Vermittler zwischen dem Betrieb und den Versicherungen beauftragt hat. Besonders hilfreich sei auch eine Ertragsausfall-Versicherung: Weil diese bis zur Wiederaufnahme des Betriebs greife, würden Auszahlungen für den Wiederaufbau und die Neubeschaffung von Maschinen recht zügig geleistet. "Wenn du keine aktuellen Versicherungsverträge hast, bist du verloren", ist der 58-Jährige überzeugt.

Sofort nach dem Brand hatten sich die Rögners das Ziel gesetzt, alles so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Unermüdlich pakt die ganze Familie an. "Wir geben seit acht Wochen jeden Tag Vollgas", betont Sohn Dominik Rögner (29), ebenfalls Schreinermeister im Betrieb. "Es sind bis heute noch keine Tränen geflossen, weil wir laufend unter Strom stehen. Wir sind noch gar nicht richtig zum Nachdenken gekommen."

Inzwischen sind 95 Prozent der nötigen Handwerksarbeiten vergeben - und zwar vollständig an Firmen aus dem Landkreis. Zuletzt wurde der Boden der Produktionshalle betoniert, die nächsten Schritte folgen Schlag auf Schlag. Bestellt sind Maschinen auf dem allerneuesten Stand der Technik. Bis Mitte Dezember soll der Schreinereibetrieb wieder anlaufen. "Das ist ein sportliches Programm", bekennt Dominik Rögner. "Aber wir liegen voll im Zeitplan."

Sein Vater betont, dass beim Wiederaufbau besonders auf den Umweltschutz geachtet werde und die Anwohner künftig weniger als bisher von den täglichen Arbeiten mitbekämen. "Wir machen da mehr, als wir müssten."

Großen Dank richtet die Familie an die vielen Helfer; allen voran an die zahlreichen Einsatz- und Rettungskräfte in der Brandnacht. "Jeder hat sein Menschenmöglichstes gegeben", erinnert sich Dominik Rögner. Er und sein Vater sind sich einig, dass die enorme Welle der Anteilnahme nach dem Brand auch damit zusammenhängt, dass sie selbst schon immer anderen geholfen und vieles auch mal unentgeltlich erledigt hätten. Wegen der Hilfsbereitschaft der Rögners ist im Kunden- und Bekanntenkreis bereits vor Jahren der Beiname "Schreiner mit Herz" aufgekommen. "Und jetzt sind wir die Schreiner mit Doppelherz", bemerkt Peter Rögner dazu lachend.

Einige Helfer aus dem Dorf wollen die Rögners besonders hervorheben. Josef Eckert etwa, der umgehend seine Halle zur Zwischenlagerung des ausgeräumten Inventars zur Verfügung gestellt hatte. "Dort konnten wir auch eine provisorische Schreinerei einrichten", freut sich Peter Rögner. So habe man wichtige termingebundene Aufträge fertigstellen können. Dafür, dass Werkstücke nun deutlich später geliefert werden als geplant, hätten die Kunden generell viel Verständnis gezeigt.

Ebenfalls würdigt Peter Rögner Konrad Heindl, der mit Maschinen und Gerät anrückte, um den Schutt zu beseitigen. Noch während des Brandes, also mitten in der Nacht, haben Alfred Schaumberger und seine Familie Essen und Getränke für die Helfer bereitgestellt. Lob gibt es auch für das zügige Eingreifen der benachbarten Dachdeckerei Haberkorn: "In nur drei Tagen haben die das komplette Dach abgerissen und weggefahren." Und selbst ein Konkurrent zeigte sich solidarisch: "Schreinermeister Helmut Weiß aus Mitterteich hat angeboten, dass wir jederzeit bei ihm vorbeikommen können, um zu produzieren", berichtet Rögner.

Allerdings habe es im Dorf auch einige wenige gegeben, die sich trotz der Ausnahmesituation und den damit verbundenen Arbeiten beschwert hätten. "Die allermeisten Leute hatten aber Verständnis für Lärm, Schmutz und Dreck. Dafür bedanken wir uns!", betont Peter Rögner. Ärgerlich gewesen seien auch Gerüchte und Spekulationen zur möglichen Brandursache. Rögner weist darauf hin, dass die Kripo Amberg und ein Diplom-Chemiker des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung Untersuchungen vorgenommen hätten. Die Ursache für die Entstehung des Feuers sei zwar nach wie vor ungeklärt. Aber der Betriebsinhaber stellt mit Verweis auf die Experten fest: "Fahrlässigkeit und Eigenverschulden wurden ausgeschlossen."

Autor

Udo Lanz
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
17:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Brände Brüder Familien Pumuckl Schreinereien Söhne Versicherungen Verwandte Werkstätten Wiederaufbau Zerstörung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Peter Schricker, der Vorsitzende der Seniorengemeinschaft Fichtelgebirge (links), und Polizeihauptkommissar Martin Zatschka. Foto: Peter Pirner

03.11.2019

Polizei warnt vor dreisten Betrügern

Martin Zatschka gibt Senioren Tipps für ihre Sicherheit. Enkeltrick und Gewinnversprechen sind gängige Maschen von Verbrechern. » mehr

Im Gegensatz zu moderneren Atmenschutzmasken wird dieses historische Stück durch einen Blasebalg mit frischer Luft versorgt.

09.10.2019

Historische Zeugen der Brandbekämpfung

Die Marktredwitzer Wehr hat über die Jahrhunderte eine gewaltige technische Entwicklung erlebt. Im Feuerwehrmuseum sieht man alte Schlauchwagen und Atemschutzmasken. » mehr

Bei einem Einzel-Casting mit Regieassistent Hellmut Fulss (links) zeigt die filmbegeisterte Astrid Kluge vom Amateurtheater Marktredwitz-Dörflas, was sie kann. Vielleicht erlebt sie bald die echte Kinowelt mit historischen Kostümen, Waffen, Fahrzeugen an tollen Schauplätzen im Fichtelgebirge.

27.09.2019

Komparsen gesucht: Dreharbeiten für Kino-Film in Marktredwitz

Kinobegeisterte können bald echte Hollywood-Luft schnuppern. Ein Filmteam sucht gut 200 Komparsen für Dreharbeiten, die Ende Oktober beginnen. » mehr

Maša Novosel und Saskia Hein (von links) boten den Besuchern des Salonkonzerts der Seidel-Villa einen exquisiten Musikgenuss.	Foto: M. K.

16.10.2019

Die Finger fliegen nur so

Musikgenuss in der Seidel-Villa: Saskia Hein und Maša Novosel spielen ein abwechslungsreiches Salonkonzert. » mehr

Zahlreiche Glückwünsche gab es zur Eröffnung des "Bräustüberls" (von links): Sebastian Macht von MAKnetisch, Andreas Nothhaft mit Töchterchen Antonia, Wirtin Maria Stecto, Oberbürgermeister Oliver Weigel, Sohn George Stecto, die Mutter der Wirtin, Maria Stecto, und Seniorchef Otto Nothhaft. Foto: Scharf

09.10.2019

"Bräustüberl" in neuen Händen

Maria Stecto hat das Traditionslokal übernommen. Für sie und die Brauerei Nothhaft ist es eine Win-Win-Situation. » mehr

Die Ausstellung eröffneten (von links) Janis Große-Wöstmann, Pablo Schindelmann, Beate Roth, Horst Geißel, Volker Dittmar, Ute Ewering und der stellvertretende Bundesvüarstäiha Günther Wohlrab.	Foto: Matthias Kuhn

01.10.2019

Anerkennung für Josef Hendel

Der unbekannte Künstler erhält nun seinen Platz: Josef Hermann Hendel ist ein besonderer Botschafter des Egerlandes. Jetzt erhält er eine Ausstellung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eddy

Katzen aus Lichtenberg |
» 5 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor

Udo Lanz

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
21. 10. 2019
17:14 Uhr