Länderspiegel

Hetzjagd: Trächtiges Reh stirbt qualvoll

Vermutlich ein großer Hund hat bei Kauerndorf im Landkreis Kulmbach ein trächtiges Reh zu Tode gehetzt. Dessen beide Kitze hätten vielleicht noch gerettet werden können.



Das trächtige Rickenkitz musste nach einem langen Todeskampf qualvoll sterben. Fotos: Werner Reißaus
Das trächtige Rickenkitz musste nach einem langen Todeskampf qualvoll sterben. Fotos: Werner Reißaus  

Kauerndorf - Es war eine grausame Entdeckung, die Jagdvorsteher Gerhard Wehner vor wenigen Tagen zusammen mit Jagdpächter Ralf Suske am Kauerndorfer Berg machen musste: Ein trächtiges Reh war verendet und mit ihm zwei kleine Rehkitze, die kurz vor der Geburt waren. Der Jagdvorsteher geht davon aus, dass ein größerer Hund das Reh aufstöberte und durch ein Getreidefeld gehetzt hat, bis es am Wegesrand erschöpft den Todeskampf aufgeben musste.

Am Sonntag wurde Wehner gegen 17.30 Uhr von der Polizeiinspektion Stadtsteinach davon informiert, dass am Kauerndorfer Berg, genauer gesagt am "Stränglein", ein totes Reh am öffentlichen Feld- und Waldweg liegen soll. Wehner verständigte daraufhin die beiden Jagdpächter Frank Hömberg und Ralf Suske, die erst seit dem 1. April 2020 die Jagd von Dr. Johann Hunger und Dieter Escher übernommen haben. Gemeinsam traf man sich am Bergweg in Kauerndorf und machte sich auf die Suche. Wehner: "Die gestaltete sich anfangs etwas schwierig, weil wir nicht genau wussten wo. Ein Rückruf bei der Polizei brachte dann eine genaue Beschreibung. Wir sahen dann schon von Weitem, dass das Reh tot mitten auf dem Weg lag. Im Getreidefeld erkannten wir eine Schleifspur von 20, 30 Metern Länge, die so ungefähr einen dreiviertel Meter breit war." Diese Spur war für Wehner auch ein Indiz dafür, dass die Ricke einen Todeskampf erleiden musste.

Für den Jagdvorsteher war klar, es muss ein Hund gewesen sein, der das Reh von hinten angriff und in den After biss und nicht mehr losließ. Darauf deuten wiederum die Schleifspuren. Er ist sich sicher, dass es kein Wolf war, der das Rickenkitz qualvoll zum Tode trieb: "Ein Wolf geht an die Kehle und an der war überhaupt keine Verletzung. Auf dem Weg verlor das Reh dann die Kräfte und ist vermutlich einem Herztod erlegen." Dies sei bei Rehen nicht unüblich, denn sie sind zwar schnell, haben aber keine große Ausdauer.

Als das Reh fachmännisch von Jagdpächter Ralf Suske geöffnet wurde, stellte man das nächste Unheil fest: Das Tier war mit zwei Kitzen trächtig, die in den nächsten Tagen das Licht der Welt erblickt hätten. Aufgrund der Körpertemperatur der beiden Kitze schätzen die Jäger, dass der Todeszeitpunkt nicht allzu lange her gewesen war. Es musste wohl um die Mittagszeit gewesen sein, in der sich am vergangenen Sonntag der Todeskampf am Kauerndorfer Berg abgespielt hat. Wehner: "Wenn wir schneller hätten reagieren können, hätten wir die beiden Rehkitze am Leben erhalten können. Eine halbe Stunde nach dem Tod der Geiß hätten wir vielleicht noch eine Chance gehabt."

Eigentlich wollte der Jagdpächter Frank Hömberg den Fall zur Anzeige bringen, doch von der Polizei erhielt er die Auskunft, dass ohne die Nennung eines Beschuldigten kein Anzeigeverfahren in Gang gesetzt wird. Gegenwärtig hat Wehner zwar einen Verdacht, doch der hilft ihm nicht weiter. Nur so viel kann der Jagdvorsteher mit Sicherheit feststellen: "Das Reh hat ein relativ großer, kräftiger, ausdauernder Hund gerissen."

Aus gegebenem Anlass appelliert Wehner jetzt an die Hundebesitzer und weist auf die Schilder hin, die von der Jagdgenossenschaft Kauerndorf an den öffentlichen Feld- und Waldwegen angebracht wurden: "Lieber Hundefreund, in unserem Jagdrevier gilt Wald und Wild vor Hund. Bitte nehmen Sie Ihren Liebling an die Leine für Ihre und die Sicherheit anderer." Wichtig ist Wehner vor allem, dass die Hauptwege von den Hundehaltern nicht verlassen werden und die Hunde nicht quer durch den Wald geführt werden. Dass die Hundehalter nicht immer einsichtig sind, beweist eine Begegnung von Gerhard Wehner in der vorletzten Woche im Wald, als er einen Hundehalter bat, seine Hunde an die Leine zu nehmen. Der entgegnete Wehner allerdings, dass er sie nicht an die Leine nimmt, weil sie ausgebildet seien.

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Werner Reißaus
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Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
16:48 Uhr

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Werner Reißaus

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26. 05. 2020
16:48 Uhr