Münchberg

Tage für die Rotbuche am Klosterplatz sind gezählt

Das Gutachten für 2200 Münchberger Bäume liegt vor. Demnach sind nicht alle Bäume gesund, nur weil sie gesund aussehen.



Die Rotbuche auf dem Klosterplatz in Münchberg ist abgestorben und muss so schnell wie möglich weg. Die Gefahr, dass durch herabfallende Äste Fußgänger zu Schaden kommen, ist groß. Foto: igo
Die Rotbuche auf dem Klosterplatz in Münchberg ist abgestorben und muss so schnell wie möglich weg. Die Gefahr, dass durch herabfallende Äste Fußgänger zu Schaden kommen, ist groß. Foto: igo  

Münchberg - Nicht jeder Baum, der gesund ausschaut, ist gesund. Das war die Kernaussage von Bauhofleiter Klaus Breuherr, als er im Bauausschuss das jüngst erstellte Baumgutachten vorstellte. Alle Jahre werden rund 2200 Bäume kontrolliert. Zwölf zwischen 80 und 100 Jahre alte Bäume seien von dem Baumgutachter und Biologen Rainer Gerber aus Hassfurth eingehend unter die Lupe genommen worden. Er hat die Stand- und Bruchsicherheit der Bäume überprüft. Für die ortsprägende Rotbuche am Klosterplatz ist das Urteil vernichtend ausgefallen: "Sie muss gefällt werden."

Laut Breuherr hat sich der Baum in den vergangenen fünf Jahren verändert und sei inzwischen abgestorben. "Jeden Frühling hat er ausgetrieben, aber von Jahr zu Jahr sind die Blätter kleiner geworden." Zudem habe die Buche eine zweite Krone gebildet. Dies sei ein Zeichen dafür, dass der Baum nicht mehr gesund ist. Er habe unter der Trockenheit der vergangenen Jahre gelitten und könne sich nicht mehr gegen die holzzersetzenden Pilze wehren, die ihn befallen haben. Alle Pflegemaßnahmen der vergangenen Jahre, wie Verspannungen in der Krone und regelmäßige Einkürzungen der Äste hätten nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Um Personen- und Sachschäden zu vermeiden, so berichtete Breuherr, habe man vor rund fünf Wochen die Parkplätze rund um die Baumkrone großflächig gesperrt. Für das Auto einer in der Nähe beschäftigen Frau allerdings zu spät, wie ein Besucher, der Ehemann der Geschädigten, in der Sitzung bemerkte. Auf das Auto seiner Frau sei bei stürmischem Wetter ein Ast gefallen. Trotz Versicherung sei sie auf einem Schaden von 150 Euro sitzengeblieben. Sein Ansinnen, dass sich die Stadt an dem Verlust beteiligt, fand kein Gehör im Bauausschuss. Bürgermeister Christian Zuber sprach von höherer Gewalt. Die Mitglieder des Gremiums folgten aber dem Ratschlag des Bauhofleiters, sich für eine schnelle Fällung der abgestorbenen Buche zu entscheiden. Das Risiko, dass Äste runterfallen und Fußgänger verletzten, ist groß, mahnte er. "Wenn das Wetter passt, kommt sie am Dienstag weg", sagte Breuherr.

Stadträtin Irmgard Aust zeigte sich erstaunt, dass bei der Sperrung nur an Autos gedacht worden ist. "Wir hätten den Platz auch für Fußgänger sperren müssen", sagte sie. Stadtrat Reiner Schneider plädierte für schnelles Handeln, damit nicht noch mehr passiert. Stadtrat Artur Materny fragte an, ob nicht mit Bewässerung und Belüftung eine Rettung der Buche möglich gewesen wäre. Nein, lautete die Antwort.

Bürgermeister Christian Zuber bot einen großkronigen Baum als Ersatz an. Allerdings wolle man erst die Planungen für die Neugestaltung der Ludwigstraße vom Klosterplatz bis zur Bahnhofstraße abwarten.

Auch für ein paar andere Bäume gab es keine Rettung. Bereits gefällt ist eine Krimlinde am Schützenhausplatz. Sie war vom Brandkrustenpilz befallen und stellte eine Gefahr für Autos und Fußgänger dar. Dasselbe Schicksal erlitten eine Roteiche und eine Rotbuche im Stadtpark, deren Bruchsicherheit wegen Pilzbefalls nicht mehr gewährleistet war. Eine Schonfrist erhalten eine Winterlinde in der Luitpoldanlage, eine Sommerlinde am Wiesenfestplatz, eine Rotbuche an der Zufahrt zum Altenheim am Stadtpark und ein Bergahorn an der Kreuzbergschule. Die Bäume sind zwar geschädigt, der Baumpfleger attestierte ihnen aber noch eine Lebensdauer zwischen zehn und 20 Jahren bei gezielten Pflegemaßnahmen. Die Wurzel des Bergahorns habe man inzwischen belüftet, Granulat und Dünger eingebracht, um die Wurzeln zu beleben, erzählte Klaus Breuherr. Die angesprochenen Bäume werde man alle vier bis fünf Jahre wieder genau untersuchen.

Das Baumgutachten des Experten aus Hassfurth enthält auch Ratschläge für Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe von Bäumen. So sollte eine Handschachtung dem Ausbaggern mit schweren Geräten vorgezogen werden.

Für Stadträtin Irmgard Aust ist es gut, dass die Öffentlichkeit einmal erfährt, dass bei der Begutachtung von Bäumen "nicht nur ein wenig hingeschaut wird", sondern Hightech zum Einsatz kommt.

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Irene Gottesmann
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Veröffentlicht am:
12. 12. 2019
19:46 Uhr

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Irene Gottesmann

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12. 12. 2019
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