Länderspiegel

Handwerk behauptet sich in der Krise

Die Branche erleidet weniger Einbußen als andere Zweige der Wirtschaft. Die Beschäftigung bleibt weitestgehend stabil.



München - Trotz eines dramatischen Umsatzeinbruchs im zweiten Quartal um rund zehn Prozent hofft das bayerische Handwerk einigermaßen glimpflich durch die Corona-Krise zu kommen. Nach Schätzungen des Präsidenten des Bayerischen Handwerkskammertages (BHT), Franz Xaver Peteranderl, wird der Umsatzrückgang über das Jahr gerechnet mit minus 3,5 Prozent spürbar geringer ausfallen als es für die gesamte Wirtschaft prognostiziert ist. Die Zahl der Arbeitsplätze wird demnach sogar fast stabil bleiben. "Wir sind optimistisch, dass das bayerische Handwerk ohne allzu große Arbeitsplatzverluste durch das Jahr kommt", sagte Peteranderl.

Ungeachtet dessen hat die Corona-Krise das Handwerk im zweiten Quartal, in dem auch der wochenlange landesweite Lockdown lag, "schwer getroffen", betonte Peteranderl. Während die Baubranche fast ohne Einschränkungen habe weiterarbeiten können, hätten vor allem konsumnahe Handwerke sowie die Kfz- und Zulieferbetriebe "massiv gelitten". Der Umsatzrückgang von nominal zehn Prozent auf 28,1 Milliarden Euro sei "in dieser Dimension einzigartig", erklärte Peteranderl. Zumindest für die Kunden hat der Auftragsrückgang ein Gutes: Die Wartezeit auf einen Handwerker hat sich durchschnittlich um fast zwei Wochen verkürzt.

Auch wenn die Handwerksmeister laut aktueller Umfrage damit rechnen, in den kommenden Monaten weiter im Krisenmodus arbeiten zu müssen, hat dies kaum Auswirkungen auf die Beschäftigung. Ende Juni arbeiteten laut BHT-Schätzung knapp 948 000 Menschen im bayerischen Handwerk, nur 0,5 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Unternehmen wüssten, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte seien, und täten deshalb alles, diese im Betrieb zu halten, sagte Peteranderl. Sorge bereite ihm jedoch der Ausbildungsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr seien bislang 15,9 Prozent weniger Lehrverträge abgeschlossen worden (10 800).

Autor

Jürgen Umlauft
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Veröffentlicht am:
24. 07. 2020
20:11 Uhr

Aktualisiert am:
24. 07. 2020
20:11 Uhr

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Jürgen Umlauft

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Veröffentlicht am:
24. 07. 2020
20:11 Uhr

Aktualisiert am:
24. 07. 2020
20:11 Uhr