Naila

Bier und Snacks statt Predigt

In Naila gehen Christen neue Wege, um Interesse an der Kirche zu wecken: Mit einer Kneipe wollen sie einen Treffpunkt schaffen, in dem auch der Glaube eine Rolle spielt.



Einige der fleißigen ehrenamtlichen Helfer, die samstags in den Räumen der entstehenden Kneipe "täubla" werkeln: (von links) Pfarrer Dominik Rittweg, Thorsten Schatz (CVJM), Lisa Metzger (Christlicher Jugendbund der LKG) und Markus Czekalla (CVJM). Foto: Hüttner
Einige der fleißigen ehrenamtlichen Helfer, die samstags in den Räumen der entstehenden Kneipe "täubla" werkeln: (von links) Pfarrer Dominik Rittweg, Thorsten Schatz (CVJM), Lisa Metzger (Christlicher Jugendbund der LKG) und Markus Czekalla (CVJM). Foto: Hüttner  

Naila - Die Kirchengemeinden verlieren Mitglieder. Um dem entgegenzusteuern, geht die evangelische Kirche in Naila mit dem Marlesreuther Pfarrer Dominik Rittweg, der erst voriges Jahr aus Konradsreuth in den Frankenwald umgesiedelt ist, neue Wege. Sie erweckt eine Kneipe am Marktplatz 10 wieder zum Leben. Das "Café Sorgenfrei", das vor 15 Jahren geschlossen hat und als "Ben" bekannt ist, wird generalsaniert und als Kneipe "täubla" wieder eröffnet - noch in diesem Jahr.

Momentan kann man noch Bedenken haben, ob das klappt. Staub und ein Durcheinander mit Relikten aus vergangener Zeit wie Thekenbeleuchtung oder ein alter, aber noch funktionsfähiger Geschirrspüler prägen das Bild. Doch die Akteure, alles Ehrenamtliche, sind optimistisch.

Das Dekanat Naila, die Landeskirchliche Gemeinschaft (LKG) und der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) haben sich für das Kneipen-Projekt zusammengetan, nachdem sie festgestellt hatten, dass es in Naila und Umgebung kein Angebot für junge Erwachsene gibt. "Die Kirche kann diese Klientel nicht erreichen, es fehlt ganz einfach ein Treffpunkt", erklärt Thorsten Schatz vom CVJM, einer der Helfer. Bei einem Treffen 2018 wurde klar, es muss etwas anderes sein als ein "typisch kirchliches" Angebot: "Es soll gefallen und Lust zum Besuch wecken", betont Thorsten Schatz. "Eine Kneipe sollte es sein. Und da es in Naila keine typische Kneipe mehr gibt, bauen wir auch keine Konkurrenz auf." Beim "Ben" wurde man fündig, "und wir stießen bei Verpächter Wilhelm Wohn gleich auf offene Türen". Seit Juni laufen der Pachtvertrag und die Arbeiten, die ehrenamtlich und unentgeltlich durchgeführt werden. Demzufolge sind die Arbeitszeiten stark eingeschränkt, meist muss der Samstag herhalten. "Aber wir werden in diesem Jahr noch eröffnen", versichert Thorsten Schatz.

Nach dem Entkernen sind die Fachleute mit Elektrik und Sanitär an der Reihe. Die Kosten bereiten keine Sorgen. "Unsere Finanzen sind top. Der Dekanatsausschuss hat 12 000 Euro bereitgestellt, und wir erhalten von der Sparkassenstiftung 2500 Euro und von der kirchlichen Organisation ‚Neue Weg in der Kirche‘ 5000 Euro", rechnet Thorsten Schatz vor. Er ist der Schatzmeister des extra gegründeten gemeinnützigen Trägervereins "Hoffnung & Malz".

Als Vorsitzender agiert Philipp Mauer und als Stellvertreter der Marlesreuther Pfarrer Dominik Rittweg, der sich schon als Vikar in Konradsreuth sehr für die Jugendarbeit engagiert hat. Im Vereinsvorstand sind LKG, Kirchengemeinde und CVJM vertreten, die auch später als Betreiber zusammenarbeiten werden. Philipp Mauer hat einen Lehrgang absolviert und wird als Wirt agieren; den Thekendienst übernehmen Ehrenamtliche. Ausgeschenkt wird oberfränkisches Bier. Zudem wird es Snacks geben.

Die Kneipe "täubla" soll Treffpunkt sein, einfach zum Zusammensitzen, und ein Ort, an dem auch der Glaube einen wichtigen Part hat, ungezwungen, ohne sich aufzudrängen. "Nur keine Panik, es wird keine Predigten geben", betont Thorsten Schatz, "aber ein kulturelles Angebot mit Konzerten und Lesungen und sicherlich noch weiteren Aktionen."

Zum Haus gehört ein Hinterhof mit Garten. "Noch ist es Zukunftsmusik, da der Hof erst einmal auf Vordermann gebracht werden muss, aber ein Mittendrin-Konzert wäre durchaus denkbar", blickt Thorsten Schatz in die Zukunft. Die Kneipe wird einen großen Gastraum mit neuer Bar bieten, einen Nebenraum mit Platz für die Kultur, eine Küche und Sanitäranlagen. "Wir haben glücklicherweise Bestandsschutz, und die Konzession ist beim Landratsamt wieder beantragt", berichtet Schatz.

Pfarrer Dominik Rittweg, der ebenfalls mit anpackt, erklärt den Namen "täubla" (kleine Taube). "Wir wollten einen fränkischen Namen, der noch urig klingt, der einlädt und zugleich ausstrahlt, hier braucht sich keiner schick anziehen, hier ist jeder in seiner Kluft willkommen und kann sich niederlassen." Das Unternehmen ist reihum auf große Resonanz gestoßen, bei Bürgermeister Frank Stumpf wie auch Dekan Andreas Maar. Sie bleibt spannend, die Wiederbelebung der Kneipe "Ben".

Autor

Sandra Hüttner
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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:22 Uhr

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Sandra Hüttner

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Veröffentlicht am:
20. 10. 2019
18:22 Uhr